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Sachsen ist Puzzleteil des „100-Moscheen-Plans“

Nach Leipzig: Muslimische Ahmadiyya-Gemeinde plant weitere Moschee in Chemnitz

Donnerstag, 14 April 2016 16:49

Chemnitz – Die Ahmadiyya-Gemeinde will nach dem positiv beschiedenen Moscheebauprojekt in Leipzig-Gohlis ein weiteres muslimisches Gotteshaus in Sachsen errichten. Noch bevor der erste Spatenstich in Leipzig erfolgt ist, hat die umstrittene Glaubensgemeinschaft einen Bauvorantrag für eine Moschee mit Kuppel und Minarett in Chemnitz gestellt. Wie der Vorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde in Sachsen, Rashid Nawaz, mitteilte, habe man inzwischen weitere von der Stadt geforderte Unterlagen nachgereicht. Nun warte man auf Antwort. Die Moschee soll auf einem Grundstück in Nähe des Chemnitzer Stadtzentrums entstehen.

Laut Nawaz gehören der Ahmadiyya-Gemeinde in Chemnitz etwa 40 Mitglieder an. „Zur Zeit beten wir freitags in einer Wohnung“, klagte der Muslim-Chef gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“. Bei größeren Veranstaltungen weiche man auf einen Saal in einer Jugendeinrichtung aus. Durch die Genehmigung der Moschee in Leipzig-Gohlis verspüren die Ahmadis in Sachsen deutlichen Rückenwind. In der Messestadt soll der Grundstein im September dieses Jahres gelegt werden. Das islamische Gebetshaus wird auf einer Brache an der Georg-Schumann-/Ecke Bleichertstraße entstehen. Das Projekt sorgt seit 2013 für hitzige Debatten und auch Proteste.

Der Deutschland-Chef („Emir“) der Ahmadiyya-Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, ist ein früherer SDS-Aktivist und Kommunarde. Die Moschee-Projekte in Leipzig und Chemnitz sind Teil eines bereits 1989 ins Leben gerufenen „100-Moscheen-Plans“ der ursprünglich aus Pakistan stammenden „Ahmadiyya Muslim Jamaat“, die von anderen Strömungen des Islams nicht anerkannt wird. Der Plan sieht vor, mindestens einhundert neue Ahmadiyya-Moscheen in den kommenden Jahren in Deutschland zu errichten.

Sicherheitskreise warnen vor innermuslimischen Konflikten, wenn solche Bauten errichtet werden. In Leipzig gehören die Salafisten um den selbsternannten „Imam von Sachsen“, Hassan Dabbagh, zu den schärfsten Kontrahenten der „Ketzer“. Dabbagh bezeichnete die geplante Ahmadiyya-Moschee als „Platz von Schirk (Polytheismus) und Kufr (Unglauben)“. In einer Freitagspredigt erklärte er: „Die Ahmadiyya sind keine Muslime. Das ist Betrug, dass die sich Muslime nennen. Derjenige, der sagt, Ahmadiyya wären Muslime, ist selber kein Muslim.“

Politische Beobachter erwarten, dass sich auch in Chemnitz die Moscheebau-Gegner formieren werden. Juristisch gibt es allerdings kaum eine Handhabe gegen die Errichtung solcher Sakralbauten mit Kuppel und Minarett. In der Regel wird durch einen Bebauungsplan klar definiert, was in einem Gebiet gebaut werden darf und was nicht. Fehlt ein solcher, greift § 34 des Baugesetzbuches (BauGB), der besagt, dass gebaut werden darf, was sich nach „Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und das Ortsbild nicht beeinträchtigt“.

Eine solche Beeinträchtigung sehen Kritiker von Minarett-Moscheen zwar als gegeben an, 1996 wurde allerdings durch das Bayerische Verwaltungsgericht ein Urteil gesprochen, das auf Grundlage von §34 BauGB den Bau eines 20 Meter hohen Minaretts in Bobingen bei Augsburg genehmigte. Diesen Präzedenzfall machen sich auch die Ahmadis in Sachsen zunutze.

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