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Sicherheitsbehörden vermuten Zusammenhang mit den „Identitären“

Dresden: Anschlag auf Verbindungshaus der Burschenschaft Salamandria

Samstag, 11 März 2017 16:24
Farbanschlag auf Dresdner Burschenschaftshaus Farbanschlag auf Dresdner Burschenschaftshaus Quelle: Burschenschaft Salamandria

Dresden – Auf das Haus der Dresdner Burschenschaft Salamandria ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gegen zwei Uhr morgens ein Farbbomben-Anschlag verübt worden. Unbekannte Täter, vermutlich aus dem linksextremen Spektrum, bewarfen das Verbindungshaus in der Südvorstadt mit Farbbeuteln und sprühten die Parole „Make racists afraid again“ („Rassisten wieder ängstlich machen“) auf die Vorderwand der denkmalgeschützten Gründerzeit-Villa.

Ein Sprecher der Burschenschaft bezifferte den entstandenen Sachschaden gegenüber SACHSEN DEPESCHE auf ungefähr 10.000 Euro, da sowohl Holzschnitzereien als auch Sandstein betroffen seien. Vorerst reagierten die jungen Verbindungsstudenten, indem sie den gesprayten Spruch mit einer Teil-Überklebung abänderten, so dass dort nun – in Anlehnung an die Wahlparole Donald Trumps – „Make Burschenschaft great again“ („Die Burschenschaft wieder groß machen“) steht. Eine Malerfirma soll in den nächsten Tagen damit beauftragt werden, den Schaden zu beheben.

Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der Anschlag im Zusammenhang mit der Aktion der „Identitären“ auf dem Neumarkt steht. Die Aktivisten der Bewegung hatten das Bus-Monument vor der Frauenkirche in einer guerillamäßigen Aktion vor kurzem mit einem Transparent versehen, auf dem „Eure Politik ist Schrott“ zu lesen war. Die Aktion sorgte weit über Dresden und Sachsen hinaus für Schlagzeilen. Die linksextreme Szene vermutet, dass die Sache im Haus der Burschenschaft Salamandria vorbereitet worden war.

Gegenüber SACHSEN DEPESCHE bestritt ein Burschenschaftssprecher solche Verbindungen: „Wir sind weder politisch gebunden noch eine Art Operationsbasis der Identitären. Ich will aber nicht ausschließen, dass Anhänger dieser Bewegung schon mal Gast bei einer Veranstaltung auf unserem Haus waren. Wir führen keine Gesinnungskontrolle am Einlass durch.“

Die Dresdener Burschenschaft Salamandria gehört zu jenen studentischen Bünden, die unter widrigen Umständen in der früheren DDR gegründet wurden und sich noch vor dem Mauerfall in der Rudelsburger Allianz vereinigten. Bei Gründung im Jahr 1966 nannte sich die inzwischen schlagende Verbindung „Salamanderclub“, seit 2014 gehört sie dem Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) an, vor einiger Zeit konnte sie ein Haus in der Südvorstadt beziehen und eine Aktivitas aufbauen. Ihr Wahlspruch lautet „Glaube – Freiheit – Brüderlichkeit“ und steht, wie man auf der Netzseite der Burschenschaft nachlesen kann, für Gemeinschaft, „den Glauben an die Einheit Deutschlands“, „die Freiheit der Meinung und der Rede“ sowie „die Freiheit der Beteiligung an politischer Entscheidungsfindung“.

Im Oktober letzten Jahres fand auf dem Salamandria-Haus eine Buchlesung mit dem Schriftsteller Akif Pirinçci statt. Der frühere Katzenkrimi-Autor stellte sein neues Buch „Umvolkung“ vor. SACHSEN DEPESCHE berichtete: https://www.sachsen-depesche.de/regional/akif-pirinçci-liest-bei-der-dresdener-burschenschaft-salamandria-aus-seinem-buch-„umvolkung“.html.

Letzte Änderung am Samstag, 11 März 2017 16:31
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