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Juliane Nagel (Linke) warnt: „Ein Grund zum Feiern aber ist das nicht“

Leipzig: Licht aus bei Legida?

Dienstag, 10 Januar 2017 14:39
Legida-Anhänger in Leipzig (2015) Legida-Anhänger in Leipzig (2015)

Leipzig – Gut zwei Jahre nach der ersten Demonstration des Leipziger Pegida-Ablegers Legida wollen die Initiatoren das Projekt offenbar weitestgehend begraben. Am Montagabend erklärte Legida-Organisator Arndt Hohnstädter vor rund 500 Anhängern bei der wohl letzten Demo der Gruppierung in der Messestadt: „Wir haben uns als Legida wirklich bemüht, mit Dresden und Chemnitz eine Struktur aufzubauen. Leider ist uns das bis heute nicht geglückt.“

Dies solle man allerdings nicht als „Abgesang“ verstehen. Künftig seien „kleinere Veranstaltungen denkbar“, schob Hohnstädter am Tag darauf gegenüber „LVZ.de“ nach. Konkret nannte der Leipziger Rechtsanwalt, der als Verteidiger rechter Szenegrößen bekannt ist, Kabarett-Veranstaltungen mit dem szeneintern als „der Franzose“ bekannten Ex-Polizisten Stephane Simon und ein „sachsenweites Bürgerforum“. 

Politische Gegner wie Sachsens Grünen-Chef Jürgen Kasek, ebenfalls ein Leipziger Anwalt, zeigten sich erleichtert über das Ende von Legida auf der Straße. Die Leipziger Linke-Landtagsabgeordnete und Antifa-Aktivistin Juliane Nagel warnte hingegen davor, verfrüht die Sektkorken knallen zu lassen. Die „Leipziger Neonaziszene“ sei „inzwischen gut vernetzt“, die „gesellschaftliche Stimmung“ bleibe „massiv aufgeheizt“. Außerdem gebe es auch in Leipzig „Alltagsrassismus in Behörden, im öffentlichen Raum, auf dem Wohnungsmarkt usw.“. Ein Problem sei außerdem die „rechtsautoritäre sächsische CDU“, die „einer lebendigen Zivilgesellschaft und damit der demokratischen Kultur in Sachsen 25 Jahre lang geschadet“ habe und dies auch weiterhin tun werde. 

Politische Beobachter haben schon erwartet, dass bei Legida die Lichter über kurz oder lang die Lichter ausgehen. Anders als in Dresden gab es in Leipzig mit seiner starken Connewitzer Autonomenszene stets massive Gegenproteste, die oft gewalttätig verliefen und die Demos von Legida zu einem gefährlichen Unterfangen machten. Dies verschreckte zunehmend die bürgerliche Klientel von Legida. Außerdem stimmt die Chemie zwischen den Dresdner Pegida-Organisatoren um Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz und den Leipziger „Legidianern“ schon seit einiger Zeit nicht mehr. Vereinfacht könnte man sagen: Legida hat sich nach Ansicht der Pegida-Macher zu stark in die rechtsextreme Richtung entwickelt. Ein Ende des Projekts war daher schon seit längerer Zeit abzusehen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 12 Januar 2017 14:05
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