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Dorfjugend übte zivilen Ungehorsam

Doch kein „politisch korrektes“ Hexenfeuer in Bauda

Montag, 04 Mai 2015 13:58
Hexenfeuer Hexenfeuer Quelle: PIXABAY.COM

Großenhain – Auch in diesem Jahr loderten in ganz Sachsen wieder hunderte Hexenfeuer in der Walpurgisnacht. Hochburg dieses traditionellen Brauchs am Vorabend des 1. Mai ist die Oberlausitz. Zu den bekanntesten Veranstaltungen der Region zählt das Hexenbrennen in Göda bei Bautzen. Mit einem Fackelumzug wird dort die Hexe „Alte Sauerei“ abgeholt und nach einem Hexengericht auf dem Festplatz verbrannt. Das Maifeuer wurde in früheren Zeiten entfacht, um „böse Geister“ zu vertreiben. Bei den „Hexen“ handelt es sich üblicherweise um Holz- oder Strohpuppen.

In Bauda, einem Ortsteil von Großenhain im Landkreis Meißen, wird schon seit über 20 Jahren ein solches Hexenfeuer veranstaltet. Nun aber hatte Ortschaftsrat Sven Mehnert sein Veto gegen die symbolische „Hexenverbrennung“ eingelegt, da er darin eine „Diskriminierung“ sieht und sich ans finstere Mittelalter erinnert führt. Mehnert hatte damit gedroht, sein Mandat zurückzugeben, sollte der Ortschaftsrat nicht für eine Abschaffung der „Hexe“ sorgen. Da die Organisation der Walpurgisnacht-Feier in den Händen der Kommune liegt, kam sein Ansinnen auf die Tagesordnung einer Ortschaftsratssitzung und fand eine knappe Mehrheit von drei zu zwei Stimmen.

Für Ex-Ortsvorsteher Peter Grünberg, der das Baudaer Hexenfeuer Anfang der neunziger Jahre ins Leben gerufen hatte, eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. „Die Hexe gehört einfach auf den Haufen“, erklärte er gegenüber der „Morgenpost“. „Überall anders ist es doch genauso. Die anderen Dörfer lachen schon über uns. Ich muss mir schon überlegen, ob ich da überhaupt noch hingehe.“ Auch Erika Neumann, die all die Jahre zuvor die Stroh-Hexe gebastelt hatte, zeigte sich empört. „Ich habe das für die Kinder gemacht, nicht für die Erwachsenen“, so die sozial engagierte Baudaerin gegenüber der „Sächsischen Zeitung“. „Und die Kinder waren begeistert, wenn sie ihre Fackeln draufwerfen konnten.“ Unterstützung fand Mehnert allerdings bei Ratsmitglied Bernd-Dieter Flämig. „Es gehört sich einfach nicht eine Person zu verbrennen“, so der Ortschaftsrat. „Auch eine symbolische Verbrennung ist eine Verbrennung.“

Die Dorfjugend wollte sich allerdings nicht an die „politisch korrekten“ Vorgaben der Bürgervertreter halten. In einem Akt des zivilen Ungehorsams sorgten die jungen Leute dafür, dass auch in diesem Jahr eine Strohpuppe auf dem Feuer landete. Ortschaftsrat Flämig ist deswegen stinksauer. „Das wird ein Nachspiel haben“, zitierte ihn die „Sächsische Zeitung“ am Montag. Hexenfeuer-Gründer Grünberg kann hingegen eine gewisse Genugtuung nicht verhehlen. Man sollte die politische Korrektheit nicht auf die Spitze treiben und jeden harmlosen Spaß abschaffen, so der ehemalige Ortsvorsteher von Bauda. Auch sein Nachfolger Lars Dronigke sieht die Sache eher locker. Er kommentierte er den Vorfall mit den Worten: „Nun hat das Volk zurückgeschlagen.“ Wie man hört, konnte er sich dabei ein Grinsen kaum verkneifen.

Letzte Änderung am Freitag, 07 August 2015 14:52
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