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Tausende Reisegutscheine ungültig

Urlaubstours GmbH und andere Töchter der Unister-Gruppe melden Insolvenz an

Freitag, 22 Juli 2016 15:58
UNISTER UNISTER Quelle: UNISTER Holding GmbH

Leipzig – Nach dem Insolvenzantrag der Leipziger Internetfirma Unister hat auch der Reiseveranstalter Urlaubstours GmbH Insolvenz angemeldet. Urlaubstours ist eine Tochter der Unister Holding GmbH, die insgesamt 40 Internetportale wie „fluege.de“ oder „ab-in-den-urlaub.de“ betreibt. Auch andere Tochterunternehmen der rund 1.000 Mitarbeiter zählenden Gruppe wie die Unister Travel Betriebsgesellschaft oder U-Deals befinden sich inzwischen in Insolvenzverfahren. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Dr. Lucas Flöther von der Dresdner Kanzlei Flöther & Wissing bestellt.

Rund 14.000 Kunden, die Reisegutscheine auf den Unister-Portalen bestellt haben, sind von der Pleite der Unternehmensgruppe besonders betroffen, da ihre Tickets von den Veranstaltern vor Ort nicht mehr eingelöst werden. Es gebe auch Fälle, „in denen einzelne Hotels bereits bestätigte Anreisen von Kunden ablehnen oder eine doppelte Bezahlung fordern“, teilte Rechtsanwalt Flöther am Freitag mit. U-Deals informiere die betroffenen Kunden, dass ihre Gutscheine „zurzeit leider nicht einlösbar“ seien. „Das Insolvenzrecht lässt uns hier leider keinen Spielraum, die geleisteten Zahlungen fallen in die Insolvenzmasse“, so Flöther. „Allerdings bemühen wir uns auch für diese Kunden um kulante Lösungen.“

Kunden, die eine Reise über Urlaubstours gebucht haben, haben indes „erstmal Glück im Unglück“, wie Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärte. Das Unternehmen sei nicht im Reisevermittlungsgeschäft tätig, sondern trete ausschließlich Reiseveranstalter auf. Beantragt ein Reiseveranstalter Insolvenz, würden Kunden über einen sogenannten Reisesicherungsschein aufgefangen. Dadurch sei die Absicherung für den bereits gezahlten Reisepreis und sonstige Aufwendungen gewährleistet, die im Fall der Zahlungsunfähigkeit oder der Insolvenz entstehen. „Hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass dieser Nachweis auch tatsächlich erbracht wird. Ist das nicht der Fall, sollte man nicht zahlen“, so Verbraucherschützerin Wiesemann. Der Nachweis über den Sicherungsschein liege in der Regel den Reiseunterlagen bei.

Der Unister-Insolvenzantrag wurde gestellt, nachdem der Geschäftsführer des Unternehmens, Thomas Wagner, und sein Mitgesellschafter Oliver Schilling am 14. Juli bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Ajdovščina (Slowenien) ums Leben gekommen waren. Neben den beiden Unister-Gründern starben dabei auch der Pilot sowie ein Mann, der Wagner und Schilling ein Finanzgeschäft in Italien vermittelt hatte, bei dem sie offenbar über den Tisch gezogen wurden. Die Unister-Chefs befanden sich auf dem Rückflug von Venedig nach Leipzig.

Wie „Focus online“ berichtete, soll es sich bei dem betrügerischen Geschäft um einen sogenannten Rip Deal gehandelt haben, bei dem vermeintlich seriöse Geschäftsleute den Opfern hohe Geldbeträge in Aussicht stellen, jedoch eine Art „Vorauszahlung“ als Sicherheit verlangen und dann untertauchen. Dem „Focus“ zufolge habe die Lebensgefährtin von Wagner, Janka L., gegenüber den Ermittlern angegeben, dass der Unister-Gründer ständig auf der Suche nach Kapitalgebern für sein angeschlagenes Unternehmen gewesen sei. Die Unister-Holding soll über 110 Millionen Euro Schulden angehäuft haben.

Anfang Juni habe ihm der Leipziger Immobilienkaufmann Heinz B. ein dubioses Finanzgeschäft unterbreitet: Ein israelischer Geschäftsmann werde Wagner 12 Millionen Euro leihen, er müsse aber zuvor 1,5 Millionen Euro für eine Kreditausfallversicherung hinterlegen. Zunächst sei ihr Lebensgefährte skeptisch gewesen, so Janka L., am Ende habe er den Darlehensvertrag aber für „rechtlich sauber“ gehalten und 1,5 Millionen Euro bei der Leipziger Commerzbank abgehoben.

Mit diesem Geld seien Wagner, Schilling und Heinz B. dann am 12. Juli nach Venedig geflogen. Am nächsten Tag sei das Geschäft im Luxushotel „Antony Palace“ nahe des Flughafens abgewickelt worden. Der angeblich aus Israel stammende Kreditgeber, der sich als Levi Vass vorgestellt habe, sei „ein sympathischer, vertrauensvoll wirkender Mann“ gewesen, so der Unister-Chef zu seiner Freundin am Telefon.

Im Gegenzug für die 1,5 Millionen Euro Sicherheitsleistung habe Wagner von dem vermeintlichen Israeli einen Koffer voller Schweizer Franken im Wert von umgerechnet 12 Millionen Euro erhalten. Später habe der Unternehmer bemerkt, dass es sich um Falschgeld handelt und sei, so Janka L., sofort zur Polizei gegangen. Der Vermittler des Geschäfts habe sich dabei „in keinster Weise konstruktiv“ verhalten. Sowohl Wagner als auch Schilling hätten daraufhin vermutet, dass Heinz B. „in die Sache involviert sei“ und wollten ihn „zur Rede stellen“. Dazu kam es allerdings nicht mehr, da die Chartermaschine der beiden Unister-Manager auf dem Rückweg abstürzte.

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