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Wegen Russland-Sanktionen

Niedrige Milchpreise treiben immer mehr Landwirte in den Ruin

Sonntag, 10 Januar 2016 19:51
Niedrige Milchpreise treiben immer mehr Landwirte in den Ruin Quelle: PIXABAY.COM

Potsdam – Weil die Preise für Milch und Fleisch schon seit vielen Monaten extrem niedrig sind, haben immer mehr Bauern finanzielle Nothilfen beantragt. Mitte September vergangenen Jahres hatte sich die Europäische Union mit den Agrarministern der EU-Länder auf ein Unterstützungsprogramm mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro geeinigt. Etwa 70 Millionen Euro davon sollen deutschen Landwirten zugutekommen. „7.800 Betrieben konnten wir auf diese Weise etwas Luft verschaffen“, so Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Eine Vielzahl von Anträgen müsse allerdings noch bearbeitet werden. Besonders betroffen sind demnach Betriebe aus Bayern (2.476), Niedersachsen (1.863) und Nordrhein-Westfalen (1.181). Zwei Drittel der Antragsteller sind Milchbauern.

Grund der niedrigen Preise sind die EU-Sanktionen gegen Moskau und das daraufhin beschlossene Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte nach Russland. Dadurch sanken die Preise für Rohmilch von zuvor rund 40 Cent auf unter dreißig Cent pro Liter. Das Überangebot auf dem europäischen Markt stellt vor allem die etwa 80.000 deutschen Milchbauern vor ernsthafte Probleme. Zahlreiche Betriebe mussten den Betrieb bereits einstellen oder stehen kurz vor dem Aus.

Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) fordert deswegen deutlich mehr Hilfe für die Milchbauern. Die zugesagten 500 Millionen Euro der EU seien zu wenig. Bis heute mussten bereits 25 Betriebe in Brandenburg (drei Prozent) wegen der anhaltend niedrigen Milchpreise aufgeben. Der SPD-Politiker verlangt, dass die EU die 900 Millionen Euro, die sie durch Strafzahlungen bei Überschreitungen der mittlerweile abgeschafften Milchquote eingenommen hatte, für die notleidenden Landwirte einsetzt. „Wir erwarten, dass das ausbezahlt wird“, so Vogelsänger.

Außerdem forderte der brandenburgische Landwirtschaftsminister ein Ende der Sanktionen gegen Russland. Man müsse vielmehr schnellstmöglich wieder Gespräche mit den „russischen Freunden“ führen. „Nicht Putin, sondern die Menschen in Russland, nicht Merkel, sondern die Milchbauern in Deutschland“ litten unter den Sanktionen, betonte Vogelsänger. „Deshalb habe ich gemeinsam mit dem Bauernverband das Interesse, dass die Sanktionen der Vergangenheit angehören.“

Der durch das Embargo ausfallende russische Absatzmarkt belastet die deutschen Landwirte nach Angaben des Präsidenten des brandenburgischen Bauernverbandes, Udo Folgart, mit rund vier Cent pro Liter Milch. Folgart wies zudem auf ein weiteres Problem der Sanktionen hin: Je länger diese anhielten, desto mehr neue Zulieferer aus anderen Staaten ersetzten die entstandenen Lücken. „Es wird schwierig, diejenigen zu verdrängen und zu ersetzen, die diesen Platz in der Zwischenzeit eingenommen haben“, so der Bauernverbandschef.

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