Diese Seite drucken
Freigegeben in Wirtschaft & Finanzen

Auch in Sachsen aktiv

Simon Brunke und Dr. Björn Maronde wollen Exporo AG zum „Amazon für Immobilien“ machen

Mittwoch, 12 Juni 2019 18:08

Hamburg – „Auch wenn das jetzt sehr ambitioniert klingt – wir wollen das Amazon für Immobilien werden.“ Mit dieser Aussage wurde der Crowdfunding-Weiterentwickler Simon Brunke im Jahr 2017 von der Wochenzeitung „Die Zeit“ zitiert. Zusammen mit Björn Maronde, Julian Oertzen und Tim Bütecke hatte er Ende 2014 die Crowdinvesting-Plattform Exporo gegründet, die Anlegern schon mit kleinen Einstiegsbeträgen den Aufbau eines digitalen Immobilien-Portfolios ermöglicht. Damit demokratisieren Brunke, Maronde und Co. den Zugang zu dem bislang Großanlegern vorbehaltenen Immobilienmarkt und versprechen selten gewordene Renditen bei kurzen Laufzeiten. Ihr Motto: „Wir öffnen Ihnen das Tor zur Welt der Immobilieninvestments – einfach, digital und gebührenfrei.“

Immobilien machen längst mehr als 80 Prozent des ganzen Crowdinvesting-Marktes aus und liegen damit deutlich vor den Start-ups, die sich ebenfalls häufig über eine Crowd finanzieren. Crowd-Immobilien sind neben den hohen Zinsversprechen deshalb so attraktiv, weil sie den Investoren ein unkompliziertes Diversifizieren und damit eine Risikostreuung ermöglichen. Mit „Exporo Finanzierung“ und „Exporo Bestand“ werden zwei unterschiedliche Anlageformen mit Mindestanlagen von 500 beziehungsweise 1.000 Euro angeboten. Ausweislich ihrer Internetseite hat die Exporo AG für die Finanzierung von 195 Immobilienprojekten bislang 425,6 Millionen Euro vermittelt und bereits 138,4 Millionen Euro an die Anleger zurückgezahlt. Einzelbeträge sollen sogar vorfristig zurückgeflossen sein.

Dem vertretungsberechtigten Vorstand des Hamburger Plattformbetreibers gehören Simon Brunke als Vorsitzender sowie Björn Maronde und Julian Oertzen an. Erstgenannter verantwortet die Bereiche Finanzen und Strategie und Björn Maronde die Sparten Marketing, Vertrieb und IT. Julian Oertzen leitet das Real-Estate-Team und fungiert als Vertrauensperson für die Projektentwickler. Bauingenieur Tim Bütecke ist Mitglied des Advisory Board und betreut die vielen Partner in der Baubranche.

Ihre Geschäftsidee wurde 2013 aus der Einsicht geboren, dass viele Immobilienentwickler erfolglos nach zusätzlichen Finanzierungsquellen suchen, weil Banken aufgrund einer strengeren Regulierung die Vergabe von Investitionskrediten eingeschränkt haben. Die „Zeit“ beschreibt die Situation so: „Ein Projektentwickler hat Zugriff auf ein Grundstück bekommen. Gemeinsam mit seinem Architekten geht er zur Stadt. Kriegt er eine Baugenehmigung, wird er bei der Bank vorstellig. Hat das Projekt einen Gesamtumfang von beispielsweise zehn Millionen Euro, sagt die Bank: Acht Millionen geben wir dir gern. Aber zwei Millionen bringst du bitte selber mit. Oft hat der Projektentwickler aber nur eine Million. Beziehungsweise: Er hat zwar zwei, aber die verteilt er lieber auf zwei Projekte. Denn so macht er mehr Geschäft. Wegen der zweiten Million ruft der Projektentwickler nun also bei Exporo an.“

Projektgesellschaften brauchen zusätzlich zum Eigenkapital fremdes Investitionskapital, und gleichzeitig gibt es viele Privatanleger, die unbedingt in den boomenden Immobilienmarkt investieren wollen. Ergo: Die einen brauchen Investitionsmittel und die anderen haben sie. So kam das FinTech-affine Quartett auf den Gedanken, einen Online-Marktplatz zu schaffen, um dort Immobilienprojekte als Anlageoption anzubieten und Kapital zwischen Projektträgern und Anlegern direkt zu vermitteln. Eigenen Angaben zufolge sichten bei Exporo 30 Immobilienexperten jedes Jahr mehr als 1.000 Immobilienprojekte und nur die seriösesten und gleichzeitig erfolgversprechendsten werden Anlegern über die Plattform angeboten. Simon Brunke wurde im vorletzten Jahr auf Nachfrage konkreter: Mehr als 25 Anfragen zur Projektfinanzierung erreichten das Unternehmen jede Woche und nur acht bis zehn davon kämen in die engere Auswahl. Der Crowd würden am Ende des intensiven Prüf- und Auswahlprozesses nur „die ein oder zwei solidesten“ vorgestellt.

Die Immobilien im Portfolio wechseln naturgemäß immer. Investitionswillige sind nach einer positiven Risikobewertung deshalb gut beraten, schnell beim Crowdinvesting einzusteigen. Aktuelle Bestandsobjekte, bei denen man mit einer Summe von 1.000 Euro einsteigen kann, sind ein Apartmenthaus in Hamburg, ein Wohn- und Geschäftsgebäude in Göttingen und eine Büroimmobilie in München. Die von Exporo angegebenen Jahresausschüttungen liegen zwischen 4,3 und 5,1 Prozent und die in Aussicht gestellte Gesamtrendite bei 5,6 bis 6,4 Prozent. Mit Mindestanlagen ab 500 Euro können sich Anleger derzeit an Finanzierungsprojekten in Neustadt bei Coburg, Dortmund und Hamburg beteiligen. Es winkt eine Jahresverzinsung von 5,0 bis 5,5 Prozent.

Die Exporo-Profis prüfen Projekte aus dem ganzen Land. Neben solchen in westdeutschen Ballungsräumen nehmen sie auch immer wieder lohnenswerte Immobilienvorhaben aus Sachsen ins Portfolio auf. Dazu gehört das bereits Ende letzten Jahres erfolgreich finanzierte Objekt „Office am Postplatz“. Dabei ging es um den Ankauf und die Vermietung eines siebengeschossigen Bürogebäudes auf einem 4.319 Quadratmeter großen Grundstück im Zentrum Dresdens. Das Büroobjekt befindet sich in der Annenstraße 5 nur 300 Meter vom weltberühmten Zwinger der Barockstadt entfernt. Der Postplatz gehört zu den besten Immobilienstandorten in der sächsischen Landeshauptstadt und ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Einheimische und Touristen. Dort halten die meisten Dresdner Straßenbahnlinien. Von dieser infrastrukturellen Top-Lage profitiert natürlich auch die Büroimmobilie „Office am Postplatz“. Das Gebäude hat auf sieben Stockwerken eine Nutzfläche von 21.394 Quadratmetern und 48 PKW-Stellplätze in der eigenen Tiefgarage. Laut dem Kapitalvermittler lag der günstige Ankaufspreis von rund 700 Euro je Quadratmeter deutlich unter dem Marktdurchschnitt einer solchen Spitzenlage. Die bislang geringe Durchschnittsmiete biete daher ein erhebliches Steigerungspotenzial.

Zu Jahresbeginn teilte Exporo mit, dass 2018 das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte war. Im vergangenen Jahr seien mehr als 173 Millionen Euro Kapital vermittelt worden – davon allein im Dezember über 22 Millionen Euro mit einem Tagesspitzenwert von 4,15 Millionen Euro. Die Anleger hätten auf dem Online-Marktplatz in 73 unterschiedliche Immobilienprojekte investieren können. Wegen des großen Erfolges beschäftigt das FinTech mit Sitz in der Hamburger HafenCity schon mehr als 100 Mitarbeiter. Derzeit arbeitet man am Aufbau einer Plattform, auf der sich Anleger ein europaweites Immobilien-Portfolio zusammenstellen können. Bis Ende 2023 will man so insgesamt eine Million Kapitalanleger gewinnen. Wie sagte Simon Brunke doch: „Wir wollen das Amazon für Immobilien werden.“

Artikel bewerten
(5 Stimmen)
Schlagwörter:

Das Neueste von SACHSEN DEPESCHE

Ähnliche Artikel

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten