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„Ratlosigkeit und Ohnmacht“ am Dresdner Hauptbahnhof

PEGIDA nach dem Bruch mit Tatjana Festerling

Donnerstag, 23 Juni 2016 20:22
PEGIDA und Gegner am 20.06.2016 auf der Prager Straße in Dresden PEGIDA und Gegner am 20.06.2016 auf der Prager Straße in Dresden Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Die Aufregung war Lutz Bachmann anzumerken. Doch nach der medialen Schlammschlacht der vergangenen Tage, die sich der PEGIDA-Gründer mit Tatjana Festerling, der bisherigen Frontfrau der Bürgerbewegung, geliefert hatte, war eine Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen unumgänglich. Die erfolgte am Montag dann auf Bachmann‘sche Art, in Form einer mit unterdrückter Wut hervorgestoßenen Aufzählung von Vereinsausgaben, was nichts beweisen konnte und eher neue Abgründe aufzeigte.

Der sich anschließende Wutausbruch offenbarte einmal mehr die von Anbeginn kritisierte Rabaukenhaftigkeit Bachmanns, welche dem selbstgestellten politischen Anspruch einfach nicht entsprechen will. Auch die, per Akklamation eingeforderte, Vertrauenserklärung durch die Anhängerschaft konnte daran wenig ändern, wobei der Vorsitzende trickreich das gesamte Orga-Team zur Disposition stellte und eine Entscheidung allein zur eigenen Person vermied. Fragen bleiben: Wovon lebt der Mann eigentlich? Gibt es keine saubere Kassenführung im PEGIDA-Verein? Warum kann man nicht einfach ein paar Dokumente auf die Facebook-Seite stellen, um den ungeheuerlichen Verdächtigungen zu begegnen?

Dann kamen noch „Dieter“ und Engelbert Merz als Redner auf die Bühne, nach dem Umzug  sollte „Fridolin“ folgen. Gewiss sind deren Anliegen plausibel, ist ihre Empörung authentisch, eint Redner und Publikum noch immer eine urdemokratische  Sehnsucht nach Mitbestimmung und politischer Teilhabe. Gleichwohl ist diese, zum patriotischen Kummerkasten heruntergekommene Veranstaltungsform nichts weniger als politisch, sind die Zeiten vorbei, als die Pegidianer noch die Republik erschütterten, und Freund wie Feind allmontäglich auf eine kleine Dresdner Bühne starrten.

Die einzige Persönlichkeit von Rang, die PEGIDA hervorgebracht hat, Tatjana Festerling, ist von Bord des „Dresdner Mutterschiffs“ (T.F.) gegangen, unwiderruflich. Und vielleicht ist nach 20 Monaten PEGIDA nunmehr der tote Punkt erreicht, der oft schon voreilig  herbeigeredet wurde. Genau kann man es auch jetzt nicht wissen. Dem entsprechend beschloss ein nachdenkliches Fazit von Siegfried Däbritz den Abend, der „Ratlosigkeit und Ohnmacht“ bekannte – um der abziehenden Menge zuletzt noch ein trotziges  „Weitermachen!“ mit auf den Heimweg zu geben.

Letzte Änderung am Donnerstag, 23 Juni 2016 20:29
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