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Absurde Posse an der Blindow-Schule

Leipzig: Sozialkundelehrer denunziert jüdischen Schüler wegen „Hitlergruß“

Dienstag, 31 Januar 2017 23:42

Leipzig – Die, man kann es nicht anders sagen, Hysterie um „Nazi-Symbole“ – auch dort, wo gar keine sind – hat in Leipzig eine besonders skurrile Blüte getrieben. An der dortigen Blindow-Schule meldete sich im Sozialkundeunterricht der Schüler Maksym M. (18) „falsch“ – und zwar indem er, wie sein Lehrer später zu Protokoll gab, „halbwegs deutlich seinen rechten Arm mit flacher Hand auf Augenhöhe schräg nach oben streckte“. Der Lehrer deutete dies als „Hitlergruß“ und denunzierte den jungen Mann bei der Schulleitung. Was die Geschichte besonders absurd macht: Maksym M. ist ein Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland.

Während andere Schüler später angaben, dass ihr Mitschüler von der Sonne geblendet wurde und deshalb die Hand schräg gegen das Sonnenlicht streckte, folgte Schulleiter Michael Blindow der Version seines Kollegen, warf den Jungen von der Schule und schaltete sogar den Staatsschutz ein. Es wurde gegen Maksym M. wegen des Verdachts der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen ermittelt. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. 

Der Anwalt der jüdischen Familie, Dr. Mario Müller, erwartet nun eine Entschuldigung von der Schulleitung und dem Sozialkundelehrer, den er als „offensichtlich überfordert“ bezeichnete. Die Eltern des Jungen beklagen: „Unser Sohn wurde für etwas bestraft, das er nicht getan hat.“ Maksyms Mitschüler haben inzwischen eine Unterschriftenkampagne zu seiner Rehabilitierung gestartet. Sie wollen, dass er die Blindow-Schule wieder besuchen darf. Die hat seinen Verweis trotz Einstellung des Verfahrens nämlich immer noch nicht aufgehoben.

Letzte Änderung am Mittwoch, 01 Februar 2017 00:19
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