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Nudisten am Niederen Waldteich fürchten Belästigung durch Migranten

Radeburg: FKK-Freunde wehren sich gegen Asylbewerberunterkunft

Donnerstag, 02 Juni 2016 14:15
Auch in Sachsen hat FKK eine lange Tradition Auch in Sachsen hat FKK eine lange Tradition Quelle: de.wikipedia.org | unterbacher | CC BY 2.0

Radeburg – Eine Asylbewerberunterkunft, die der Landkreis Meißen für 1,53 Millionen Euro am Niederen Waldteich in der Nähe von Radeburg für 112 Migranten errichten will, sorgt für Verärgerung bei einem benachbarten Nudisten-Camp. „Seit 1905 pflegen unsere über 400 Mitglieder als traditionelle Lebensart die Nacktkultur“, so die Schatzmeisterin des ansässigen Familiensport- und FKK-Bundes Waldteichfreunde Moritzburg e.V., Petra Hoffmann, gegenüber der „Bild“-Zeitung. „Ich weiß nicht, ob es klug ist, gerade hier das Asylheim einzurichten.“ Konflikte „durch unterschiedliche ethnische Lebenseinstellungen“ seien geradezu vorprogrammiert, befürchtet die 70-jährige Nudistin.

Auch andere FKK-Freunde sind in Sorge. „Bild“ zitiert eine 32-jährige Nackt-Camperin namens Lysann mit den Worten: „Wenn das ein Abschiebelager für junge Männer wird, wie man erzählt, werde ich nachts nicht mehr allein im Wohnwagen bleiben.“ Selbst Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter hat Verständnis für die Empörung der Nudisten, sieht sich aber außerstande, das Asylheim zu verhindern. „Wir kennen die Bedenken und Probleme. Doch uns sind die Hände gebunden. Unser Stadtrat musste grünes Licht geben, weil der Brandschutz gewährleistet ist“, so die parteilose Rathauschefin.

Das Landratsamt sieht hingegen keine Probleme und verweist auf die Bedarfslage. Selbst einen Sichtschutz, den die Nudisten gefordert hatten, lehnte man in Meißen ab. Warum die Asylbewerber ausgerechnet an einem in der Region beliebten Badesee mit FKK-Bereich untergebracht werden sollen, ist nicht nur den Badegästen, sondern auch vielen Bürgern in Radeburg ein Rätsel. Gegenüber der SACHSEN DEPESCHE drückte ein Anwohner sein Unverständnis mit den Worten aus: „Man hat genügend Möglichkeiten, im Landkreis ein Asylantenheim zu errichten. Dass man als Standort einen Platz in Sichtweite zu einem FKK-Camp auswählt, zeugt entweder von politischer Dummheit oder ist eine bewusste Provokation.“

Dass die Sorgen der FKK-Freunde nicht unbegründet sind, zeigt ein Vorfall aus dem letzten Jahr im Ostseebad Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern). Dort fotografierten Asylbewerber nackte Badegäste ohne deren Zustimmung, was in der regionalen Presse hohe Wellen schlug. Im hohen Norden ist man daher für das heikle Thema mehr sensibilisiert als in Sachsen. Der Chef des Landestourismusverbandes von Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Fischer, kündigte regelmäßige Patrouillen von Rettungsschwimmern in den Dünen an, um mögliche Gaffer ausfindig zu machen und vom Strand zu verweisen. Vorkommnisse wie in diversen Hallenbädern oder zu Silvester in Köln seien „Achtungssignale, über die man nachdenken muss“, so Fischer.

Warum man im Landkreis Meißen nicht über den Tellerrand guckt und die Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern in die Planungen einbezieht, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen. Doch auch im Norden wirken manche Maßnahmen, die die Badegäste in diesem Sommer vor den Zudringlichkeiten von Migranten schützen sollen, eher hilflos. So will der Tourismusverband zusammen mit dem Sozialministerium eine Aufklärungskampagne starten, bei der Broschüren in verschiedenen Sprachen, unter anderem auf Arabisch und Englisch, verteilt werden sollen, die über FKK-Verhaltensregeln aufklären. Ähnliche Methoden waren in den letzten Monaten allerdings schon nach den Übergriffen in diversen Hallenbädern wenig erfolgreich.

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