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Hotelgewerbe in Sorge

Dresden: Tourismus-Einbruch wegen Pegida?

Donnerstag, 25 Juni 2015 13:27
Dresden: Tourismus-Einbruch wegen Pegida? Grafik: pegida.de

Dresden – In ihrem aktuellen Bericht über das Beherbergungsgewerbe im Freistaat Sachsen weist das Statistische Landesamt für den Zeitraum von Januar bis März 2015 genau 5,2 Prozent weniger Hotelankünfte in Dresden als noch im Quartal zuvor aus. Obwohl die Statistiker keine Aussagen zu möglichen Ursachen des Rückgangs treffen, ist für die Dresdner Lokalausgabe der „Bild“-Zeitung klar, dass dies nur an den Pegida-Demonstrationen liegen kann („Neue Schockzahlen und Pegida ist schuld“). Das Boulevardblatt will zudem erfahren haben, dass die Anreisezahlen zum Beginn des Saisonauftakts im April und Mai „sogar in den zweistelligen Minus-Bereich“ gerutscht sind.

„Wir haben mit unseren 20 Häusern in Dresden im laufenden Sommer zweistellige Buchungsrückgänge. Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht“, so Alexa Hüner gegenüber „Bild“. Auch Dirk Burghardt, kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen, ist besorgt: „Die Besucherzahlen in Residenzschloss und Alten Meistern sind von Januar bis Mai hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“ Johannes Lohmeyer vom Tourismusverband Dresden (TVD) vermutet einen Imageschaden, weist aber auch darauf hin, dass es wegen der Rubel-Abwertung „zweistellige Rückgänge von russischen Touristen“ gegeben habe.

Eine nähere Untersuchung der Ursachen steht allerdings noch aus. Statt ins Blaue zu tippen, hätte die „Bild“-Zeitung lieber bei den betroffenen Hoteliers nachfragen sollen, ob es vermehrt Stornierungen wegen Pegida gab. So sieht gründliche Recherche aus. Und selbst wenn dem so wäre, stellt sich immer noch die Frage, was die Gäste am Ende mehr abgeschreckt hat: die Demos oder die Medienberichte, die Dresden als eine Art Hochburg ausländerfeindlicher Hinterwäldler und Rassisten-Krawallos dargestellt haben. Daran hat sich übrigens auch „Bild“ ausgiebig beteiligt.

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