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Weihnachtsspektakel mit PEGIDA und Dresden.Respekt

Politisch Lied… garstig Lied?

Donnerstag, 22 Dezember 2016 19:15
Weihnachtssingen bei PEGIDA am 18.12.2016 auf dem Dresdner Theaterplatz Weihnachtssingen bei PEGIDA am 18.12.2016 auf dem Dresdner Theaterplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Goethe hätte sich bestätigt gesehen, am vierten Advent im Dresdner Stadtzentrum. Sein geflügeltes Wort jedenfalls passte für die wohl schaurigste Weihnachtsinszenierung, die die Landeshauptstädter jemals über sich ergehen lassen mussten. Bei PEGIDA auf dem Theaterplatz waren es noch einige Tausend „Wutbürger“, die zum dritten „Großen Dresdner Weihnachtsliedersingen“ gekommen waren. Verständlich, dass die Asylkritiker das weihnachtliche Liedgut als trotziges Bekenntnis zur überlieferten christlichen Tradition verstehen wollen. Doch eingeklemmt zwischen den Tiraden Michael Stürzenbergers und Jürgen Elsässers nahm sich „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ eher grotesk aus. Vielleicht rächt sich so, dass die Pegidianer von Anbeginn auf jede Spiritualität verzichtet haben. Als rein defensive Bewegung eines platten Säkularismus haben sie dem ausgreifenden Islam – außer phrasenhaft beschworenen „Werten“ – wenig entgegenzusetzen.

Nicht viel besser, die Truppe des Medizinprofessors Ehninger, „Dresden.Respekt“. Erst Ende November mit großem Brimborium gegründet, vereint das Anti-Pegida-Bündnis die geballte Prominenz der Etablierten: Parteien, Staats- und Stadtregierung, Kirchen, Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter. Deren erste, nicht eben originelle Veranstaltung: Ein „Adventssingen“ gleich nebenan im Zwinger, zu dem man – trotz großem Aufgebot mit Wissenschaftsministerin Stange, Staatsministerin Kurth, OB Hilbert, Superintendent Behr, einem Chor der Dresdner Waldorfschule, Gunther Emmerlich und dem unvermeidlichen Sebastian Krumbiegel – gerade mal 1000 Gäste zusammenbringt. Auch hier gab man vor, den „Geist von Weihnachten zu feiern“ (Kurth). Mit multikulturellem Agitprop? Und wer kommt eigentlich für derlei Selbstdarstellungen auf? 

Einen Steinwurf davon, „Herz statt Hetze“ auf dem Schlossplatz. Laut eigenem Bekunden ein „Organisationskreis aus Einzelpersonen“, die nichts weniger als „Veranstaltungen für Menschlichkeit und Demokratie und gegen Rassismus, völkischen Nationalismus und Pegida“ organisieren. Ganz großes Theater, mehrere Bands und sogar ein Chor ehemaliger Kruzianer auf der Bühne. Ein Cornelius Brandmiller spricht über „Weihnachten als Fest der Teilhabe“. Bis zu 350 Menschen sollen dagewesen sein. 

Was soll das alles? Weihnachten, das wichtigste Fest der Christen, sollte uns mehr sein, als eine politische Propagandashow. Es ist eine Tragödie, dass gerade die christlichen Amtskirchen dies aus Opportunismus nicht deutlicher zu akzentuieren wagen. Da werden sich die Gläubigen schon selbst helfen müssen, zusammen mit allen Bürgern guten Willens, denen das weihnachtliche Brauchtum mehr ist als bloße Kulisse für hemmungslosen Konsum und zeitgeistige Instrumentalisierung.

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