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Leipzigerin Uta Nürnberger offenbar schon seit 2014 kein Parteimitglied mehr

Unter falscher Flagge? Angebliche AfD-Vertreterin bei Rechtsaußen-Demo in Dresden

Dienstag, 04 Oktober 2016 22:21
Auf diesem Banner werben die Veranstalter mit der angeblichen AfD-Rednerin Uta Nürnberger für die Demo in Dresden Auf diesem Banner werben die Veranstalter mit der angeblichen AfD-Rednerin Uta Nürnberger für die Demo in Dresden Quelle: Thügida (Facebook)

Dresden – Die rechtsaußen angesiedelte Thügida-Gruppe ruft für den kommenden Sonnabend zu einer Demo in Dresden auf. Die Veranstaltung unter dem Motto „Gemeinsam für unser Land“ soll um 15 Uhr auf dem Neumarkt beginnen, deutliche Gegenproteste seitens linker Gruppen sind schon jetzt zu erwarten. Die könnten durchaus massiver ausfallen als zu den wöchentlichen PEGIDA-Demos, denn die Veranstalter der Demonstration am 8. Oktobersind von einem ganz anderen Kaliber.

Hinter Thügida und ihren sächsischen Gesinnungsfreunden stehen nach Informationen von SACHSEN DEPESCHE im Wesentlichen zwei überaus schillernde Figuren der rechten Szene: Zum einen der Greizer NPD-Funktionär David Köckert, ein bis zur Halskrause tätowierter früherer Ex-Skinhead, der zwischenzeitlich bei der AfD Unterschlupf gefunden hatte, zum anderen der sächsische Landesvorsitzende der rechtsextremen Kleinstpartei „Die Rechte“, Alexander Kurth, der zur Stadtratswahl 2014 in Leipzig noch für die NPD kandidierte und seine damalige Partei in die Bredouille brachte, weil ihm wegen seiner Vorstrafen die Wählbarkeit aberkannt worden war, was dem zuständigen Wahlausschuss zunächst nicht auffiel. Dies führte am Ende dazu, dass der Urnengang im Leipziger Wahlkreis 9, wo Kurth kandidiert hatte, wiederholt werden musste. Kurze Zeit später trennte sich der umtriebige Nachwuchskader im Streit von der NPD. 

Als Redner sollen auf der Kundgebung am Dresdner Neumarkt mit Jens Wilke, der bei den niedersächsischen Kommunalwahlen am 11. September 2016 zur Kreistags- und Landratswahl in Göttingen kandidierte (angekündigt ist er allerdings als Vertreter eines „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“), und dem Münchner Stadtrat Karl Richter zwei NPD-Leute sprechen, die selbst in ihrer eigenen Partei am äußersten rechten Rand angesiedelt und deswegen höchst umstritten sind. Richter ist sowas wie ein Promi der Szene. Er war früher Chefredakteur diverser rechter Blätter, unter anderem des NPD-Parteiorgans „Deutsche Stimme“, ist nun Referent des NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt und sitzt für die NPD-nahe „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) im Münchner Stadtparlament. 

Während bei Wilke und Richter auf dem Banner, mit dem im Internet für die Thügida-Demo in Dresden geworben wird, eine Parteinennung fehlt, ist bei der Rednerin Uta Nürnberger, die den Reigen beschließen soll, eine Parteimitgliedschaft angegeben – und hierwird die Sache brisant! Die Dame wird nämlich als Vertreterin der AfD und der „Patriotischen Plattform“ angekündigt. In jener Plattform sammeln sich, ähnlich wie in Björn Höckes „Der Flügel“, AfD-Parteimitglieder, denen der Petry-Kurs zu soft, zu wenig „national“ ist. Bekannt ist, dass Nürnberger für die AfD bei der Leipziger Stadtratswahl 2014 kandidierte und an der Ausarbeitung des AfD-Landtagswahlprogramms beteiligt war. In den sozialen Medien kursieren allerdings auch Bilder, die sie zusammen mit Karl Richter beim Sommerfest des NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt im thüringischen Guthmannshausen zeigen. 

Uta Nürnberger mit Karl Richter (l.) und Udo Voigt (r.) in Guthmannshausen | Quelle: Twitter
Uta Nürnberger mit Karl Richter (l.) und Udo Voigt (r.) in Guthmannshausen
Quelle: Twitter



Eine AfD-Vertreterin, die nicht nur intensiven Kontakt zu führenden NPD-Funktionären pflegt, sondern auch auf einer Demo absoluter Hardcore-Nationalisten neben als besonders radikal geltenden NPD-Rednern auftreten soll? Das würde freilich alle Bemühungen Frauke Petrys, ihre Partei vom rechten Rand abzugrenzen, komplett über den Haufen werfen. Allerdings scheint Uta Nürnberger „unter falscher Flagge“ zu segeln: Wie der Pressesprecher und stellvertretende Landesvorsitzende der sächsischen AfD, Thomas Hartung, nämlich auf Nachfrage von SACHSEN DEPESCHE mitteilte, soll Nürnberger bereits im Mai 2014 aus der AfD ausgetreten und damit schon lange kein Parteimitglied mehr sein. 

Eine Anfrage beim Bundessprecher der „Patriotischen Plattform“, dem sachsen-anhaltischen AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, brachte zunächst keine Klärung, in welcher Beziehung Nürnberger möglicherweise noch immer zu der Vereinigung steht. Tillschneider erklärte gegenüber SACHSEN DEPESCHE: „Ich habe soeben durch Sie von dieser Veranstaltung erfahren und bin ziemlich entsetzt. Ich weiß nicht, was Frau Nürnberger dazu veranlasst, mit zwei NPD-Vertretern auf einer Bühne zu sprechen. Das ist jedenfalls weder der Stil der Patriotischen Plattform noch der AfD.“ Vor einer weitergehenden Erklärung wolle er zunächst eine Stellungnahme Nürnbergers einholen. SACHSEN DEPESCHE wird in dieser Sache natürlich weiterhin am Ball bleiben.

Letzte Änderung am Donnerstag, 06 Oktober 2016 16:07
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