Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft & Finanzen

Holding erweitert mit innovativen Industriebeteiligungen ihr Geschäftsfeld

Austro Nexus: Michael Thomale organisiert das ICO für RS. Red Eagle AG von Reiner Stemme

Mittwoch, 02 September 2020 11:29

Salzburg/Trebbin – Unternehmer sind Menschen, die wirtschaftlich etwas unternehmen. Sie haben Dienstleistungs- oder Produktideen und gründen Unternehmen, um mit ihnen Geld zu verdienen. Wer nicht zurückfallen will, darf unternehmerisch nicht stehenbleiben, sondern muss sich weiterentwickeln und nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau halten. Das hat auch Michael Thomale erkannt. Der gebürtige Sachse gilt als Experte für das Initial Coin Offering (ICO) und die unterschiedlichsten Verdienstmöglichkeiten mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Mit Kryptogeld-Investments will er jedem die Chance geben, ein passives Zusatzeinkommen zu erzielen. Seine Ideen setzt er unter anderem bei der in London ansässigen Nexus Global um, wo er als CMO fungiert. Das Unternehmen bietet umfassende Beratungsleistungen zu Kryptowährungen samt Blockchain-Technologie und versteht sich als „erste Multi-Affiliate-Plattform mit herausragenden Verdienstmöglichkeiten“. Affiliate-Systeme sind internetgestützte Vertriebsformen, bei denen ein kommerzieller Anbieter seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet. Seitens Nexus Global heißt es weiter, dass man „verschiedene Produkte in Kombination mit einem unglaublichen Vergütungsplan, Binary und Unilevel, unter Einbeziehung der traditionellen europäischen Industrie“ anbiete.

Der Hinweis auf die Einbeziehung der klassischen Industrie ist kein Zufall. Michael Thomale ist nämlich auch Ideengeber der Austro Nexus Holding GmbH, die sich als Industrieholding begreift und einen Bogen zu neuartigen Finanzierungsformen wie dem ICO schlägt. Geschäftsführer von Austro Nexus ist Denis Alexander Deppe, dem Thomale mehr als nur beratend zur Seite steht. Lange Zeit wirkte die auf Industriebeteiligungen setzende Salzburger Holding eher im Verborgenen. Doch im Frühjahr 2019 wurde bekannt, dass man zusammen mit dem Flugzeugkonstrukteur Dr. Reiner Stemme und seinem Neffen Dr. Wolfgang Stemme einen neuen Flugzeugtyp namens „Red Eagle“ entwickeln will. Mit diesem Flugzeug will die RS. Red Eagle AG eine feste Größe „im europäischen Geschäft für luftgestützte Fernerfassung und Überwachung in den Bereichen Sicherheit, Handel und Umwelt“ werden. Das Unternehmen reklamiert für sich eine besondere Expertise in der luftgestützten Fernerfassung und Überwachung. Die Stemmes wollen die insbesondere für Patrouillenflüge einsetzbaren „Red Eagle“-Modelle RS 120 und RS 500 jetzt endgültig von der Planungs- in die Produktionsphase überführen.

Aber das kostet viel Geld, und hier kommen die Austro Nexus Holding und Michael Thomale ins Spiel. Sie arbeiten mit Erfolg daran, Blockchain-basierte Finanzierungsinstrumente auf neue Märkte zu übertragen und dafür Industriepartner zu gewinnen. Ganz konkret geht es um die Kapitalbeschaffung für Hightech-Projekte aus der Sicherheits- und Rüstungssparte. Wie man hört, hat das Salzburger Unternehmen für das Flugzeug-Projekt „Red Eagle“ das Initial Coin Offering (ICO) übernommen. Dabei handelt es sich um eine innovative Form der Unternehmensfinanzierung, die mit der Ausgabe von Wertpapieren an der Börse vergleichbar ist. Investoren setzen auf sogenannte Token für spezielle Projekte im Blockchain-System. Im Zuge eines Crowdfunding erwerben sie diese Token und spekulieren darauf, dass sie wie klassische Aktien steigen und Kursgewinne erzielen. Die Unternehmen, die die Token erzeugen und verkaufen, kommen so an das dringend benötigte Investitionskapital. ICOs werden in der Regel zur Finanzierung von Start-ups oder ganz konkreten Produktentwicklungen genutzt, wie das Beispiel der RS. Red Eagle AG zeigt.

Der Red-Eagle-Ansatz soll die Synthese bemannter und unbemannter Flugmerkmale in einem einzigen Flugsteuerungssystem sein und Leistungsmerkmale wie Reichweite, niedriger Kraftstoffverbrauch und geringe Geräuschentwicklung verbinden. Beabsichtigt ist, dass die Flugzeugtypen RS 120 und RS 500 durch den Einsatz innovativer Sensortechnologien ganz neue Sicherheits- und Umweltanwendungen ermöglichen. Über eines der Flugzeugmuster teilt die RS. Red Eagle AG mit: „RS 120 zielt auf polizeiliche Aufgaben, Grenzüberwachung mit niedriger bis mittlerer Reichweite und eine Vielzahl von ähnlichen Aufgaben. Durch sein Elektro-/Hybrid-Energiesystem ermöglicht es abgedeckte Missionen mit nahezu null Lärm- und Infrarotemissionen zu den Objekten auf dem beobachteten Boden. Und durch seine zwei Energiequellen Batterien und Range Extender bietet es die Sicherheit eines zweimotorigen Flugzeugs. RS 120 übernimmt Hubschrauberaufgaben der Mittelklasse durch Leistung und niedrige Signatur und einen Bruchteil der Kosten.“

Die im brandenburgischen Trebbin ansässigen Flugzeugentwickler betonen auch die Vorteile der RS 500. Mit ihrer Nutzlast von 750 Kilogramm, überlegenen Flugeigenschaften und niedrigen Betriebskosten hebe sie sich deutlich von Konkurrenzmodellen ab. Empfohlen wird sie für die Überwachung von Seegebieten und komplexen Verkehrsanlagen. Dr. Reiner Stemme kann sich auch gut eine Indienstnahme der „Roten Adler“ durch die EU-Grenzschutzagentur Frontex vorstellen. Deren Grenzschutzbeamte sind mit Schiffen und Flugzeugen an den europäischen Außengrenzen im Einsatz, um klassische grenzüberschreitende Kriminalität und illegale Migration zu bekämpfen. Die Flugzeuge RS 120 und RS 500 könnten genau in das Anforderungsprofil der Frontex passen. Damit die beiden Flugzeugtypen schnell auf den Markt kommen, bedürfen sie einer Anschubfinanzierung durch das ICO von Austro Nexus und Michael Thomale.

Austro-Nexus-Chef Denis A. Deppe hat das Geschäftsfeld der Industriebeteiligungen konsequent ausgebaut. Industriebeteiligungen sind für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik eines jeden Landes von großer Relevanz. Der in Zürich ansässige Verein Sicherheitspolitik und Wehrwissenschaften (VSWW) definiert diese Beteiligungsform so: „Industriebeteiligungsgeschäfte sind alle Arten von Kompensationsgeschäften im Zusammenhang mit Rüstungsbeschaffungen im Ausland, bei welchen der Hersteller verpflichtet wird, die Vertragssumme durch die wirtschaftliche Beteiligung der heimischen Industrie auszugleichen.“ In diesem Zusammenhang wird zwischen direkten und indirekten Industriebeteiligungen unterschieden: Unter einer direkten Beteiligung werden primär Geschäfte verstanden, die unmittelbar mit der betreffenden Rüstungsbeschaffung beziehungsweise mit dem zu beschaffenden Rüstungsgut in Verbindung stehen. Firmen werden hierbei direkt an der Herstellung des Produktes beteiligt. Indirekte Industriebeteiligungen beziehen sich nicht direkt auf die Rüstungsbeschaffung. Die Hersteller verpflichten sich, in bestimmten Industriebranchen Güter oder Dienstleistungen von Firmen eines Landes einzukaufen beziehungsweise ihnen Aufträge zu verschaffen. Indirekte Industriebeteiligungen lassen sich wiederum in sicherheits- und rüstungspolitisch relevante sowie rein zivile Beteiligungen unterscheiden.

Der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie kommt auch in Deutschland eine immense strategische Bedeutung zu. Sie spielt natürlich bei der Ausstattung der zivilen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben als auch der Bundeswehr eine zentrale Rolle und leistet damit einen wichtigen Beitrag für den Schutz der Bürger. „Sie ist damit eine Branche von nationalem Interesse“, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fest. Michael Thomale dürfte diese Aussage unterschreiben.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten