Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Regional

Martin Sellner („Identitäre Bewegung“) bei PEGIDA auf dem Dresdner Altmarkt

Metapolitische Piraten auf Kaperfahrt

Donnerstag, 30 März 2017 00:06
Anhänger von PEGIDA am 27. März 2017 auf dem Dresdner Altmarkt Anhänger von PEGIDA am 27. März 2017 auf dem Dresdner Altmarkt Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – „Martin, Martin!“, rufen die Pegidianer auf dem dicht gefüllten Altmarkt. Die freundliche Begrüßung gilt indes nicht Martin Schulz, dem neuen Hoffnungsträger der SPD, wohl aber dem jungen Martin Sellner (28) von der „Identitären Bewegung“ (IB) aus Österreich, den weniger sozialdemokratische Hoffnungen umtreiben. Sellner ist nicht das erste Mal Gastredner der PEGIDA und so etwas wie ein Publikumsliebling. Die Sachsen mögen Österreich, und die „Spaziergänger“ schätzen die Frische des Wiener Philosophiestudenten, dessen Gefolgsleute schon mehrfach in Robin-Hood-Manier für Überraschungen sorgten, so auch am 20. Februar 2017 mit einer Protestaktion an den umstrittenen Schrottbussen vor der Frauenkirche (www.sachsen-depesche.de/regional/%E2%80%9Eeure-politik-ist-schrott-%E2%80%9C.html).

Erst vor wenigen Tagen hatten identitäre Aktivisten, als Reaktion auf die antieuropäischen Drohungen Präsident Erdoğans, ein Banner an der Fassade der türkischen Botschaft in Wien montiert: „Erdoğan – Hol deine Türken ham!“. Man habe keine Macht, so Sellner, aber man sei „das Volk“ und habe „tausendmal mehr Recht“, in dessen Namen zu sprechen als Angela Merkel, für die „das deutsche Volk“ gar nicht existiere. Identität sei mehr als „ein Pass, Chromosomen, DNA oder Sprache“, sei ein „generationenübergreifendes Wir“. Ein „geistiger Knoten im Kopf“ verhindere den Stolz auf die eigene Identität, weshalb es an der nötigen Selbstachtung fehle. Sellner sehe die „Identitären“ als „eine Gruppe von metapolitischen patriotischen Piraten“, die auf einer Pirateninsel lebten, von der aus sie immer wieder zu Kaperfahrten in das „Meer aus politischer Korrektheit“ aufbrächen.

Zunächst aber brachen an die 4.000 Pegidianer zu ihrem „Spaziergang“ durch die Dresdner Innenstadt auf, gefolgt von der Ansprache Jürgen Elsässers, dem Herausgeber des Querfront-Magazins „Compact“. Elsässer versicherte, dass ihm ein Kaiser Wilhelm lieber sei als ein „Kanzler Schulz“, was die Wandlungsfähigkeit des gewesenen Kommunisten und Erfinders der „Antideutschen“ einmal mehr unter Beweis stellte. Anpassungsfähig zeigte sich auch die Studentengruppe „Durchgezählt“, die im Anschluss bockig verlauten ließ, fortan keine regelmäßigen Teilnehmerzahlen mehr veröffentlichen zu wollen. Für Insider könnte dies eine Erleichterung sein, da die von der Forschungsstelle veröffentlichten Werte nicht selten erst durch komplizierte arithmetische Umrechnungen wieder der Realität angenähert werden mussten.

Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten