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Rund 2000 Teilnehmer am Neustädter Markt

Tatjana Festerling und „Festung Europa“ / „Fortress Europe“ demonstrierten in Dresden

Dienstag, 17 Mai 2016 23:33
Teilnehmer der Kundgebung von "Festung Europa" / "Fortress Europe" in Dresden. Teilnehmer der Kundgebung von "Festung Europa" / "Fortress Europe" in Dresden. Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Dresden – Einen „Startpunkt für echten Zusammenhalt, europäischen Gemeinschaftssinn und einen starken, europäischen Korpsgeist“ hatte PEGIDA-Frontfrau Tatjana Festerling versprochen. Dieser Verheißung waren am Pfingstmontag mehr als 2000 Veranstaltungsteilnehmer gefolgt, um bei strahlend blauem Himmel auf dem Neustädter Markt in Dresden „Festung Europa“ / „Fortress Europe“ zu unterstützen. Die europäische Bürgerbewegung, die schon am 6. Februar mehr als 10.000 Anhänger an die Elbe brachte, gilt als Projekt Festerlings – und tatsächlich war die Hamburgerin erst am Wochenende zu deren 1. Sprecherin gewählt worden.

Während äußerliches Gepränge und ein nicht geringer Teil der Anhängerschaft an PEGIDA erinnerte, unterschied sich die Veranstaltung deutlich von den montäglichen Spaziergängen der Bachmann-Truppe. Anstatt platte Ressentiments zu bedienen, zeigten zahlreiche Ansprachen aus Tschechien, Polen, Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark, welche Werte überhaupt gemeint sind, wenn es um die Verteidigung einer gemeinsamen europäischen Identität geht. Dies kam auch in einem Filmeinspieler zum Ausdruck, in dem der Bogen von Stonehenge zum Petersdom und von der Akropolis bis zum Kreml gespannt wurde.

Ein wenig therapeutisch wirkte der allen Redebeiträgen gemeinsame Appell an die „Niemieckis“, zu verlorenem Selbstbewusstsein zurückzufinden. „Ich flehe euch an, wieder stolz zu sein“, rief Tanja Groth aus Dänemark den Sachsen zu, denen es vor der historischen Silhouette ihrer Hauptstadt an Selbstbewusstsein gar nicht zu mangeln schien.

Unbestrittener Höhepunkt, der von Festerling vorgeschlagene Abschied von den „emotionalen, historischen und politischen Verstimmungen“, mit dem sich die Europäer gegen die Instrumentalisierung der Vergangenheit „immunisieren“ sollten. Schon in den 60er Jahren habe sich der Breslauer Kardinal Kominek um Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen bemüht. „Wir vergeben und bitten um Vergebung“, waren seine Worte, die nunmehr jeder Gastredner in seiner Landesprache vorzutragen hatte; die Menge wiederholte dann auf Deutsch.

Den Abschluss machte eine 80-jährige Dresdnerin, die als Neunjährige die Bombardierung ihrer Stadt erlebte. „Halt die Fresse“, skandierte die „in Hör- und Sichtweite“ aufgestellte Antifa, ohnmächtig registrierend, dass Festerling mehr als der versprochene „würdige Rahmen“ gelungen war.

Letzte Änderung am Dienstag, 17 Mai 2016 23:47
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