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Michael Schmelich (Grüne): „Wallfahrtsort für Geschichtsrevisionisten“

Stadtrat beschließt Umgestaltung des Gedenksteins in Dresden-Nickern

Montag, 07 November 2016 19:14
Stein des Anstoßes: Gedenkobelisk in Dresden-Nickern Stein des Anstoßes: Gedenkobelisk in Dresden-Nickern

Dresden – Der Dresdner Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung mit 35 Ja- bei 28 Nein-Stimmen einen Antrag der rot-rot-grünen Mehrheitsfraktionen zur Umgestaltung des Gedenkobelisken im Ortsteil Nickern angenommen. Linke, Grüne und SPD stören sich vor allem an der – aus DDR-Zeiten stammenden – Inschrift: „Wir gedenken der Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors.“

Für den Kreisvorsitzenden der Dresdner Grünen, Michael Schmelich, ist dies „Nazi-Terminologie, die leider auch aus propagandistischen Gründen in der DDR hoffähig war“. Schmelich erklärte schon vor einigen Monaten, dass die sächsische Landeshauptstadt bei einer Beibehaltung der Inschrift weiter „knietief im braunen Opfermythos“ waten würde. Das Denkmal sei außerdem „kein Ort würdigen Gedenkens, sondern ein Wallfahrtsort für Geschichtsrevisionisten“, fügte er nun hinzu.

Der Obelisk, an dem sich schon seit einigen Jahren Anhänger rechter Gruppen zu Kranzniederlegungen für die zivilen Opfer der Bombardierung Dresdens vom 13./14. Februar 1945 treffen, wurde bereits 1920 zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges aufgestellt. Nach 1945 wurde die Inschrift ergänzt.

Vor allem die AfD und die NPD, aber auch Teile der CDU und anderer Parteien, hatten sich gegen eine Umgestaltung des historischen Gedenksteins ausgesprochen. Der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Dresdner Stadtrat, Gordon Engler, meldete grundsätzliche Bedenken an: Weder eine Umgestaltung noch eine Ergänzung durch ein „pädagogisches Schild“ seien mit dem Denkmalschutz vereinbar. Den linken Fraktionen gehe es um eine „politisch motivierte Anpassung des Denkmals an den grün-roten Zeitgeist“, kritisierte Engler.

Der Dresdner Stadtrat und NPD-Landesvorsitzende Jens Baur hatte erklärt, „dass wir uns auch durch linke Bilderstürmerei das Erinnern und Gedenken an die Opfer des alliierten Bombenterrors vom 13. bis 15. Februar 1945 nicht nehmen lassen“. Seiner Ansicht nach sei die geplante Umgestaltung des Gedenksteins in Nickern eine „Schande“.

Laut DNN soll nun die Arbeitsgruppe 13. Februar in Zusammenarbeit mit fachkundigen Bürgern Vorschläge erarbeiten, „die an dem Obelisken auf dem Nickerner Dorfplatz sowohl ein Gedenken an die Opfer der Bombenangriffe 1945 als auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Ursachen von Krieg und Vernichtung ermöglichen“.

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