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Lehrermangel in der Lausitz

Heiko Kosel (LINKE) will tschechische Lehrer an sorbische Schulen holen

Mittwoch, 01 März 2017 05:09
Heiko Kosel, MdL (Linke) Heiko Kosel, MdL (Linke) Quelle: Sven Teschke | CC BY-SA 3.0 | de.wikipedia.org

Bautzen – Auf Initiative des sorbenpolitischen Sprechers der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Heiko Kosel, haben sich Anfang der Woche der für Schulwesen, Jugend und Sport zuständige Vertreter des Regionspräsidenten der Region Usti (Tschechien), Petr Smid, die Vorsitzende des Sorbischen Schulvereins e.V., Ludmila Budar, und der tschechische Europaabgeordnete Jaromir Kohlicek zu einem ersten Koordinierungsgespräch getroffen. Grund für die Zusammenkunft war die Auslotung von Möglichkeiten für die Anwerbung tschechischer Lehrer für sorbische Schulen.

Nach dem Treffen erklärte Kosel: „Der Tatsache, dass der Sorbisch-Unterricht in der Ober- und Niederlausitz nicht durch geringe Schülerzahlen, sondern wegen fehlender Lehrer ernsthaft gefährdet ist, sind sich die sorbischen Akteure bewusst. Im gemeinsamen Bericht des Kultus- und des Wissenschaftsministeriums zur Gewinnung von Lehrkräften für Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet wird dies mit Zahlen untersetzt. Bis zum Jahr 2025 werden 99 Lehrerkräfte aus dem Dienst ausscheiden. Da ab 2017 bis etwa 2025 jährlich zehn bis 15 Lehrer nicht mehr zur Verfügung stehen, ist sofortiges Handeln notwendig.“

Und weiter: „Die Idee, geeignete Lehrkräfte aus Polen, Tschechien und der Slowakei für einen Einsatz an sorbischen Schulen zu gewinnen, wird durch beide Ministerien geteilt. Daher haben wir uns, auf der Grundlage des Artikels 26 des Vertrags über die gute Nachbarschaft, in welchem zwischen der Tschechischen und Slowakischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland (vom 27.02.1992) die Entsendung von Lehrern sowie der Ausbau des Austausches von Schülern und Lehrern vereinbart wurde, über die Möglichkeiten der solidarischen Unterstützung aus der Region Usti verständigt.

Beide Seiten hätten sich, so Kosel, auf folgende Vorgehensweise geeinigt:

„Ein bloßes Abwerben tschechischer Lehrkräfte wäre auf Grund der angespannten Arbeitsmarktsituation in Tschechien kontraproduktiv. Daher bieten die tschechischen Partner dem sorbischen Volk eine Solidaritätsinitiative zur personellen Unterstützung des sorbischen Schulwesens an. Als ersten Schritt sollen für Gymnasiasten in der Region Usti Informationsveranstaltungen über die Geschichte der tschechisch-sorbischen Beziehungen, die aktuelle Lage der Sorben und die Ausbildungs- und Berufsperspektiven als Lehrer an sorbischen Schulen angeboten werden. Gleichzeitig werden Kontakte zu Leitungen von Universitäten mit pädagogischer Ausbildung aufgenommen, um diese für die Solidaritätsinitiative zu begeistern. Zugleich sehen wir das Sächsische Kultusministerium und Wissenschaftsministerium in der Pflicht, die Voraussetzungen für die unbürokratische Umsetzung des Einsatzes tschechischer Lehrkräfte an sorbischen Schulen, gemeinsam mit der tschechischen Seite, zu schaffen.“

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