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Der Multimillionär lenkt sein Firmenimperium von Hartmannsdorf und Radebeul aus

Von Hessen nach Sachsen: Wie Oliver Kreider zum Immobilientycoon der neuen Bundesländer wurde

Freitag, 05 Mai 2017 00:01
Oliver Kreider in "Räuberzivil" kürzlich auf São Tomé Oliver Kreider in "Räuberzivil" kürzlich auf São Tomé Quelle: HESSEN DEPESCHE

Hartmannsdorf/Radebeul – Im Schnitt verfügen die Haushalte in den neuen Bundesländern über ein Vermögen von 67.400 Euro. Einer der weit über diesem Betrag liegt, ist der erfolgreiche Unternehmer und Investor Oliver Kreider, den es gleich nach der Wende, im Herbst 1989, aus dem südhessischen Bürstadt (Kreis Bergstraße) nach Sachsen verschlug. Man nennt den gebürtigen Mannheimer deswegen auch oft einen „Glücksritter“. Dabei hat ihn, so sagt er es zumindest, nicht das Geschäft, sondern die Liebe in den Osten geführt. „Als ich im Oktober 1989 als Marketing-Experte nach Karl-Marx-Stadt kam, verlor ich mein Herz an eine Sächsin“, verriet er einmal der „Bild“-Zeitung Inzwischen ist er geschieden, hat eine neue Herzdame, „eine lettische Schönheit“, wie die „Zeit“ vermerkte, doch seine Firmenzentrale hat er im Osten belassen.

Oliver Kreider ist geschäftsführender Gesellschafter der der O.K. Haus- und Immobilienverwaltung GmbH mit Sitz in Hartmannsdorf bei Chemnitz. Über 2.000 Wohnungen, nicht nur in Sachsen, sondern über die gesamten neuen Bundesländer verteilt, gehören zu seinem Portfolio. Das weitverzweigte Firmengeflecht des Selfmade-Multimillionärs zählt gut dreißig Einzelunternehmen. Zudem sei er an „200 Gewerbeobjekten wie Fachmärkten, Logistikzentren, Tankstellen“ beteiligt, berichtete „Bild“. Darüber hinaus kooperiere er „mit börsennotierten israelischen Gesellschaften, die zu den finanzstärksten Investoren des Nahen Ostens zählen“, erzählte Kreider dem Blatt.

Max Strauß in der „Friedensburg“

Vor den Toren Dresdens, in der Wein-, Villen- und Gartenstadt Radebeul, die wegen ihrer reizvollen Lage auch „Sächsisches Nizza“ genannt wird, hat Kreider eine Villa mit 750 Quadratmeter Wohnfläche, „Friedensburg“ genannt, erworben. In der Oberen Burgstraße arbeitete für ihn Max Strauß, Sohn des legendären bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, der sich als Vertriebschef um die NC Logics AG kümmert, eines von Kreiders vielen Unternehmen, das medizinische Technik zur Behandlung von Depressionen herstellt.

Ursprünglich wollte der aus kleinen Verhältnissen stammende Immobilientycoon 2014 einen niederländischen Pharmakonzern nach Radebeul holen und 500 Arbeitsplätze schaffen. Wegen „rechtlicher Unwägbarkeiten“ musste er den Plan jedoch aufgeben. Mit der NC Logics AG, die unter anderem das Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale beliefert, will Kreider bald „bis zu 2.000 Kliniken ausrüsten“. Auf die Arbeitsplätze musste Radebeul verzichten. Nicht weiter schlimm, möchte man meinen, da in dem Ort, der eine ähnlich hohe Millionärsdichte wie Hamburg-Blankenese aufweist, statistisch gesehen ohnehin Vollbeschäftigung herrscht.

Barocker Lebensstil

Die Stadtoberen waren zunächst skeptisch, als Kreider vor drei Jahren ankündigte, die Friedensburg, ein neogotisches Neureichengebäude mit Türmen, Zinnen und allerlei Zierrat, in einer Zwangsversteigerung zu erwerben. Kreider ist kein Mann des Understatements und der Bescheidenheit, er fährt gerne mit seinem Maybach vor oder reist gleich per Learjet an. Auch in einem Ort, in dem Reiche nichts Ungewöhnliches sind und Autohäuser von Ferrari und Porsche zum Stadtbild gehören, kommt so viel Pomp erstmal nicht gut an. Nach mehreren kleinen Scharmützeln, bei denen es unter anderem um eine aus dem Ruder gelaufene Party auf der „Friedensburg“ ging, haben sich jedoch alle mit dem Unternehmer mehr oder minder arrangiert. Auf die Gewerbesteuereinnahmen möchte man in der „Stadt der 250 Millionäre“, wie Radebeul auch genannt wird, schließlich ungern verzichten. Seinen Namen kennen dort alle, gesehen hat ihn aber kaum jemand.

Über Kreiders Anwesen am Elbhang berichtete die „Sächsische Zeitung“ vor zwei Jahren: „In der mit schwarzem Marmor gefliesten Diele grinst eine silbern glänzende meterlange Eidechsen-Skulptur. Ein mannshoher Spiegel mit vergoldetem Barockschnörkel hängt an einer Wand und fragt: Wer ist der Reichste im ganzen Radebeuler Land?“ Und weiter: „Es duftet nach Reichtum, nach Erfolg, auch nach Dekadenz. Designerschalen mit überdimensionierten Kirschen und meterhohe Blumenvasen widmen sich dem Staubfangen. Spiegelt das Interieur der Friedensburg, in die der Millionär vor gut einem Jahr eingezogen ist, auch den Menschen Kreider? Der hat sich derweil in seine zwölfsitzige Couch fallen lassen. Auf dem schultafelgroßen Flachbildschirm über dem Kamin läuft tonlos NTV.“

Automarkt und Spielautomaten

Zurück zu den Anfängen: Nach seinem Umzug von Hessen nach Sachsen lernte Kreider den mittlerweile verstorbenen Präsidenten des heutigen Chemnitzer FC, Heinz Friedrich, kennen. Der brauchte Autos für seine Spieler. So gingen die Geschäfte des „Wessis“ in Sachsen los. Friedrich hat Kreider dann einen Kontakt zur Wismut vermittelt, auf deren Gelände er den ersten privaten Automarkt im Freistaat etablieren konnte. Später organisierte er für einen Bekannten das Geschäft mit Glücksspielautomaten im Osten, das sich als wahre Goldgrube erwies. Mit Hunderten von Spielautomaten in rund 300 Gaststätten verdiente Kreider zur jener Zeit nach eigenen Angaben 250.000 D-Mark im Monat – Peanuts im Vergleich zu dem, was heute in die Kassen des Unternehmers fließt.

Im Jahr 1992 verkaufte Kreider seine Spielautomatenfirma und steckte sein Geld nach und nach in Immobilien, angefangen mit einer Jugendstil-Villa im Chemnitzer Gründerzeitviertel Kaßberg. Immer mehr alte, denkmalgeschützte Gebäude gingen mit den Jahren in seinen Besitz über. Die „Sächsische Zeitung“ hierzu: „Dank der Fußball- und Wismut-Kontakte spürt er im Chemnitzer Grundbuchamt die Alt-Eigentümer auf. Diese Unterlagen seien für ihn ‚goldene Bücher‘ gewesen, sagt er. Kreider erwirbt Rückübertragungsansprüche, hat rasch etwa 400 lukrative Häuser beisammen. Als Steuersparmodell verkauft er sie weiter. (…) Über Jahre hinweg sei er für ansehnliche Villen und Stadthäuser die erste Lieferadresse gewesen.“

Geschäft mit Insolvenzimmobilien

Kreider stieg auf Insolvenzimmobilien um, erwarb unter anderem das „Kulturhaus der Bergarbeiter“ in Chemnitz-Rabenstein und ging eine Kooperation mit dem israelischen Investor Elizer Fishman ein. Dem organisierte er 1.200 Wohnungen von der angeschlagenen Westdeutschen Hypothekenbank, 1.000 Wohnungen am Leutewitzer Ring in Dresden, fast 700 Wohnungen in Magdeburg. Alle wurden für sprichwörtlich für „einen Appel und ein Ei“ gekauft und teuer wieder verkauft, so dass Millionen nach Israel wanderten und ein Teil davon auch in Kreiders Tasche.

In der Radebeuler „Friedensburg“ wohnt inzwischen Dresdens bekannter Gourmet-Koch Gerd Kastenmeier, der das Fischrestaurant im „Kurländer Palais“ betreibt. Max Strauß schaut nur noch gelegentlich vorbei. „Inzwischen haben wir den IT-Bereich nach München verlegt, wo jetzt auch Herr Strauß meist arbeitet. Das Büro in Radebeul gibt es aber weiter“, beteuerte Kreider im vergangenen Jahr. Ein Restaurant wird es in der pompösen Villa jedoch vorerst nicht geben. Das wirtschaftliche Risiko ist Kreider zu groß. Er geht eben immer auf Nummer sicher. Auch dies gehört zum Geheimnis seines Erfolgs.

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