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Näheverhältnis des US-Investmentriesen zur Politik

Anders Fogh Rasmussen wechselt von der NATO zu Goldman Sachs

Mittwoch, 12 August 2015 01:11
Anders Fogh Rasmussen Anders Fogh Rasmussen Quelle: de.wikipedia.org | Fabio Pozzebom/ABr - Agência Brasil | CC BY 3.0 br

Dresden – Nun ist es „amtlich“: Der scheidende NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird demnächst als Berater bei dem US-Investmentriesen Goldman Sachs einsteigen. Rasmussen, der von 2001 bis 2009 als dänischer Ministerpräsident amtierte, soll offenbar dabei helfen, das Image der amerikanischen Großbank, das nach dem Aufkauf des heimischen Energiekonzerns DONG Energy als ziemlich ramponiert gilt, wieder aufzupolieren. Ob dem international gut vernetzten Transatlantiker dies gelingen wird, ist allerdings fraglich.

„Uns hat, ehrlich gesagt, die Kontroverse nach dem Kauf von DONG Energy überrascht. Wir haben langfristige Pläne in Dänemark mit DONG Energy, und deshalb ist es uns wichtig, dass wir besser den politischen Kontext und die Öffentlichkeit in Dänemark verstehen lernen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Anders Fogh Rasmussen bei dieser Aufgabe helfen kann“, so Martin Hintze von Goldman Sachs Europe nach der Bestätigung des bevorstehenden Wechsels des NATO-Generalsekretärs zur Investmentbank. Der Einstieg von Goldman Sachs bei dem Stromversorger führte im letzten Jahr dazu, dass die Sozialdemokraten die Koalition mit der liberalen Venstre-Partei, deren Spitzenmann Rasmussen einst war, aufkündigten und so die Regierung von Helle Thorning-Schmidt zu Fall brachten. Dabei spielte nicht zuletzt auch eine kritische Distanz der dänischen Linken zu den USA und zu der an der Wall Street beheimateten Finanzindustrie eine Rolle.

Rasmussen galt indes schon zu seiner Ministerpräsidentenzeit als treuer Freund Amerikas. Der ehemalige Botschafter des Weißen Hauses in Dänemark, Damon Wilson, ließ seinerzeit durchblicken, dass Rasmussens im Bündnis nicht unumstrittener Amtsantritt als NATO-Generalsekretär vor allem dem Einfluss der Vereinigten Staaten zu verdanken war. Die Schützenhilfe des US-Establishments war ihm seit seiner Unterstützung des Irak-Kriegs sicher. Im Golfkrieg 2003 entsandte die Regierung Rasmussen ein dänisches Kontingent in den Irak.

Der Einstieg von Rasmussen bei Goldman Sachs ist ein weiteres Beispiel für die engen Verbindungen zwischen dem Investmentriesen und der Politik. Ehemalige „Goldmänner“ sind der EZB-Präsident Mario Draghi, der frühere italienische Ministerpräsident Mario Monti oder die wirtschaftspolitischen Berater des US-Finanzministeriums Robert Rubin und Henry Paulson. Vorsitzender von Goldman Sachs International ist momentan der ehemalige EU-Kommissar und erste WTO-Generaldirektor Peter Sutherland. Mit Alexander Dibelius, Geschäftsleiter von Goldman Sachs für Deutschland, berät ein führender Manager der Wall-Street-Bank auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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