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Unternehmenschef Kay Rieck lässt dennoch Fragen offen

Deutsche Oel & Gas S.A. (DOGSA) verkauft gesamte Fördermenge aus Bohrung in Südalaska

Sonntag, 13 Dezember 2015 18:44
Deutsche Oel & Gas AG und Marco Quacken werben auf "Festzins-Anlegen" um Investorenvertrauen Deutsche Oel & Gas AG und Marco Quacken werben auf "Festzins-Anlegen" um Investorenvertrauen Quelle: Deutsche Oel & Gas AG

Plauen – Die Luxemburger Deutsche Oel & Gas S.A. (DOGSA) ist die Holding-Gesellschaft der Deutschen Oel & Gas Unternehmensgruppe und damit auch der Mutterkonzern der in Stuttgart ansässigen Deutsche Oel & Gas AG (DOGAG), die unter anderem als Trikotsponsor des Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen 05 auftritt. Die Unternehmensgruppe hat sich auf die Exploration von Erdgas und Erdöl im Cook-Inlet-Becken im US-Bundesstaat Alaska fokussiert und verfügt über die Mehrheit der Anteile an Mineralgewinnungsrechten im dortigen Gebiet „Kitchen Lights Unit“ (Größe: 337 Quadratkilometer).

Wie die Konzernzentrale in Luxemburg nun mitteilte, konnte die DOGSA ihre gesamte Erdgas-Fördermenge aus dem Bohrloch KLU#3 im Gebiet „Kitchen Lights Unit“ an branchenintern bekannte Kunden veräußern. Zu den Abnehmern gehören unter anderem ConocoPhilllips (Lieferung ab sofort bis Ende 2016), eines der weltweit größten Gas- und Mineralöl-Unternehmen, Aurora Gas (Lieferung ab sofort bis 2018), ein US-amerikanischer Gashändler, sowie Homer Electric (Lieferung ab April 2016 bis 2019), das zweitgrößte Gasunternehmen Alaskas.

Der DOGAG-Chef und DOGSA-Verwaltungsratsvorsitzende Kay Riek erklärte dazu: „Wir freuen uns, mit ConocoPhillips, Aurora Gas und Homer Electric drei namhafte Kunden zu beliefen. Diese Lieferverträge geben uns Planungssicherheit und ermöglichen uns, unser Wachstum konsequent voran zu treiben.“ Unternehmenssprecher Ulrich Zehfuß betonte zudem, der Verkauf der gesamten Fördermenge zeige, dass man sich „auf einem guten Weg aus dem grauen in den weißen Markt“ befinde.

Dennoch bleiben Fragen offen. Hierzu berichtete das unabhängige Nachrichtenportal HESSEN DEPESCHE am 01.11.2015:

„Die deutsche DOGAG, befindet sich in 100%igem Besitz der Luxemburger Deutschen Oel & Gas S.A. (DOGSA), die als die Holding-Gesellschaft die gesamte DOG-Unternehmensgruppe unter ihren Fittichen hat. Erst vor gut zwei Wochen pumpte die New Yorker ING Bank insgesamt 135 Mio. US-Dollar in die Deutsche-Oel- &-Gas-Gruppe. Darüber hinaus hat sich vor kurzem auch das Stuttgarter Emissionshaus Energy Capital Invest (ECI) bei dem Öl- und Gas-Unternehmen eingeklinkt. Genau das sorgt aber jetzt nicht nur in Anlegerkreisen, sondern auch unter Juristen für – gelinde gesagt – Irritationen.

Tatsächlich ging die ECI zunächst mit einem vielversprechenden Geschäftsmodell an den Start und warb Anlegergelder für US-Fonds ein, mit denen die Erschließung amerikanischer Öl- und Gasfelder, die für die Multis wegen der relativ geringen Fördermengen – hier geht es um Tausende statt um Hunderttausende  Barrel pro Tag – uninteressant geworden sind, realisiert werden sollte. Nach eigenen Angaben legte die ECI insgesamt 24 Beteiligungen in sechs Jahren auf und versprach Traumrenditen von bis zu 39 Prozent. Nun wurden die Anleger der von der ECI aufgelegten Öl- und Gas-Fonds über Nacht zum Aktionär der luxemburgischen Deutschen Oel & Gas S.A. Kurzfristig hatte das Stuttgarter Emissionshaus nämlich seinen Investoren mitgeteilt, dass ihre Auszahlungen nun nicht mehr in bar vorgenommen werden sollen, sondern in Form von Aktien der DOGSA.

Kurze Zeit später wurde der Energy Capital Invest die Option eingeräumt, auch die Anleger ihrer Namensschuldverschreibungen durch DOGSA-Aktien zu bedienen. Wie die ECI dazu mitteilte, wurde dies im Rahmen von Anlegerversammlungen mit qualifizierter Mehrheit beschlossen. Der Anlegerschutzanwalt Manfred Resch von der renommierten Berliner Kanzlei Resch Rechtsanwälte erklärte dazu: ‚Unerwähnt bleiben darf dabei nicht, dass die jeweilige Treuhänderin befugt war, die Stimmrechte der Anleger nach ihrem freien Ermessen auszuüben, sofern Anleger an der Versammlung nicht teilnahmen. Von dieser Befugnis machten die Treuhänderinnen auch gründlich Gebrauch. Daneben kursieren Gerüchte, nach denen Anlegern zu den im abgelegenen Uhingen stattgefundenen Versammlungen der Zutritt verwehrt wurde.‘ Starker Tobak!“

Und weiter: „Um zu verstehen, warum die Juristen offenbar wenig Vertrauen in die DOGSA haben, ist ein Blick auf den Werdegang der Luxemburger Gesellschaft hilfreich. Diese wurde im Jahr 2013 unter dem Namen SHCO 51 mit einem Stammkapital von lediglich 31.000 Euro gegründet, änderte ihren Namen im Sommer 2014 in Deutsche Oel & Gas S.A. und führte eine Kapitalerhöhung auf 5 Millionen Euro durch – allerdings nicht mit Barem, sondern in Form von genau 5 Millionen Aktien der Deutschen Oel & Gas AG (1 Euro pro Aktie!).

Nur kurze Zeit später, im November 2014, flossen weitere 500.000 Aktien der DOGAG in die DOGSA. Auf wundersame Weise waren diese Aktien dann aber nicht mehr nur einen Euro wert, sondern wesentlich mehr, denn das Stammkapital erhöhte sich auf einen Schlag von fünf auf sage und schreibe 475 Millionen Euro. Insgesamt verfügte die DOGSA nun also über ein angegebenes Grundkapital in Höhe von 480 Millionen Euro. Möglich wurde dies durch das Gutachten eines luxemburgischen Wirtschaftsprüfers, der erklärte, dass ihm bei der Evaluierung ‚nichts aufgefallen‘ sei, das ihn zu der Auffassung führen könnte, dass der Wert der 500.000 Aktien an der DOGAG ‚nicht mindestens einem Wert von EUR500.000.000 entspricht‘. Und jetzt kommt’s: Derselbe Wirtschaftsprüfer hatte wenige Monate vorher noch einen Umtauschkurs von 1:1 als angemessen angesehen und keineswegs einen Kurs von 1:1000!“

Der vollständige Bericht ist unter folgendem Link nachzulesen: http://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/%E2%80%9Ewundersame-geldvermehrung%E2%80%9C-bei-der-deutschen-oel-gas-ag-dogag-marco-quacken-in-erkl%C3%A4rungsnot.html

Einen Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2014 konnte die DOGAG bislang nicht vorlegen, obwohl viele Anleger mit Spannung auf eine Erklärung warten, wie die Aktien der Gesellschaft innerhalb von nur fünf Monaten um das Tausendfache gestiegen sind. Wollen DOGSA und DOGAG ihren „Weg aus dem grauen in den weißen Markt“ vertrauenswürdig untermauern, muss Unternehmenschef Kay Rieck auch solche offenen Fragen klären.

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