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AfD-Jungmitglied Jan Endert bei PEGIDA

Zwischen Biedersinn und Größenwahn

Dienstag, 27 Juni 2017 20:39
Anhänger von PEGIDA am 26.06.2017 in Dresden Anhänger von PEGIDA am 26.06.2017 in Dresden Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Sein Name sei Jan Endert, und es werde Zeit, „dass sich hier was ändert“. Keine 20 Jahre ist er alt und Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD). An Selbstbewusstsein mangelt es dem schlaksigen jungen Mann aus Pirna auf dem Sprecherwagen am Postplatz entschieden nicht. Ganz anders als seine Altersgenossen, die zeitgleich bei der Antifa herumlärmen, gibt sich Endert strategisch und doziert abgeklärt: man brauche den Protest auf der Straße ebenso wie die Arbeit in den Parlamenten. PEGIDA und AfD seien „zwei Arme eines Körpers“. Einigkeit habe die höchste Priorität, im Wahlkampf hätten personelle Fragen zurückzustehen. Einigkeit hat die AfD in der Tat nötig.

Wenige Stunden zuvor berichteten Medien, dass die Bundes-AfD ihrem Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, der parteiintern den NPD-Slogan „Deutschland den Deutschen“ verwendet haben soll, eine Rüge verpasst hätte. So bleibt die AfD vor allem mit sich selbst beschäftigt. Dennoch jubeln die Pegidianer – und Endert fährt schärfer fort: „Wir werden uns die Informationen beschaffen (…), um das verbrecherische Treiben dieser Parteien und dieser Volksverräter öffentlich zu machen, damit jeder (…) Bescheid weiß, was für ein mieses Spiel hier gespielt wird.“

Vielleicht ist es der Zuspruch des Publikums, jedenfalls verfällt Endert, der vom Typ her eher in die Junge Union der CDU passen würde, nunmehr in einen altklugen Tonfall und offenbart so auch das Selbstverständnis seines politischen Umfelds im AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz/Osterzgebirge. Es ist jene seltsame Mischung aus Biedersinn und Größenwahn, die immer wieder überrascht und in den Schaltzentralen der Macht kaum für Unruhe, bei den kommenden Bundestagswahlen aber für lange Gesichter einiger AfD-Mitglieder sorgen dürfte.

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