Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft & Finanzen

Niedrige Zinsen machen neue Anlagen unattraktiv

AXA-Vorsorgestudie: Sachsen sparen zu wenig fürs Alter

Mittwoch, 11 Mai 2016 18:33
AXA-Vorsorgestudie: Sachsen sparen zu wenig fürs Alter Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Köln/Dresden – Laut einer aktuellen Studie des Versicherungsunternehmens AXA halten die Sachsen im Durchschnitt eine Sparsumme von lediglich 149 Euro für ausreichend, um ihren Lebensstandard im Alter aufrechterhalten zu können. Dies ist die niedrigste Summe im Vergleich aller Bundesländer. Die höchste Summe zur Altersvorsorge wollen demnach Hessen aufwenden. Sie sind bereit, durchschnittlich 221 auf die hohe Kante zu legen. Deutschlandweit wird ein Beitrag von 200 Euro für angemessen erachtet. Für seinen „Deutschland-Report 2016“ hat der AXA-Konzern im März dieses Jahres insgesamt 3324 Erwerbstätige und Rentner in allen 16 Bundesländern befragt. Um bundesweite Aussagen ableiten zu können, wurden die Ergebnisse nach Angaben des Unternehmens „bevölkerungsrepräsentativ gesamtgewichtet“.

Leider sagt die Studie nichts darüber aus, warum die Sachsen so zurückhaltend bei der privaten Altersvorsorge sind. Möglicherweise könnte dies an den im Vergleich zu anderen Bundesländern niedrigen Einkommen im Freistaat liegen, eine andere Erklärung könnte darin bestehen, dass die Befragten in Sachsen ihre finanziellen Ansprüche niedriger ansetzen. Zwischen Görlitz und dem Erzgebirge werden monatlich 1.687 Euro für notwendig gehalten, um im Alter vernünftig leben zu können, im Bundesdurchschnitt sind es hingegen 1.993 Euro.

Einmal mehr werden anhand der Axa-Ergebnisse die negativen Auswirkungen der EZB-Niedrigzinspolitik deutlich: Normalerweise müssten die Bürger deswegen mehr Geld als vorher eingeplant zurücklegen, laut AXA-Vorstand Patrick Dahmen ist jedoch genau das Gegenteil der Fall. „Die anhaltenden Niedrigzinsen lassen die Sparbereitschaft der Erwerbstätigen erlahmen“, so Dahmen. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen, nämlich 55 Prozent, schließen keine neuen Verträge für die Altersvorsorge ab. In Sachsen liegt dieser Wert mit 54 Prozent nur unwesentlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Wenn es um Anlagen zur Altersvorsorge geht, will nach den Daten der Studie darum auch nur jeder zehnte Berufstätige auf kaum noch zinsträchtige Spareinlagen, Renten- und Lebensversicherungen oder eine betriebliche Altersversorgung zurückgreifen. Dagegen plant fast ein Drittel, nämlich 27 Prozent, sich eine Immobilie zur Eigennutzung oder Vermietung anzuschaffen. Für AXA-Vorstand Patrick Dahmen birgt diese „einseitige Fokussierung auf Immobilien“ allerdings auch Risiken. Neben den Neben- und Instandhaltungskosten müsse möglicherweise auch eine teurere Anschlussfinanzierung in Kauf genommen werden. Es sei deshalb nicht ratsam, „alles auf eine Karte“ zu setzen.

Generell sieht Dahmen die Zurückhaltung bei der Altersvorsorge vor dem Hintergrund der zunehmenden Altersarmut als höchst problematisch an, was sicherlich nicht nur in der Sorge um die betroffenen Menschen begründet liegt. Der französische AXA-Konzern verdient sein Geld hierzulande vor allem mit dem Verkauf von Schadens- und Unfallversicherungen sowie privaten Vorsorgeanlagen wie Lebens- und Krankenversicherungen. Der Appell des AXA-Vorstands, mehr Geld in die Altersvorsorge zu investieren, liegt damit auch im Konzerninteresse.

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Mai 2016 19:00
Artikel bewerten
(5 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten