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Eine verzauberte Prinzessin in der Inneren Neustadt

Die Behr'sche Villa in Dresden und ihre Bewohner

Dienstag, 09 August 2016 17:52
Dornröschenschlaf: die Behr'sche Villa in der Dresdner Wigardstraße Dornröschenschlaf: die Behr'sche Villa in der Dresdner Wigardstraße Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Wer vom Carolaplatz zur Albertbrücke unterwegs ist, passiert den verwunschen wirkenden Platz, eine linkerhand hinter Bäumen versteckte Hausruine. Ohne Bezug zum unwirtlich gewordenen Umfeld trotzt die ehemals Behr'sche Villa – auf dem Eckgrundstück Wigardstraße 21/Glacisstraße – der Zeit und harrt ihrer Wiederauferstehung.

Der unter Denkmalschutz stehende, spätklassizistische Bau wurde zwischen 1824 und 1832 errichtet, und es macht Mühe, seine einstige Schönheit zu erahnen. Bewohnt hat das Haus Johann Heinrich August von Behr (1793-1871). Der in Freiberg geborene promovierte Jurist war 1833 Amtmann des Verwaltungsbezirkes Dresden geworden. Als Geheimer Finanzrat war Behr 1838 an der Erarbeitung einer neuen Strafprozessordnung beteiligt. 1849 übernahm er die Führung des Sächsischen Finanzministeriums, wechselte 1858 an die Spitze des Justizministeriums, dem er bis 1866 vorstand. Für das sächsische Königreich fiel in diese Ära die Einführung wichtiger Gesetze, namentlich des Bürgerlichen Gesetzbuches von 1861. König Johann (1801-1873) hat seinen Minister 1860 in den Adelsstand erhoben.

Nach dessen  Tod übernahm Sohn Camillo von Behr das Haus. Später soll „Standers Bierbrauerei“ hier ihren Sitz gehabt haben, Anfang der 1990er Jahre ein Souvenir- und Werbemittel-Großhandel. Damit fand die Nutzung des Gebäudes ihr vorläufiges Ende. Vor sechs Jahren wurde der Bau notgesichert, ließ der Eigentümer das Dach reparieren und neue Dachrinnen anbringen. Einmal noch sorgte die Künstlerin Patricia Westerholz 2008/2009 mit einer Lichtinstallation für Aufsehen, wobei an 78 Abenden Fenster des verlassenen Hauses illuminiert wurden.

Die Stadt Dresden verfüge über einen Bauvorbescheid, der die Sanierung des Hauses und die Neuerrichtung zweier Wohnhäuser auf dem Grundstück vorsehe, wusste 2015 eine Dresdner Zeitung zu berichten. Heute verheißt immerhin eine Werbetafel der DIMAG dem interessierten Beobachter die Idee einer schicken  Bürovilla von 400 Quadratmetern. Doch vielleicht ist es gerade der jüngst auch in der sächsischen Landeshauptstadt in Gang gekommene Bauboom, der eine in die Jahre gekommene Prinzessin in der Wigardstraße erfolgreich aus ihrem viel zu langen Dornröschenschlaf zu erwecken vermag.

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