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Fliegen soll wieder billiger werden

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht sein Unternehmen „an einem Wendepunkt“ angelangt

Mittwoch, 06 Juli 2016 15:33
Logo der Lufthansa Logo der Lufthansa Quelle: de.wikipedia.org | Deutsche Lufthansa AG - www.miles-and-more.com

Köln – Vor dem Hintergrund der wachsenden Konkurrenz durch Billigairlines und den Pilotenstreiks sieht Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr sein Unternehmen „an einem Wendepunkt“ angelangt, der „eine unternehmenshistorische Dimension“ habe. Im Gespräch mit dem Hamburger Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ des Axel-Springer-Verlags sagte Spohr, das Jahr 2015 sei „mit Abstand das emotional schwierigste Jahr in der Geschichte des Unternehmens“ gewesen. Der Absturz der Germanwings-Maschine sowie die Tarifkonflikte hätten die „Lufthansa-Familie an den Rand dessen geführt, was man ertragen kann“.

Unzufrieden zeigte sich der Lufthansa-Chef mit dem vergleichsweise geringen Börsenwert des Unternehmens von derzeit 4,85 Mrd. Euro. Er sehe darin „den Wert unserer Gruppe mit profitablen Töchtern wie Lufthansa Technik, LSG Skychefs, Miles and More oder auch Airplus nicht reflektiert“. Das traditionsreiche deutsche Luftfahrtunternehmen sei „mehr als eine Airline“. Das müsse man „am Kapitalmarkt noch deutlicher herausstellen“.

Laut Spohr wirken sich auch die hohen Flughafenkosten und die Gebühren der Flugsicherung belastend auf das Geschäft aus. Sie stellten den größten Kostenblock des Unternehmens dar. „Zumindest von einem Teil der Sicherheitskosten am Boden“ müsse die Lufthansa entlastet werden, so der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende. Diese seien „Staatsaufgabe und dürften nicht voll von uns zu tragen sein“. Die Bahn etwa zahle nur 20 Prozent, die Fußballvereine null.

In wenigen Jahren werde die Lufthansa mit der jungen Zweitmarke Eurowings Gewinne erwirtschaften, so Spohrs Voraussage. Dabei spielten die Flughäfen Düsseldorf, Köln und Berlin eine tragende Rolle, da sie mehr Eurowings-Langstreckenverbindungen erhalten sollen: „Wir ersparen den Kunden dann auch im interkontinentalen Verkehr das Umsteigen und bieten Punkt-zu-Punkt-Flüge.“

Der Umsatz der Lufthansa erreichte zuletzt 32 Mrd. Euro, der Gewinn stieg auf 1,8 Mrd. Euro. Neben dem Tiefstand der Kerosinpreise profitierte das Unternehmen dabei nach Expertenansicht vor allem von Spohrs Sparpolitik, die ihn allerdings in den Konflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit brachte. Kritiker werfen Spohr vor, das Schrumpfen im Kerngeschäft bewusst als Druckmittel zu nutzen. In diesem Jahr fliegen in der Lufthansa-Gruppe erstmals mehr Piloten außerhalb des teuren Konzerntarifvertrages als innerhalb.

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