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Kunst oder Porno?

Strafanzeige droht: Nackte Frauen spazierten über das Dresdner Stadtfest

Mittwoch, 24 August 2016 18:02
Nackt-Aktion am 20.08.2016 in Prag. Ähnlich spielte es sich auch in Dresden ab Nackt-Aktion am 20.08.2016 in Prag. Ähnlich spielte es sich auch in Dresden ab Quelle: bambuser.com (Screenshot)

Dresden – Viele Besucher des Dresdner Stadtfestes trauten ihren Augen nicht, als ihnen auf einmal splitterfasernackte Frauen entgegenkamen. Die unbekleideten Damen stolzierten am letzten Wochenende auf der Spoerergasse, am Taschenbergpalais, vor dem Zwinger, am Postplatz und sogar vor der Frauenkirche zwischen Passanten umher, zwinkerten neugierig guckenden Männern zu, lehnten sich lasziv an Verkehrsschilder und liefen ungehemmt an Familien mit Kindern vorbei.

Angeblich handelte es sich dabei um ein „Kunstprojekt“. So zumindest der Begleiter, der die frivolen Szenen mit seiner Kamera festhielt. Also in etwa sowas, wie man es von der Schweizer Performancekünstlerin Milo Moiré kennt, die, angeblich inspiriert von der französischen Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir, gerne mal Nackt-Selfies mit Passanten macht oder – ihre wohl berüchtigtste Aktion – mit Farbe gefüllte Eier aus ihrem Körper auf den Boden „ploppen“ lässt?

Wohl eher nicht, denn die Aufnahmen mit den Nackten aus Dresden tauchten kurze Zeit später auf speziellen Pornoseiten und Sharingplattformen im Internet auf, die sich an Voyeure richten. „Public Nudity“ nennt man dieses Genre in solchen Kreisen. Unter dem Stichwort „Nip Activity“ findet man im Netz zahlreiche Aufnahmen von nackten Frauen, die durch verschiedene europäische Städte spazieren, darunter Prag, Barcelona, Wien und auch Leipzig.

Die Clips aus Dresden sind inzwischen von den Pornoseiten verschwunden, denn in ihnen waren auch die staunenden Besucher des Stadtfestes unverpixelt zu sehen. Außerdem hätten die vermeintlichen „Künstler“ eine Drehgenehmigung einholen müssen. Auf der Brühlschen Terrasse, wo sich die nackten Mädels ebenfalls tummelten, kostet ein Drehtag 500 bis 1000 Euro.

Der zuständige Verband Schlösserland Sachsen prüft nun rechtliche Schritte gegen die Frauen und den Kameramann, der das nackte Treiben filmte. Das könnte allerdings schwierig werden, denn offenbar handelt es sich bei den Damen, die hüllenlos durch die Landeshauptstadt stolzierten, um Low-Budget-Pornodarstellerinnen aus dem osteuropäischen Raum, möglicherweise aus Tschechien, die man erstmal identifizieren müsste.

Den Nacktspaziergängerinnen droht im schlimmsten Fall eine Anzeige wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“. Das Dresdner Ordnungsamt kann zudem wegen „Belästigung der Allgemeinheit“ Geldbußen bis zu 1000 Euro verhängen. Vielleicht sollten die Damen ihre „Kunst“ künftig lieber in anderen Städten aufführen.

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