Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Regional

Jörg Jeromin schlägt AfD-Kandidat Olaf Hentschel

Strehla bekommt einen Bürgermeister der Freien Wähler

Montag, 29 Juni 2015 23:49
Strehla bekommt einen Bürgermeister der Freien Wähler Quelle: de.wikipedia.de

Strehla - Im zweiten Wahlgang der Bürgermeisterwahl in Strehla konnte sich am Sonntag Jörg Jeromin von den Freien Wählern mit 86,7 Prozent souverän gegen seinen Kontrahenten Olaf Hentschel von der AfD durchsetzen, auf den 13,3 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen. Jeromin konnte bereits im ersten Wahlgang mit 48,9 Prozent die meisten Stimmen vereinigen und Amtsinhaber Harry Güldner (CDU), der nur auf 33,7 Prozent kam, mit deutlichem Abstand hinter sich lassen. Güldner trat ebenso wie LINKEN-Kandidat Tobias Dietrich (7,4%) im zweiten Wahlgang nicht mehr an. AfD-Mann Hentschel konnte sein Ergebnis in der zweiten Runde noch einmal deutlich verbessern. Er erhielt im ersten Wahlgang 10,0 Prozent.

Eventuell wäre für Hentschel noch mehr drin gewesen – hätte die „Sächsische Zeitung“ ihn nicht pünktlich zum zweiten Wahlgang demontiert. Einen Tag vor dem Urnengang machte das Blatt nämlich öffentlich, dass sich der 52-jährige Ex-Polizist, der nun ein Sicherheitsgewerbe betreibt, nicht nur in Privatinsolvenz befindet und verschiedenen Privatpersonen und Firmen insgesamt eine Summe von über 96.000 Euro schulden soll, sondern sich auch mit Ermittlungen wegen Betrugs konfrontiert sieht. Hierbei soll es ebenfalls um angeblich nicht bezahlte Schulden gehen, was Hentschel allerdings bestreitet. Im Interview mit der SACHSEN DEPESCHE hatte der AfD-Kandidat vor dem ersten Wahlgang einen sorgsameren Umgang mit öffentlichen Geldern angemahnt (siehe: http://www.sachsen-depesche.de/regional/olaf-hentschel-afd-%E2%80%9Eein-sparsamer-umgang-mit-steuergeldern-ist-oberstes-gebot%E2%80%9C.html).

Während Hentschel gar nicht erst zur Ergebnisverkündigung im Strehlaer Rathaus erschien, ließ sich Wahlsieger Jeromin freudestrahlend in legerem T-Shirt mit Blumenstrauß ablichten, was offenbar besonders bürgernah wirken sollte. Wie ernst es der neue Bürgermeister der Nixenstadt mit Transparenz und Bürgernähe wirklich meint, lässt sich möglicherweise an seinem Verhalten gegenüber der SACHSEN DEPESCHE ablesen. Für unsere Reihe mit Kandidaten-Interviews zur Bürgermeisterwahl in Strehla hatten wir selbstverständlich auch bei Jeromin angefragt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir unser Angebot als Service für die Strehlaer Bürger verstehen, damit diese sich ein unzensiertes und umfassendes Bild von den Vorstellungen der Bewerber machen können. Jeromin reagierte erst auf Nachfrage unseres Chefredakteurs Enno-Martin Cramer auf den Interview-Wunsch. In einem Telefonat sicherte er der SACHSEN DEPESCHE dann zu, die Fragen zeitnah zu beantworten. In einer E-Mail bat er schließlich noch einmal um Zeitaufschub. Am Ende kam jedoch von Jeromin nichts. Auf eine weitere Nachfrage von Enno-Martin Cramer reagierte er nicht mehr.

Möglicherweise wird die Freude von Jeromin über die gewonnene Wahl nicht lange andauern. Mit Peter Schreiber (NPD) gab es ursprünglich einen fünften Amtsanwärter, dem allerdings der Antritt vom Gemeindewahlausschuss wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue und mit Verweis auf seine Multifunktionärstätigkeit für die rechte Partei verwehrt wurde. Gegen die Entscheidung legte Schreiber erfolglos Widerspruch bei der Rechtsaufsicht des Landratsamtes ein und hat inzwischen über seinen Anwalt, den in der rechten Szene bekannten Düsseldorfer Juristen Björn Clemens, Klage beim Dresdner Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung des Wahlausschusses eingereicht.

Selbst die Meißner Lokalausgabe der „Sächsischen Zeitung“ kam deshalb zu dem Schluss, dass die Wahl in Strehla damit „unter einem gewissen Vorbehalt“ stehe. „Sollte das Gericht zugunsten Schreibers entscheiden, könnte es Neuwahlen geben“, so die SZ. Und selbst wenn das Verwaltungsgericht Dresden zuungunsten des NPD-Mannes entscheiden sollte, dürfte die Sache durch weitere Instanzen gehen. Schreiber hatte bereits angekündigt, notfalls bis zum Leipziger Verfassungsgerichtshof zu gehen. Die NPD misst dem Rechtsstreit offenbar eine hohe Relevanz bei und unterstützt das Anliegen ihres Strehlaer Gemeindevertreters. Schließlich gab es auch schon in anderen Bundesländern entsprechende Ausschlüsse von Bürgermeister- oder Landratswahlen, die allerdings nie vollständig ausgeklagt wurden. Die Entscheidung in Sachen Peter Schreiber könnte somit auf künftige NPD-Antritte im gesamten Bundesgebiet Auswirkungen haben.

Artikel bewerten
(6 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten