Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft & Finanzen

58 Prozent der Unternehmen lehnen Erhöhung ab

Mindestlohn: Weniger Geringqualifizierte finden Arbeit in Sachsen

Mittwoch, 11 Mai 2016 18:19
Mindestlohn: Weniger Geringqualifizierte finden Arbeit in Sachsen Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Dresden – Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums profitieren rund 250.000 Arbeitnehmer im Freistaat von dem im letzten Jahr eingeführten gesetzlichen Mindestlohn, den die Vorsitzende des DGB Sachsen, Iris Kloppich, kürzlich als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnete. Für die sächsischen Unternehmen bedeutete die neue Lohnuntergrenze einen tiefen Einschnitt: Mehr als die Hälfte der Betriebe, nämlich 54 Prozent, musste seitdem die Stundenlöhne zumindest für einen Teil seiner Mitarbeiter auf mindestens 8,50 Euro anheben.

Während das Gros der Arbeitnehmer finanziell von der gesetzlichen Regelung profitiert, hat sich die Situation für Un- und Angelernte hingegen verschlechtert. Dies geht aus einer am Montag vorgestellten Studie der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung hervor, die im Auftrag der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) im Februar dieses Jahres rund 2.700 sächsische Unternehmen befragt hat.

Demnach stellt fast jede dritte sächsische Firma, die ihre Löhne anheben musste, nun weniger gering qualifizierte Arbeitskräfte ein. Jedes fünfte Unternehmen hat wegen des Mindestlohns sogar die Zahl der Ungelernten im eigenen Betrieb reduziert. Betroffen sind vor allem Beschäftigte im Handel, in der Gastronomie und im Verkehrs- und Logistikgewerbe, wo vorher oftmals weniger als sechs Euro pro Stunde gezahlt wurde.

Außerdem hat jedes dritte Unternehmen, das von der Einführung des Mindestlohns betroffen ist, das Weihnachts- oder Urlaubsgeld, bestimmte Prämien oder die Wochenarbeitszeit gekürzt. Dadurch haben viele Arbeitnehmer am Ende des Monats nun doch weniger als erwartet in der Tasche. „Manch Mitarbeiter hat jetzt zwar vielleicht einen höheren Stundenlohn, aber das, was bei ihm ankommt, ist längst nicht so viel, wie durch den Mindestlohns zu erwarten gewesen wäre“, erklärte dazu der Dresdner ifo-Mitarbeiter Michael Weber, der für die Bereiche Konjunktur und Wachstum zuständig ist.

Die zum 1. Januar 2017 geplante Anhebung des Mindestlohns lehnen laut ifo-Studie 58 Prozent der Unternehmen in Sachsen ab. „Für viele Betriebe ist schon jetzt ein Mindestlohn von 8,50 Euro ein Beschäftigungs- und Investitionshemmnis“, erklärte dazu der Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich, der deswegen an die Politik appellierte, eine „Anpassung mit Augenmaß“ vorzunehmen. 58 Prozent der sächsischen Firmen zogen wegen des Mindestlohns die Preise an, jeweils 39 Prozent zögerten bei Investitionen und Neueinstellungen, bei 29 Prozent kam es zu Entlassungen.

Für den arbeitsmarktpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Henning Homann, zeige der Umstand, dass über die Hälfte der Unternehmen im Freistaat ihre Löhne anheben musste, hingegen nur, wie schlecht die Situation vor Einführung des Mindestlohns gewesen sei. Nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ warnte der Sozialdemokrat vor „Panikmache“ mit Blick auf die bevorstehende Anhebung der gesetzlichen Lohnuntergrenze. Die Unternehmen hätten bewiesen, dass sie mit dem Mindestlohn „umgehen“ könnten. Gerade im Niedriglohnland Sachsen seien viele Beschäftigte darauf angewiesen.

Artikel bewerten
(5 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten