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Bizarrer Auftritt im Dresdner OB-Wahlkampf

Tatjana Festerling (PEGIDA) besucht Schwulenbar

Montag, 18 Mai 2015 15:14
Festerlings Facebook-Seite Festerlings Facebook-Seite Quelle: www.facebook.com/tatjana.festerling

Dresden – Bislang fiel die von PEGIDA nominierte Kandidatin Tatjana Festerling im Dresdner Oberbürgermeisterwahlkampf weder durch Plakate noch durch Inhalte sonderlich auf. Dafür setzt die gebürtige Hamburgerin nun offenbar auf Effekthascherei – und das in einem Umfeld, das nicht als besonders PEGIDA-affin bekannt ist. Festerling besuchte am vergangenen Freitag die Schwulen-Bar „Boys“ auf der Alaunstraße in der Neustadt, um sich mit ihrem Mitbewerber Lars Stosch beim Schnapstrinken ablichten zu lassen. Der Kandidat der Spaßtruppe „Die PARTEI“ legt dort als Travestiefigur „Lara Liqueur“ Platten auf.

Gegenüber der Dresdner Lokalausgabe der „Bild“ erklärte die als Rechtsauslegerin bekannte Ex-AfD-Politikerin zu ihrem Schwulenbar-Besuch: „Ich habe jedem angeboten, mich mit ihm auf einem Schnaps zusammen zu setzen und zu unterhalten. Es ist für mich als OB-Kandidatin wichtig, ich möchte wissen, was die Menschen bewegt.“ Und bei Facebook postete sie: „Für Verständigung, gegenseitiges Interesse, Respekt, das miteinander Sprechen und gegen Spaltung: Likör trinken mit der bezaubernden Lara Liqueur!“

Weniger begeistert von dem Travestie-Spitzenkandidaten zeigte sich unterdessen der bisherige Dresdner Kreisvorsitzende der „PARTEI“, Karl Uhlmann, der fast zeitgleich mit Festerlings Besuch in „Lara Liqueurs“ Stammkneipe seinen Rücktritt erklärte. „Ich hatte geglaubt, dass ‚Die PARTEI‘ hinter der Satire für eine bessere Welt und ein besseres Dresden steht. Meine werten Genossen wollten unbedingt die ‚lustige‘ Kandidatin Lara Liqueur aufstellen. Sie wollen lieber den schnellen Spaß, als Verantwortung zu übernehmen“, so Uhlmann laut MOPO. „Minderheiten repräsentieren und schrill aussehen ersetzt bitte schön keine Kompetenz und Haltung. Das ist hohl.“

Erst vor wenigen Wochen sprach Tatjana Festerling auf einer Kundgebung von PEGIDA noch vom „Terror der schwulen, lesbischen, queeren sexuellen Minderheit“. Vielfach wurde dies als Hetze gegen Homosexuelle gedeutet, auch wenn sie damit wohl eher – wie Akif Akif Pirinçci – auf die überproportionale Präsenz von Schwulen und Lesben in den Medien oder das Anspruchsdenken der politischen Regenbogen-Lobby anspielte. Nun buhlt sie um die Stimmen jener „schwulen, lesbischen, queeren sexuellen Minderheit“. Ob das bei den Adressaten auf Gegenliebe stößt, darf angezweifelt werden. Und mindestens genauso fraglich ist. ob ihr Auftritt im „Boys“ bei der angepeilten Kernwählerschaft von PEGIDA gut ankommt.

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