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Schwachstellen sind nicht von der Hand zu weisen

Maritim Vertriebs GmbH: Offshore-Anleihen von Jürgen Steinhauser und Ulrich Jehle

Mittwoch, 19 August 2015 16:38
Maritim Vertriebs GmbH Maritim Vertriebs GmbH Quelle: Maritim Vertriebs GmbH

Kempten – Jürgen Steinhauser, Ulrich Jehle und ihre Maritim Vertriebs GmbH hatten in den vergangenen Monaten alles andere als gute Presse. Ob „finanzen.net“ oder die HESSEN DEPESCHE  (https://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/maritim-vertriebs-gmbh-ulrich-jehle-und-j%C3%BCrgen-steinhauser-werben-um-anlegervertrauen.html), um nur zwei Beispiele zu nennen: das Geschäftsmodell und die Performance des Unternehmens überzeugten viele Fachjournalisten der Branche nicht wirklich. Wird hier ein innovatives Vertriebsunternehmen absichtlich gemobbt – oder ist die Kritik berechtigt? Vieles spricht für letzteres, denn die Schwachstellen sind nicht von der Hand zu weisen.

Bei der Maritim Vertriebs GmbH mit Sitz in Kempten (Allgäu) handelt es sich um ein sogenanntes „Special Purpose Vehicle“ (SPV) – einen Finanzvertrieb, dessen einziger Geschäftszweck im Erwerb, Halten, Verwalten und Veräußern von Beteiligungen an acht Hamburger Einschiffsgesellschaften besteht. Diese Gesellschaften betreiben Spezialschiffe, sogenannte Ankerziehschlepper (AHT), die für die Verschleppung, Positionierung und Installation von Bohr- und Förderplattformen für Öl und Gas auf hoher See eingesetzt werden.

Derzeit sind Steinhauser und Jehlen mit der Maritim Offshore Anleihe II 2014/16 (ISIN: DE000A13R5R8) am Start, für die sie fleißig Anlegergelder eingesammelt haben. Das Papier konnte vom 10.11. bis 21.11.2014 gezeichnet werden, hat eine Laufzeit bis zum 01.06.2016, ein Anleihevolumen von bis zu 25 Millionen Euro (Stückelung: 1.000 Euro) und soll jährlich 8,25 % Rendite abwerfen. Notiert ist das Papier im Hamburger Freiverkehr. Zuletzt veröffentlichte die Maritim Vertriebs GmbH einige Pressemitteilungen, in denen über neue Charterfahrten und Veräußerungen der AHT, die in dem Portfolio der Anleihe gehalten werden, berichtet wurde. Die letzte Aussendung datiert allerdings auf den30.03.2015. Gibt es schon seit Monaten nichts mehr zu berichten, was auch für die Anleger, die bei der Offshore-Anleihe mitgezeichnet haben, interessant wäre?

Es ist gerade mal ein Jahr her, da hagelte es förmlich negative Schlagzeilen in Zusammenhang mit der Maritim Vertriebs GmbH. Damals ging es um eine Offshore-Anleihe (ISIN: DE000A1MLY97), die das Unternehmen im Mai 2012 mit einem Volumen von bis zu 25 Millionen Euro emittiert hatte. Bei einer Laufzeit bis 30.11.2014 versprach die Maritim bei einem damaligen BB+ Rating (Creditreform) eine Rendite von 8,25 % p.a., wobei der Emissionserlös hauptsächlich in Vorzugskapitalia von sechs AHT-Einschiffsgesellschaften.

Der Graumarkt-Alarm schrillte, als die Maritim für den 28. August 2014 zu einer Gläubigerversammlung in Kempten einlud, auf der die Verlängerung der Anleihe um 5 Jahre sowie eine Absenkung des Zinskupons von 8,25 % auf 3,25 % beschlossen werden sollte. Zwar sprach man von einem „höchst erfreulichen Geschäftsverlauf“ der gehaltenen Beteiligungen, belegt wurde dies allerdings nicht. Vielmehr fehlten die Jahresabschlüsse für 2012 und 2013. Kein Wunder also, dass die Anleihe daraufhin im Handel massiv einbrach.

Mittlerweile liegen die Abschlüsse vor, ob von einem „höchst erfreulichen Geschäftsverlauf“ gesprochen werden kann, ist allerdings zweifelhaft. Die Bilanzsumme des Jahresabschlusses 2013 betrug zwar 26.216.298,43 Euro, aber die Bilanz weist einen Fehlbetrag von 3.401.834,18 Millionen Euro aus, der nicht durch Eigenkapital gedeckt ist. Im Jahr davor wies die Bilanz noch minus 1.048.546,69 Euro aus. Mit anderen Worten: Der für 2013 ausgewiesene und nicht durch Eigenkapital gedeckte Jahresfehlbetrag hat sich gegenüber 2012 mehr als verdreifacht. Einen Jahresabschluss für 2014 sucht man bislang vergeblich.

Neben den Jahresfehlbeträgen irritiert aber auch das Firmenkonstrukt, in das die Maritim Vertriebs GmbH eingebunden ist. Auf der Internetseite wie auch in den Presseaussendungen wird immer wieder betont, dass die Informationen „weder ein Angebot zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren der Maritim Vertriebs GmbH noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Erwerb von Wertpapieren“ darstellen soll. Der Kauf oder die Zeichnung der Inhaber Teilschuldverschreibungen erfolge ausschließlich auf der Grundlage des von der Luxemburgischen Wertpapieraufsichtsbehörde CSSF (Commission de Surveillance du Secteur Financier) gebilligten Wertpapierprospekts.

Die Kritik, die das Nachrichtenportal HESSEN DEPESCHE dazu unlängst anbrachte, ist berechtigt: „Dass die Konzernmutter der Kemptener Maritim Vertriebs GmbH im Ausland und nicht in Deutschland sitzt, sollte interessierte Anleger zumindest aufmerken lassen. Denn sollten die ‚lukrativen‘ Öl- und Gasinvestments der Maritim-Geschäftsführer Steinhauser und Jehle nicht funktionieren, dann ist die Verfolgung und Durchsetzung der Ansprüche von Anlegern in Luxemburg schwierig. Luxemburg ist nicht bekannt dafür, dass es bei steuerlichen und privatwirtschaftlichen Aspekten besonders transparent ist. Hinzu kommt, dass Inhaber-Teilschuldverschreibungen in der Regel nachrangig sind. Berechtigte Forderungen von Anlegern werden im Falle einer Insolvenz der Maritim Vertriebs GmbH nur nachrangig bedient, also erst nach allen anderen erstrangigen Verpflichtungen.“

Die Fälle S&K und INFINUS haben deutlich gemacht, was passiert, wenn dubiose Investments von Graumarkt-Anbietern gründlich in die Hose gehen. Angesichts der Nullzinspolitik der EZB und deren Auswirkungen auf viele Finanzprodukte wie Lebensversicherungen, Aktien, klassische Anleihen etc. suchen Sparer und Anleger derzeit händeringend nach Alternativen, um den Vermögensaufbau oder ihre Altersvorsorge zu sichern. Schwarze Schafe haben ein leichtes Spiel, Verunsicherte mit abenteuerlichen Renditeversprechen aufs Glatteis zu locken und gnadenlos abzuzocken. Ob es sich bei der Maritim Vertriebs GmbH um ein solches schwarzes Schaf handelt, ist nicht gesagt. Vorsicht ist jedoch angebracht.

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