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Streit um Dresdner Bauprojekt „Marina Garden“

Investorin Regine Töberich rechnet mit Tilo Wirtz (Linke) ab

Dienstag, 04 August 2015 15:34
Architektin Regine Töberich kämpft für Bauprojekt Marina Garden Architektin Regine Töberich kämpft für Bauprojekt Marina Garden Quelle: Regine Töberich

Dresden – Bereits im Juni erschien in der Postille „Links!“, dem lokalen Infoblatt der Dresdner Linkspartei, ein Interview mit dem Linken-Stadtrat Tilo Wirtz. Darin äußerte sich der Kommunalpolitiker zu dem Bauprojekt „Marina Garden“, dem seitens der „fortschrittlichen Gestaltungsmehrheit“ im Verein mit zweifelhaften Gutachten der Garaus gemacht werden soll. Die bekannte Dresdner Investorin und „Marina Garden“-Planerin Regine Töberich schaffte es als vielbeschäftigte Architektin und Geschäftsfrau offenbar erst jetzt, Stellung zu dem Interview zu nehmen. Das bei Facebook veröffentlichte Statement der Geschäftsführerin der DresdenBau GmbH hat es allerdings in sich, nutzt sie es doch einmal mehr für eine scharfe Abrechnung mit der Politik und speziell mit Wirtz, den sie der Lüge bezichtigt.

In besagtem „Links!“-Interview erklärte Wirtz zum „Marina Garden“: „Zurzeit haben wir auf dem Grundstück eine Buchtsituation, die bildet sich im Gelände ab. Das liegt tiefer als seine Umgebung. Dort will sie (gemeint ist Frau Töberich; Anm. d. Verf.) hineinbauen. Das bewirkt zunächst eine gewisse Wasserverdrängung. Das soll durch eine überflutbare Tiefgarage kompensiert werden. Die sichert zwar nach dem Wassergesetz die sogenannten Retentionsräume, das Volumen kann sich also mit Wasser füllen. Aber bei mehr als 250 Wohnungen, die sie plant, gibt es immer Fahrzeuge, die absaufen, weil am Ende niemals alle rechtzeitig räumen. Das ist also auch ein Umweltproblem, und in meinen Augen als Flutschutz nicht praktikabel.“

Regine Töberich gab dem Linken-Politiker bei Facebook kontra: „Der Flutschutz, Herr Wirtz, besteht darin, dass wir auf einem Evakuierungsdeck bauen, welches ca. 70 cm über dem Straßenniveau der Leipziger Straße liegt, wie ich es Ihnen im Rahmen der Vorstellung unseres Hochwasserschutzkonzeptes am 15. Januar 2015 persönlich ausdrücklich geschildert habe.“

Im weiteren Verlauf des Interviews antwortete Wirtz auf die Suggestivfrage seines Parteiblattes „Wäre das Töberich-Grundstück bei unzureichendem Hochwasserschutz ein Einfallstor, durch das der gesamte Stadtteil überflutet werden könnte?“ mit den Worten: „Das ist schon jetzt so. Das Umweltamt hat eine neue Bewertung vorgenommen und gesagt, dass sich ein Gebietsschutz – also die Abschirmung des gesamten Viertels – jetzt rechnet, weil die Bebauung insgesamt hochwertiger geworden ist. Wenn sie aber jetzt wie geplant bauen würde mit ihrem sogenannten Objektschutz, dann würden ihre Wohnungen zu einer Insel. Man käme an das Gelände trockenen Fußes nicht mehr ran. Wenn es also dort brennt, brennt es. Die Anlage würde zum Evakuierungsfall, womit die Stadt auf einmal den schwarzen Peter hätte. Wir müssten dann dort sichern, Leute hinschicken. Die Bewohner rufen dann die Stadt an und nicht Frau Töberich, die sitzt dann irgendwo und freut sich über ihren Gewinn.“

Hierzu stellte Regine Töberich klar:

  1. Selbst bei einem hundertjährigen Hochwasser können die Gebäude Marina Garden jederzeit trockenen Fußes betreten und verlassen werden. Das ist eine gesetzliche Vorschrift beim Bauen im förmlich festgesetzten Überflutungsgebiet, wie Sie als Bauingenieur sehr genau wissen. Aber Sie werden doch tatsächlich nicht müde zu dämonisieren und dem Laien, der Ihr Wähler ist, Ihre dramatische Evakuierungsgeschichte aufzutischen, garniert mit dem kleinen Leckerbissen, den man nie missen möchte wenn RRG zu Tisch bitten, vom ganz pööösen, reichen Investor, der vom Blut des anständigen Arbeiters lebt.
  2. Die von Herrn Korndörfer beauftragten Gutachten, sind sehr freundlich formuliert Gefälligkeitsgutachten, und rechtfertigen in keiner Weise einen Gebietsschutz, der zudem weder technisch noch rechtlich umsetzbar ist, wie Sie auch sehr genau wissen.

Abschließend wandte sich die Dresdner Investorin noch einmal direkt an ihren Widersacher von der Linkspartei: „Herr Wirtz, werden Sie wirklich nur gewählt, weil Sie Empörung stiften und ständig Benzin in die Flamme des Sozialneids schütten? Wie wär‘s mal mit Ehrlichkeit, Transparenz und gezeigtem Sachverstand?“

Erst im Juni hatte Regine Töberich nach langem Streit mit der Stadt erklärt, ihr Bauvorhaben am Elberadweg vorerst zurückzuziehen. Grund war die Ablehnung ihrer Bauvoranfrage. Ursprünglich wollte die Architektin 320 Wohnungen in siebengeschossigen Häusern bauen. Ein späterer Entwurf sah ein Ensemble von sechs Gebäuden mit 244 Wohnungen vor. Im Oktober 2014 ging sie dann noch einmal runter und legte Pläne mit viergeschossigen Häusern und 180 Wohnungen auf 22.000 Quadratmetern Wohnfläche vor. Dies reichte der linken Mehrheit aber immer noch nicht, so dass am 7. Mai 2015 im Stadtrat eine sogenannte Veränderungssperre beschlossen wurde, die nur noch eine Bebauung mit rund 4.000 Quadratmetern Wohnfläche auf dem „Marina Garden“ Grundstück an der Elbe zulässt, wodurch der Bauvorantrag scheiterte. Regine Töberich kündigte daraufhin an, das Projekt vorläufig zu stoppen und die Stadt auf drei Millionen Euro Schadensersatz zu verklagen. Den ihr entgangenen Gewinn beziffert Töberich auf 24,2 Millionen Euro.

Tatsächlich sind die Hochwasserschutz-„Argumente“ von Wirtz und seinen Gesinnungsfreunden nur vorgeschoben. SPD, Linken, Grünen und Piraten meinen vielmehr, dass Dresden keine „Luxuswohnungen“ an der Elbe brauche, sondern Freizeitangebote für alle. Man muss es einer Unternehmerin aber schon selbst überlassen, was sie auf ihrem eigenen Grundstück baut und wie sie das Geld dafür einsetzt. Obwohl die Sozialpopulisten der linken Parteien in ihrer Anti-Töberich-Haltung festgefahren sind, hoffen all jene, die es gut meinen mit der Stadt und ihren wirtschaftlichen Leistungsträgern, immer noch auf eine gütliche Einigung, an deren Ende die Realisierung des architektonisch stilvollen und sich im Gegensatz zu vielen Bausünden in Dresden hervorragend ins Stadtbild einpassenden Projekts „Marina Garden“ steht.

Letzte Änderung am Dienstag, 04 August 2015 17:31
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