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Blockchain-Technologie kommt auch bei digitalen Immobilieninvestments zum Einsatz

Crowdinvesting: Simon Brunke emittiert mit Exporo eine tokenbasierte Anleihe auf Immobilienvermögen

Donnerstag, 05 September 2019 02:47
Exporo-Vorstandschef Simon Brunke Exporo-Vorstandschef Simon Brunke Quelle: Exporo AG

Hamburg – Obwohl die Blockchain-Technologie noch relativ jung ist, hält sie bei immer mehr kleinen und mittelständischen Unternehmen Einzug und revolutioniert den Wirtschaftsalltag. Bislang ist sie vor allem im Zusammenhang mit der Erzeugung und Zirkulation der Kryptowährung Bitcoin bekannt. Wegen ihrer fast grenzenlosen Anwendungsmöglichkeiten hat sich die Blockchain-Technologie jedoch von ihrem Digitalgeld-Bezug gelöst und wird für immer mehr Branchen interessant. Die Blockchain („Blockkette“) vernetzt dezentrale Computersysteme, um unterschiedlichste Transaktionen fälschungssicher in ihrer genauen Reihenfolge zu erfassen. Die Informationen der verbundenen Computersysteme werden blockweise abgespeichert, damit alle Netzwerk-Beteiligten einen Zugriff auf die Informationen haben und die Transaktionen vollständig überprüfen können. So entsteht eine völlig transparente Datenbank.

Für den Hamburger Unternehmer und Finanzjournalisten Sören März ist klar, „dass es große Potenziale für Blockchain-Technologie und Umsetzungen im Bereich von kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt. Wichtig ist nur, dass die entsprechenden Unternehmer beginnen, diese Gelegenheit am Schopfe zu packen. Denn hier gilt auch wie überall anders: wer zukunftsfähig aufgestellt ist, kann Marktanteile halten und ausbauen.“ Als „brandneues Anwendungsbeispiel für Blockchain-Technologie“ nennt März in einem Beitrag für das Online-Portal „Industry of Things“ den neusten Vorstoß der Hamburger Exporo AG. Das Immobilien-Crowdfunding-Unternehmen „hat eine tokenbasierte Anleihe auf Immobilienvermögen emittiert und unternimmt damit einen nächsten großen Schritt in seinem bereits sehr erfolgreichen Geschäftskonzept“, so März.

Das FinTech betreibt Deutschlands erfolgreichsten Online-Marktplatz für Immobilieninvestments. Die von Simon Brunke, Björn Maronde, Julian Oertzen und Tim Bütecke Ende 2014 gegründete Plattform hat bisher nach eigenen Angaben 203 Immobilienprojekte mitfinanziert und dafür mehr als 490 Millionen Euro Kapital vermittelt. Fast 170 Millionen Euro sollen mit guter Rendite schon an die Anleger zurückgezahlt worden sein. Für die Exporo AG arbeiten inzwischen mehr als 140 Mitarbeiter, darunter allein 40 ausgewiesene Immobilienexperten. Sie prüfen alle Finanzierungsprojekte und Bestandsobjekte auf Herz und Nieren, wozu neben den handelnden Personen auch die Faktoren Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und Marktumfeld gehören. Nur die seriösesten Projekte bekommen die Anleger auf der Plattform angeboten. Vorstandschef Simon Brunke sagte dazu jüngst auf Nachfrage: „Für Exporo ist es extrem wichtig, alle Projekte ganz genau zu prüfen. Von circa 20 bis 25 Anfragen zur Projektfinanzierung, die wir pro Woche erhalten, schaffen es nur ein bis zwei Projekte auf unsere Plattform. Die ‚Due Diligence‘, also die sorgfältige Prüfung, hat dabei einen sehr hohen Stellenwert: Sie prüft grundsätzlich die gleichen Datenpunkte wie eine mit Fremdkapital finanzierende Bank.“ Nur können sich Immobilienentwickler bei den Crowdinvesting-Experten viel leichter als bei den überregulierten und übervorsichtigen Banken mit dem benötigten Investitionskapital versorgen. Das erklärte Anliegen von Exporo ist es, auch Kleinanlegern den Aufbau eines eigenen digitalen Immobilienportfolios zu ermöglichen und sie von „geringen Mindestanlagen, attraktiven Zinsen und hoher Transparenz“ profitieren zu lassen.

Wegen seiner Transparenz-Anforderungen setzt der Exporo-Vorstand seit Kurzem auf digitale Wertpapiere, die in Blockchain-Kreisen Security Token genannt werden und in Form des Security Token Offering (STO) auf den Markt gebracht werden. „Wir haben ein streng reguliertes Finanzinstrument mit den besten Komponenten der Blockchain-Technologie verschmolzen und sind unglaublich stolz, den Immobilienmarkt nachhaltig zu prägen und echte innovative technologische Standards zu setzen“, betont CEO Simon Brunke. Er spielt damit auf ein Ärztehaus in Hamburg-Poppenbüttel an. Das Bestandsobjekt konnte durch Exporo-Anleger innerhalb weniger Stunden vollständig finanziert werden – und das bei einem Investitionsvolumen von knapp drei Millionen Euro. Das „Ärztehaus Poppenbüttel“ steht für die Zukunft von direkteren, effizienteren und transparenteren Anlagemöglichkeiten in Bestandsimmobilien. Die Exporo AG hofft mit der erstmaligen Emittierung tokenbasierter Anleihen auf der Ethereum-Blockchain die Digitalisierung von Immobilieninvestments voranzutreiben. Zur Sicherheit der Anleger geschieht das im Rahmen eines regulierten Wertpapierprospektes. Der Einsatz der Blockchain im Immobilien-Crowdinvesting zeigt, dass diese Technologie aus der Konzept- in die Praxisphase eingetreten ist und einen echten Mehrwert für Anleger und Unternehmen bietet.

Für Simon Brunke gibt es keinen Zweifel, dass diese Entwicklung zu einer deutlichen Angebotsverbesserung für Anleger führt: „Schon heute erlaubt uns die Tokenisierung unseren Prozess transparenter, schneller und schlanker zu gestalten, um unsere Bestandsimmobilien noch näher an unsere Anleger zu bringen.“ Zudem ermögliche die Blockchain-Technologie eine deutliche Reduzierung der Mindestanlagesumme auf theoretisch einen einzigen Euro. Das garantiere jedem eine einfache und risikomindernde Portfolio-Diversifzierung mit Kleinstbeträgen. „Auch unseren Exporo-Handelsplatz – mit dem Ziel, aus einem illiquiden Gut ein liquides zu schaffen – werden wir wesentlich ausbauen können, sodass jeder Investor seine über Exporo erworbenen ‚Stücke an Immobilien‘ täglich zum ‚fair-value‘ und fast in Echtzeit handeln kann“, so der Vorstandschef des hanseatischen FinTech. Die emittierten digitalen Wertpapiere werden von den Exporo-Kunden dann in digitalen Schließfächern, sogenannten Wallets, abgelegt und eigenständig verwaltet. Nach der Einrichtung dieser Schließfächer können nur die Investoren auf die dortigen Vermögenswerte zugreifen. Sollte ein Anleger einmal das Passwort für seinen Account vergessen, wird der Zugang über ein Sicherheitszertifikat problemlos wiederhergestellt.

Für die Exporo AG läuft derzeit alles rund. Erst im Juni gab sie bekannt, eine „Finanzierungsrunde über 43 Millionen Euro abgeschlossen“ zu haben, an der sich der neue Lead-Investor Partech und die bisherigen Investoren e.ventures, Heartcore und HV Holtzbrinck Ventures beteiligt hätten. Wie in solchen Fällen üblich steht die Umsetzung der Finanzierungsrunde noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank nach §2c KWG.

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