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PEGIDA auf dem Dresdner Schlossplatz

Vom Gedenken zum Kunstkrawall?

Mittwoch, 08 Februar 2017 23:44
Anhänger von PEGIDA am 06.02.2017 auf dem Dresdner Schlossplatz Anhänger von PEGIDA am 06.02.2017 auf dem Dresdner Schlossplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Feuchtkaltes Wetter am Montagabend bei PEGIDA auf dem Dresdner Schlossplatz. Nach einem rhetorischen Rundumschlag von Lutz Bachmann, der sich speziell an „Soros und Konsorten“ und dem Malta-Plan, der „Umvolkung Europas“, abarbeitet, setzen sich mehr als 2000 Pegidianer zu ihrem „Spaziergang“ durch die Innenstadt in Bewegung.

Über die Augustusbrücke geht es durch die Große Meißner Straße zur Carolabrücke. Für die Älteren weht dabei ein Hauch von 1989, wo die Demonstrationszüge eben diese Route nahmen, nur dass sich im heutigen Finanzministerium die BDVP (Bezirksbehörde der Volkspolizei) befand, und hinter den Gardinen der stets dunklen Fenster Polizeibeamte mit gemischten Gefühlen dem vorbeiziehenden Volk nachsahen. Das ist Ewigkeiten her, und heute schaut nur eine uniformierte Pförtnersfrau mürrisch durch ein hellerleuchtetes Fenster.

Siegfried Däbritz kommt dann zum eigentlichen Thema dieser Tage, der umstrittenen Kunstaktion des Syrers Halbouni, wofür drei riesenhafte Schrottbusse vertikal nebeneinander auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche aufgestellt wurden. Eigentlich möchten die Dresdner ihrer zahllosen Bombenopfer der Luftangriffe vom Februar 1945 gedenken. Das aber sollen sie nicht, denn „Dresden war alles andere als eine unschuldige Stadt“ (OB Hilbert).

Die Dresdner werden stattdessen an den Bürgerkrieg in Syrien „erinnert“. Dem PEGIDA-Vize will das nicht gefallen und seinem empörten Publikum noch weniger. Auch das für Freitag anberaumte Kunstprojekt „Lampedusa 361“, wo der Theaterplatz mit einer Fotoausstellung in ein „Gräberfeld“ verwandelt werden soll, provoziert lauten Unmut. Es reiche langsam „mit den plakativen Umerziehungsversuchen“, mit denen Dresden überhäuft werde, so Däbritz. „Unverschämt und ungerührt“ mache die „Multikulti-kulturrevolutionäre Garde“ um die „Gruppe Hilbert“ einfach weiter, wolle den Dresdnern kollektive Schuld „einbläuen“.

Umstrittene Kunstaktion auf dem Dresdner Neumarkt | Quelle: Jan Erbenfeld
Umstrittene Kunstaktion auf dem Dresdner Neumarkt
Quelle: Jan Erbenfeld

 

Das schöne Elbflorenz ist eine kranke Stadt geworden. Könnte man vor Jahren verstorbene Dresdner zum Leben erwecken, müssten diese wohl feststellen, in einem politischen Tollhaus aufgewacht zu sein. Absurd wäre, die Schuld dafür einseitig den seit 28 Monaten im Protestmodus ausharrenden Dresdner Pegidianern zuzuschieben. Die Bachmann-Truppe hat nur sichtbar gemacht, wo die Bruchlinien verlaufen, lange bevor multikulturelle Ideologen zur Tagesordnung übergingen.

Die Dresdner Stadtspitze mit ihrem glücklosen Oberbürgermeister läuft Gefahr, das Vertrauen der Dresdner zu verlieren, in dem sie denjenigen, „die schon länger da sind“, fragwürdige Experimente aufbürdet. Kommenden Montag, am 72. Jahrestag der Zerstörung Dresdens, soll, laut Lutz Bachmann, keine Demonstration stattfinden, haben „wir“ uns entschlossen „leise zu gedenken“, denn es sei „alles gesagt“. Ist es das?

Letzte Änderung am Mittwoch, 08 Februar 2017 23:59
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