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Ortsbeirat Prohlis gegen Umgestaltung des Gedenksteins in Nickern

Tabubruch in Dresden: CDU, FDP und Freie Bürger stimmen mit AfD und NPD gegen Mahnmal-Antrag

Freitag, 26 August 2016 19:20
Stein des Anstoßes: Gedenkobelisk in Dresden-Nickern Stein des Anstoßes: Gedenkobelisk in Dresden-Nickern

Dresden – Im Rahmen der letzten Sitzung des Ortsbeirates Prohlis ist es bei der Abstimmung zur Umgestaltung des Gedenkobelisken in Dresden-Nickern zu einer handfesten Überraschung gekommen. Eingebracht wurde ein Antrag von Linken, Grünen und SPD, der vorsieht, die Inschrift des Mahnmals zum Gedenken an die zivilen Opfer der Bombardierung Dresdens vom 13. Februar 1945 am Dorfplatz in Nickern zu ändern. Die – aus DDR-Zeiten stammende – Inschrift lautet: „Wir gedenken der Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors.“

Wie der Kreisvorsitzende der Dresdner Grünen, Michael Schmelich dazu erklärte, sei dies „Nazi-Terminologie, die leider auch aus propagandistischen Gründen in der DDR hoffähig war“. Bei einer Beibehaltung der Inschrift würde die sächsische Landeshauptstadt weiter „knietief im braunen Opfermythos“ waten. Der Obelisk wurde bereits 1920 zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges aufgestellt, nach 1945 wurde die Inschrift ergänzt.

Im Prohliser Ortsbeirat wurde der Umgestaltungsantrag von Rot-Rot-Grün denkbar knapp mit 7 zu 8 Stimmen abgelehnt. Brisant dabei ist vor allem, wie die Mehrheit zustande kam: Alle sieben Vertreter von Linken, SPD und Grünen stimmten dafür, drei Ortsbeiräte der Union enthielten sich, drei Vertreter der CDU sowie die Vertreter von FDP und Freien Bürgern stimmten mit den beiden AfD-Ortsbeiräten und dem NPD-Vertreter dagegen. Letzterer hatte sich noch während der Sitzung besonders vehement gegen die Umgestaltung gewandt, seine Partei verteilte im Vorfeld sogar vierseitige Farbflugblätter im Postkartenformat für die Beibehaltung der Inschrift.

In den sozialen Medien brach nach der Abstimmung ein regelrechter Shitstorm über die bürgerlichen Vertreter im Ortsbeirat Prohlis herein. Bisher galt die Mehrheitsfindung mit AfD und insbesondere der NPD als ein absolutes Tabu. Entsprechend groß war die Feierstimmung bei den Rechten, die in ihrer Übertreibung der Panikmache von links in nichts nachstand. Die Entscheidungen in den Ortsbeiräten haben nämlich nur empfehlenden Charakter. Im Dresdner Stadtrat, wo demnächst über die Umbenennung des Gedenkobelisken abgestimmt wird, haben die Befürworter von Linken, SPD, Grünen und Piraten eine satte Mehrheit.

Letzte Änderung am Samstag, 27 August 2016 15:55
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