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Neben Schwäche der Weltkonjunktur auch Flüchtlingszustrom ursächlich

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet Anstieg der Arbeitslosenzahlen

Sonntag, 03 April 2016 23:25
Grafik "IAB-Arbeitsmarktbarometer" Grafik "IAB-Arbeitsmarktbarometer" Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Berlin – Das der Bundesagentur für Arbeit angegliederte Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht den bundesdeutschen Arbeitsmarkt vor einem „Wendepunkt“. Nach Jahren sinkender Erwerbslosenzahlen, begünstigt durch die Exportstärke der Wirtschaft, stehe wieder ein Anstieg der Arbeitslosigkeit bevor, prognostizieren die Forscher des IAB in einer Studie, die vor wenigen Tagen in Berlin vorgestellt wurde. „Die Arbeitsagenturen erwarten, dass die Phase der sinkenden saisonbereinigten Arbeitslosigkeit vorerst zu Ende geht“, heißt es in der Prognose.

Befragt wurden dafür die Chefs von insgesamt 156 Arbeitsagenturen. Deren Einschätzung wurde im Rahmen des monatlichen „Arbeitsmarktbarometers“ in einen Index umgerechnet, der im März erstmals seit langer Zeit wieder unter die Marke von 100 gefallen ist. Dies deutet auf die Erwartung steigender Arbeitslosigkeit hin. Nach Angaben des IAB seien hierfür nicht nur negative Veränderungen der Weltwirtschaft – etwa die Konjunkturschwäche in China oder Brasilien – ursächlich, sondern auch der seit Herbst letzten Jahres massiv angestiegene Zustrom von Migranten, der sich durch die Schließung der sogenannten Balkan-Route momentan etwas abgeschwächt hat.

Für die Arbeitslosigkeitsentwicklung der nächsten Monate spiele laut IAB aber auch der vergangene milde Winter eine Rolle. Nach Berechnungen der Forscher hätte die Arbeitslosigkeit bei durchschnittlichen Wetterverhältnissen zum Ende des Winters um 23.000 Personen höher gelegen. „Entsprechend dürfte die kommende Frühjahrsbelebung schwächer ausfallen, weil ein Teil der Winterarbeitslosigkeit gar nicht erst entstanden ist“, heißt es in der Prognose der Arbeitsmarktexperten.

Wie stark die Arbeitslosigkeit in Deutschland mittelfristig zunehmen wird, konnte Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und Strukturanalysen“, nicht genau angeben. Es sei jedoch absehbar, „dass sich der Effekt der Flüchtlingszuwanderung in der Arbeitslosigkeit künftig stärker bemerkbar machen werde“. Aufgrund der „guten Verfassung des Arbeitsmarkts“ und durch „Investitionen in die Integration“ könne diese Herausforderung allerdings gemeistert werden, zeigte sich der Ökonom zuversichtlich. Auch auf Konjunkturschwankungen habe der Arbeitsmarkt bisher „robust“ reagiert.

Der erwartete Anstieg der Arbeitslosenzahlen falle allerdings „wieder in eine Zeit, in der mehrere Stützen des langen Aufschwungs in Deutschland nicht mehr stabil wirken“, merkte dazu die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ an. Dies betreffe vor allem die Industrie: „Konjunkturanalysen zufolge wird die Entwicklung im Inland immer stärker vom Konsum getragen und weniger von Investitionen. Für große und personalintensive Industriezweige wie den Maschinenbau mit einer Million Beschäftigten sind auch das keine guten Nachrichten – Konsumenten kaufen keine Werkzeugmaschinen.“ Denkbar ungelegen komme die IAB-Prognose auch der Bundesregierung: „Bisher steht als nächstes Projekt neben der Flüchtlingsintegration die Ausweitung von Rentenansprüchen auf dem Plan“, so die FAZ.

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