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Branchenbericht der Commerzbank

Chemieverband fordert Nachbesserung beim EEG

Montag, 22 Februar 2016 04:32
Filiale Fürstenhof in Frankfurt am Main Filiale Fürstenhof in Frankfurt am Main Quelle: Commerzbank AG

Frankfurt am Main – Der aktuelle „Branchenbericht Chemie" der Commerzbank stellt der chemischen Industrie in Deutschland ein gutes Zeugnis aus: Sie spiele eine zentrale Rolle im industriellen Netzwerk, verfüge über eine hohe Innovationskraft, eine weitgehend energie- und ressourceneffiziente Produktion, richte ihre Produktstrategie auf Nachhaltigkeit und Megatrends (so bezeichnet der Zukunftsforscher John Naisbitt besonders tiefgreifende Trends, die gesellschaftliche und technologische Veränderungen betreffen) aus und sei zudem stark mittelstandsgeprägt.

Tatsächlich dürfte es einen derart leistungsstarken Mittelstand in keiner anderen Branche geben. Mehr als 90 Prozent der deutschen Chemieunternehmen haben weniger als 500 Beschäftigte aufweisen, die rund 1.850 kleinen und mittleren Firmen stellen weit über ein Drittel der Arbeitsplätze in diesem Bereich und erwirtschafteten im vergangenen Jahr mit 57 Milliarden Euro fast ein Drittel des Gesamtumsatzes der Branche. Gut 20 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Chemie mit Produkten, die jünger als fünf Jahre sind, dafür wurden allein 2015 knapp 10,4 Milliarden Euro an Forschungsgeldern aufgewendet.

Was der Commerzbank-Bericht jedoch auch offenlegt: Die Energiepolitik ist die Achillesferse der Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie. Gerade mit Blick auf die Konkurrenz aus Fernost (mittlerweile kommen 40 Prozent aller chemischen Erfindungen aus Asien, vor allem aus China, Südkorea und Indien), aber auch den USA, stellen die Energiekosten einen immer wichtigeren Faktor im globalen Standortwettbewerb dar. In Deutschland ist Strom rund 50 Prozent und Gas sogar 200 Prozent teurer als in den Vereinigten Staaten.

Häufig wechselnde energiepolitische Vorgaben und unzählige staatliche Eingriffe in den Energiemarkt erzeugen eine anhaltend hohe Planungsunsicherheit in den Unternehmen und damit Zurückhaltung bei Investitionen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, appellierte daher unlängst an die Politik: „Wir brauchen eine grundsätzliche Reform des EEG, die den Zielkonflikt zwischen Ausbau der erneuerbaren Energiequellen und Kostenentwicklung auflöst. Nur dann wird die Energiewende für die Wirtschaft auf Dauer bezahlbar. Das unterstreicht der Anstieg der EEG-Umlage, die sich 2015 für die Verbraucher auf über 24 Milliarden Euro summierte.“

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