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Eltern empört über die Pläne der Schulbehörde

Dresden-Prohlis: Grundschüler müssen Asylbewerbern weichen

Freitag, 09 Oktober 2015 15:30
Eltern empört über die Pläne der Schulbehörde Eltern empört über die Pläne der Schulbehörde

Dresden – Die Schüler der 89. Grundschule im Dresdner Stadtteil Prohlis ziehen demnächst in ein Ausweichquartier um. Schon nach den Herbstferien sollen die Kinder in einem derzeit ungenutzten Schulgebäude am Terrassenufer unterrichtet werden. In die Schule am Boxberger Weg in Prohlis sollen, wahrscheinlich noch in dieser Woche, 150 Asylbewerber einziehen. Zunächst war geplant, die Migranten nur in einem Trakt des Gebäudes unterzubringen und den Schulbetrieb parallel weiterlaufen zu lassen. Dagegen gab es Proteste aus der Elternschaft, eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die Mehrheit der Schüler blieb einen Tag lang dem Unterricht fern. Nach dem Umzug soll nun auch das Haus B, in dem der Schulbetrieb stattfand, zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden.

In der Lokalpresse heißt es, die Eltern hätten nach der Entscheidung von Schulbürgermeister Peter Lames (SPD) für den Umzug ans Terrassenufer „aufgeatmet“. Wie die SACHSEN DEPESCHE allerdings aus Kreisen der Betroffenen erfuhr, ist man über diese Lösung alles andere als glücklich, da sich der Schulweg für einen Teil der Kinder verlängert und die Schüler aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Wie zu vernehmen ist, wäre es vielen Eltern lieber gewesen, die Stadt hätte ihre Entscheidung rückgängig gemacht und die Asylanten woanders untergebracht. Kreiselternratschefin Annett Grundmann erklärte dazu am Freitag: „Wir haben der Stadtverwaltung deutlich signalisiert, dass wir die Nutzung von Sporthallen und Schulgebäuden als Asylbewerberunterkunft für sehr problematisch halten.“

Ausschlaggebend war am Ende jedoch ein Brandanschlag, den Unbekannte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf den Teil des Gebäudes, das zunächst für die Unterbringung von Asylbewerbern vorgesehen war, verübt wurde. Nun argumentiert die Dresdner Schulbehörde mit Sicherheitsbedenken und behauptet, man habe mit der Entscheidung auf die Furcht der Eltern vor fremdenfeindlichen Übergriffen reagiert. Die Sorge der Eltern bezog sich allerdings vornehmlich auf eine mögliche Gefährdung ihrer Kinder bei gleichzeitiger Asylanten-Unterbringung.

Der Fall verdeutlicht einmal mehr, unter welchem Druck die lokalen Entscheidungsträger momentan stehen. Bis zum 18. Oktober soll die Zeltstadt in der Bremer Straße abgebaut und stattdessen Leichtbauhallen für 500 Migranten errichtet werden. Außerdem wurde in dieser Woche bekannt, dass in der Johannstadt, Ecke Blasewitzer/Fetscherstraße, eine neue Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates für 700 Asylanten bis Anfang 2016 entstehen soll. Auch in den bestehenden Asyl-Unterkünften steigt die Zahl der Bewohner täglich. Allein im ehemaligen Technischen Rathaus an der Hamburger Straße sind mittlerweile 1.332 Menschen untergebracht – doppelt so viele wie noch vor einer Woche.

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