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Dresden absurd

PEGIDA am Reformationstag auf dem Postplatz

Freitag, 04 November 2016 21:00
PEGIDA-Anhänger am 31.10.2016 in der Dresdner Innenstadt PEGIDA-Anhänger am 31.10.2016 in der Dresdner Innenstadt Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Gesetzt den Fall, Donald Trump wird am 8. November, kommenden Dienstag zum 58. Präsidenten der USA gewählt, würde dann Lutz Bachmann am darauffolgenden Montag auch allen Ernstes seinen Anhängern zurufen: „PEGIDA wirkt“? Zuzutrauen wäre es ihm. Am Tag von Luthers Thesenanschlag in Wittenberg hat der Gründer von PEGIDA mit großer Attitüde ausgeholt, um der auf dem Dresdner Postplatz erschienenen Gefolgschaft sein Weltbild zu erklären.

Alles läuft nach Plan: Der Niedergang der „Bild“-Zeitung und der allgegenwärtige Putin. Trump sei zwar nicht der „Bilderbuchpräsident“, habe aber immerhin sehr gute Beziehungen zu „Wlady“. Und eine neue Ankündigung: Wer die Abos bei der der „Lügenpresse“ kündige, bekäme ein PEGIDA-Anti-Lügenpresse-Shirt. Schließlich: „PEGIDA und die AfD treiben sozusagen die etablierten Parteien vor sich her, wie die Sau durchs Dorf.“ Manchen Leuten gefällt das.

Auch in der Dresdner Stadtverwaltung scheint man im verbalen Schlagabtausch mit den unliebsamen Demonstranten jedes Maß verloren zu haben. So behauptete OB Dirk Hilbert (FDP) unlängst bei einer Kundgebung auf dem Neumarkt, die Pegidianer seien Gegner der Demokratie, ja des Staates. Die Bachmann-Truppe mag manche Gegnerschaft bekunden, gerade zur Demokratie hat sie sich vehement bekannt. Wer das Gegenteil behauptet, ignoriert zwei Jahre gewaltfreien Montagsprotest, ruft nach einem politischen Staat und stellt selbst demokratische Grundrechte infrage. Doch auch Hilbert ist ein Getriebener. Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) setzt ihm zu, in Sachen PEGIDA „endlich zu handeln“. Verständlich, im vergangenen Jahr war Frau Stange als OB-Kandidatin für Dresden gescheitert, woran auch die PEGIDA ihren Anteil reklamieren kann.

In diesen Tagen feiert die „Undogmatische Radikale Antifa Dresden“ ihr fünfjähriges Bestehen. Am Postplatz waren die jungen Leute in gewohntem Mummenschanz präsent. Ob sich die „AktivistInnen“ nicht manchmal selbst fragen, was ihre bizarren Montagsauftritte überhaupt bezwecken? Und vor wem glauben sie sich dabei eigentlich „schützen“ zu müssen? Vor den Familienvätern und Rentnern, denen man im Anschluss an die Demonstrationen auch mal Autos abfackelt oder Scheiben einwirft? Vor dem Staat, der seinen vorgeblich radikalen Gegnern ein passables Auskommen sichert? Oder den „Nazis“, die immer wieder neu erfunden werden müssen, damit der Popanz weiter funktioniert? Seit dem Herbst 2014 sind durch winzige Gruppen linksradikaler Sektierer Schäden provoziert worden, die in die Millionen gehen dürften. Wie lange noch muss die Polizei wöchentlich Großeinsätze fahren, allein um in Dresden friedliche Demonstranten vor einer Handvoll gewaltbereiter Chaoten zu schützen?

Die Nerven liegen blank, die Situation ist verfahren. Hinzu kommen die Haudraufs aus der Bundespolitik, die keine Gelegenheit auslassen, die widerspenstigen Sachsen abzuwatschen. Nicht minder konfliktgeladen sind die in führende Positionen gelangten Westdeutschen, denen es hier noch nicht „bunt“ genug ist, die den Umbau ihrer neuen Heimat hin zu „Weltoffenheit und Multikultur“ sozusagen auf eigene Faust betreiben. Es scheint, als hätten sich die Protagonisten aller politischen Lager verschworen, dieses schöne Land in immer neue Abgründe zu stürzen. Ein Ende der absurden Szenarien ist nicht in Sicht, das Gezerre geht weiter. Spätestens kommenden Montag.

Letzte Änderung am Samstag, 05 November 2016 15:21
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