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Was bringt der „Volkswahlautomat“?

Zwischen Klamauk und AfD-Kritik: PEGIDA auf dem Dresdner Altmarkt

Dienstag, 31 Mai 2016 15:34
PEGIDA am 30.05.2016 PEGIDA am 30.05.2016 Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Wenig Überraschendes gab es gestern in Dresden, wo die islamkritische PEGIDA-Bewegung zum montäglichen „Abendspaziergang“ auf den Altmarkt geladen hatte. „Zu tief im Weihrauch geschnüffelt“ habe Kardinal Woelki (der beim Fronleichnamsfest in Köln ein Flüchtlingsboot als Altar genutzt hatte), klagte Versammlungsleiter Siegfried Däbritz zu Beginn, auf die Amtskirchen sei kein Verlass mehr.

Anschließend trat der Schwabe „Engelbert“ auf, 10 Jahre CDU-Mitglied und seit 18 Monaten bei PEGIDA: Frauke Petry (AfD) bekomme seine Stimme nicht, in der „Bürgerdemokratie“ müsse man „etwas unternehmen und nicht nur krakeelen“. Er und sein Freund seien gerade dabei, eine „Genossenschaft für altersgerechtes Wohnen“ zu gründen – und jeder dürfe mitmachen. Bei strahlendem Wetter bewegte sich der Demonstrationszug anschließend mit mehr als 3.000 Teilnehmern ungestört über Pirnaischen Platz, St. Petersburger und Dr.-Külz-Ring zum Ausgangspunkt zurück.

Zweierlei Maß beim Umgang der Medien mit den Tortenattentaten auf Sahra Wagenknecht (Linke) und Beatrix von Storch (AfD) stellte PEGIDA-Chef Lutz Bachmann fest – zu einem Gastredner mit Baskenmütze und dunkler Sonnenbrille überleitend, den die Pegidianer bislang als Anführer eines „patriotischen Singeclubs“ im Umfeld ihrer Veranstaltungen erleben konnten. Wieder ging es um direkte Demokratie, jeder Haushalt solle „ein Gerät für Volksabstimmungen“ haben, „Volkswahlautomat“ genannt, welcher eine „unbeschränkte Demokratie“ ermögliche, die überhaupt die Lösung sei. Abschließend sprach Bachmann das erneut getrübte Verhältnis zur AfD an und lud den originellen Dresdner Kabarettisten Uwe Steimle auf die PEGIDA-Bühne ein.

Klamauk gab es auch bei den wenigen, auf dem Theaterplatz versammelten Gegendemonstranten. Motto: „Wir sind zwar klein, doch dafür fies und gemein." Bei so viel sächsischem Frohsinn bleibt die Frage, was das in Ritualen erstarrte Dresdner Demonstrationsgeschehen zur Lösung aktueller Problemstellungen noch beitragen kann. Bei manchem Demonstranten wächst das Misstrauen, Vehikel einer großangelegten Demokratie-Simulation zu sein, woran auch die putzige Idee vom Volkswahlautomaten kaum etwas geändert haben dürfte.

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