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Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls

Leipziger Stadtrat Enrico Böhm (NPD) nach Auseinandersetzung mit Fahrradfahrer in Haft

Mittwoch, 05 August 2015 22:48
Der Leipziger Stadtrat Enrico Böhm (NPD) Der Leipziger Stadtrat Enrico Böhm (NPD) Quelle: Enrico Böhm

Leipzig – Der Leipziger NPD-Stadtrat Enrico Böhm sitzt seit vergangenem Sonntag in Untersuchungshaft. Dies meldete die „Leipziger Volkszeitung“ am Dienstag und berichtete dazu unter Berufung auf eine Polizeisprecherin, der 32-Jährige habe einen Radfahrer an der Kreuzung Sommerfelder / Zweinaundorfer Straße in Leipzig-Mölkau mit Fußtritten attackiert, nachdem er das Fahrrad mit seinem Auto beinahe von der Straße gedrängt und den Fahrer anschließend beschimpft habe. Die Polizei verhaftete Böhm am Abend vor seiner Wohnung, nachdem dieser von einer Demonstration in Grimma zurückgekommen war, und überstellte ihn in die Justizvollzugsanstalt. „Der Haftbefehl wurde aufgrund von Verdunklungsgefahr ausgestellt“, so Oberstaatsanwalt Gerald Weigel gegenüber der LVZ.

Ein Weggefährte des Leipziger NPD-Funktionärs stellte den Verlauf der offenbar nicht politisch motivierten Auseinandersetzung auf Nachfrage der SACHSEN DEPESCHE anders dar. Demnach habe nicht Böhm versucht, den Radfahrer von der Fahrbahn zu drängen, sondern sei von dem Fahrrad beim Herannahen an die Ampelkreuzung massiv behindert worden. Der Radfahrer soll sich daraufhin vor Böhms Pkw gestellt, ihn am Weiterfahren gehindert und auf die Motorhaube geschlagen haben. Böhm, der mit seiner Lebensgefährtin unterwegs war, sei daraufhin ausgestiegen, um den Radfahrer zur Rede zu stellen. Daraufhin habe der Radler dem Kommunalpolitiker unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Als Böhm sich dann zur Wehr gesetzt habe, sei dessen Lebensgefährtin aus dem Fahrzeug gestiegen, um den Radfahrer von ihrem Freund wegzuziehen. Dieser habe dann auch auf die junge Frau eingeschlagen und sie zu Boden gestoßen, so dass sie sich eine Jochbeinprellung und eine Prellung des rechten Arms zugezogen habe. Böhm selbst habe eine Platzwunde am Hinterkopf davongetragen.

In dem Fall wird es nun vor allem auf die Zeugenaussagen ankommen. Laut LVZ sollen Passanten bei der Auseinandersetzung eingeschritten und dem Radfahrer zu Hilfe gekommen sein. Böhm selbst will nach Aussage seines politischen Freundes Zeugen beibringen, die seine Version bestätigen können. Für den Vater dreier Kinder könnte aus auf jeden Fall eng werden. Laut LVZ soll Böhms Vorstrafenregister 13 Einträge aufweisen, zuletzt wurde er im April wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da sowohl die Staatsanwaltschaft als die Verteidigung Berufung eingelegt hatten. Im Leipziger Kommunalwahlkampf 2014 wurde Böhm mehrfach Zielscheibe vermutlich linksextremistischer Angriffe. Unter anderem wurde ein Brandsatz in die Wohnung des NPD-Funktionärs geschleudert und sein Auto abgefackelt.

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