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Neuer Nackenschlag für Hoteliers

Nach der Dresdner „Bettensteuer“ nun Sauna-Besteuerung

Freitag, 26 Juni 2015 19:05
Sauna Sauna

Dresden - Mit der sogenannten „Bettensteuer“, einer Sonderabgabe auf Hotelübernachtungen, die Übernachtungsgäste zahlen müssen, hat die Dresdner Politik den lokalen Hoteliers kürzlich eine schallende Ohrfeige verpasst. Nun droht dem Beherbergungsgewerbe neues Ungemach, für das diesmal allerdings nicht die „fortschrittliche Gestaltungsmehrheit“ im Stadtrat verantwortlich ist.

Zahlreiche Hotels, nicht nur in Dresden und Sachsen, bieten ihren Gästen als kostenlose Serviceleistung einen Besuch in der hauseigenen Sauna an. Touristen, aber auch Geschäftsleute auf Reisen, nutzen dieses Angebot gerne, um nach einem anstrengenden Tag auszuspannen. Doch mit der Gratis-Sauna könnte bald Schluss sein, denn solche Angebote müssen schon ab dem 1. Juli mit 19 Prozent Mehrwertbesteuerung auf Rechnungen separat ausgewiesen werden. Grund dafür ist ein Runderlass des Bundesfinanzministeriums, der Saunen nicht mehr als Heilbäder gelten lässt, für die ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gilt.

Das wird sich vor allem auf die Einnahmen der Häuser auswirken. Rainer Spenke, Geschäftsführer von DEHOGA NRW und verantwortlich für die Fachgruppe Hotels und Tourismus erklärte dazu: „Es bleibt nicht bei der Verkomplizierung der Rechnungsstellung. Die Kalkulation wird natürlich auch wesentlich erschwert, da ein typisches Paket wie ‚Drei Tage Wellness für 299 Euro‘ auf einer anderen Grundlage berechnet worden ist. Eigentlich müsste das jetzt mehr kosten, aber davor werden sich die allermeisten Hoteliers wahrscheinlich scheuen – und damit eben auf den Kosten sitzen bleiben.“

Probleme werden vor allem bei Geschäftsreisenden auftreten. „Bei einer geschäftlich veranlassten Übernachtung kann der Arbeitgeber steuerfrei Reisekosten und Reisenebenkosten ersetzen. Alle rein privat veranlassten Kosten, wie beispielsweise für Minibar, Pay-TV oder auch die Sauna, können nicht steuerfrei ersetzt werden“, heißt es in einem DEHOGA-Rundschreiben. „Konkret bedeutet das, dass wir sehr kuriose Diskussionen beim Check-out erleben könnten. Dann müssen wir den Gast nämlich nicht nur fragen, ob er etwas der Minibar entnommen habe, sondern auch: ‚Waren Sie in der Sauna?‘ Das ist dem Gast nicht zu erklären“, so Stefan Wild, Fachbereichsvorsitzender Hotellerie bei DEHOGA Bayern.

Außerdem muss sich nun jeder Hotelier fragen, wie er die Saunaleistung überhaupt zu bepreisen hat, denn dazu hat die Politik keinerlei Angaben gemacht. Setzen die Hotels den Saunagang nämlich zu niedrig an, könnte der Fiskus später Einspruch erheben und satte Nachzahlungen fordern. Im DEHOGA-Rundschreiben heißt es dazu: „Wenn ein gesondertes Entgelt für die Saunanutzung berechnet wird oder die Sauna in einem Paket für privat reisende Gäste angeboten wird, müssen die Kosten beziehungsweise die anteilig kalkulierten Kosten, in jedem Fall die Sachkosten des Saunabetriebes zuzüglich eines, wenn auch geringen, Gewinnaufschlags decken. Wenn die Saunanutzung unter dem Wert der Sachkosten angeboten wird, würde die Vermutung genährt, dass ein Teil der Betriebskosten der Sauna im Übernachtungspreis enthalten ist, was ab dem 1. Juli 2015 aufgrund des vollen Umsatzsteuersatzes für Saunaleistungen nicht zulässig ist. Bei einer Betriebsprüfung könnte es daher zu Hinzuschätzungen und Steuernachzahlungen kommen.“

Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow zeigte sich verärgert über diesen erneuten Nackenschlag für das Hotelgewerbe. In einem Statement auf Facebook beklagte sich der Liberale darüber, „mit welchem Eifer, aber auch mit welcher Kreativität Politik und Behörden unser Leben mehr und mehr bürokratisieren“. Zastrow weiter: „Immer häufiger trifft es die deutsche Tourismuswirtschaft, immerhin einer der wichtigsten Arbeitgeber und Steuerzahler hierzulande. Erst der staatlich verordnete Mindestlohn, dann die in vielen Städten um sich greifenden Beherbergungs- und Übernachtungssteuern und jetzt die sogenannte ‚Sauna-Besteuerung‘. Dazu fällt mir nur ein: unpraktikabel, weltfremd, schädlich!“

Hotelbetreiber in Sachsen fragen sich mittlerweile, welche Zumutungen die Politik wohl noch in der Schublade hat, um ihnen das Geschäft zu verderben und die Gäste zu verprellen. Dabei ist der Tourismus auch im Freistaat ein bedeutender Arbeitgeber und eine Stütze der Wirtschaft. Mit Bürokratie und dem Ausbaldowern immer neuer Steuerideen können vielleicht die Beamten in den Ministerien ihr Tagwerk gestalten, die Unternehmen müssen ihr Geld allerdings erwirtschaften, um zu existieren.

Letzte Änderung am Freitag, 26 Juni 2015 19:15
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