Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Regional

PEGIDA auf dem Dresdner Altmarkt

Parole Schulterschluss

Sonntag, 11 Juni 2017 16:22
Blasmusik aus St. Petersburg bei PEGIDA am 5. Juni 2017 Blasmusik aus St. Petersburg bei PEGIDA am 5. Juni 2017 Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 113. Kundgebung der PEGIDA am Pfingstmontag auf dem Dresdner Altmarkt. Lediglich vom obligatorischen „Spaziergang“ unterbrochen, arbeiten sich Wolfgang Taufkirch, Lutz Bachmann, Siegfried Däbritz und Michael Stürzenberger am islamistischen Terror ab, der erst zwei Tage zuvor sieben unschuldige Opfer gefordert hatte. Der Eindruck ist noch frisch, die Wut groß.

Als eine Schweigeminute für die in London Ermordeten von der Antifa gestört wird, skandieren die Pegidianer trotzig: „Nazis raus!“ Unmittelbar danach die AfD-Kundgebung, formal getrennt und doch vor gleichem Publikum am gleichen Ort. Es ist die zweite gemeinsame Veranstaltung nach dem „Schulterschluss“ vom 22. Mai 2017 (https://www.sachsen-depesche.de/regional/die-basis-der-afd.html).

Im kleinen Sprecherwagen des Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge steht AfD-Direktkandidat Jens Maier. Der „Richter der Herzen“ wirkt seltsam unentschlossen, seine Rede wehleidig. Keinen einzigen Artikel der „Mainstreamjournaille“ habe er in eigener Sache gesehen, bei dem die Grundfärbung nicht „negativ“ gewesen wäre. Oliver Welke habe ihn im ZDF als „ultrarechten Richter aus Dresden“ bezeichnet. Immer wieder geht es auch um parteiinterne Querelen, fallen dunkle Andeutungen in Richtung AfD-Parteivorstand.

Dieser Tendenz folgt erwartungsgemäß auch der Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider aus Sachsen-Anhalt, der unter dem Jubel des Publikums mit grünen, roten und AfD-„Realos“ abrechnet. Tatsächlich werden die Medien wenig später berichten, dass die AfD einen Sonderparteitag wegen „rechtlicher Bedenken“ absagt, für den Teile der Basis einen Abwahlantrag der Bundessprecherin und sächsischen Parteivorsitzenden Frauke Petry angekündigt hatten. 15 Wochen vor einer Schicksalswahl.

Bei PEGIDA darf man sich des Beifalls sicher sein, doch wird über die Zusammensetzung des neuen Bundestages nicht auf dem Dresdner Altmarkt entschieden. Ein bürgerliches Publikum scheint weiter unerreichbar, manch früherer AfD-Sympathisant liebäugelt inzwischen mit der FDP. Der bejubelte „Schulterschluss“ beschert der AfD-Parteispitze eine Konstellation, die einen Wahlkampf des sächsischen Landesvorstandes unter Petry in Dresden schwierig machen dürfte. Für die AfD-SOE mag das Bad in der Menge der PEGIDA verlockend sein, politisch klug ist es sicher nicht.

Artikel bewerten
(11 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten