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PEGIDA auf dem Dresdner Neumarkt

Die Basis der AfD

Freitag, 26 Mai 2017 17:08
St. Petersburger Blasmusik mit „Deutschlandlied“ am 22. Mai 2017 bei PEGIDA auf dem Schloßplatz St. Petersburger Blasmusik mit „Deutschlandlied“ am 22. Mai 2017 bei PEGIDA auf dem Schloßplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 111. Veranstaltung der PEGIDA, am 22. Mai 2017 auf dem Neumarkt. Lutz Bachmann wirkt ernüchtert, statt gewohnten Großsprechs findet er eingangs fast nachdenkliche Töne. „Das Schlimmste“, so der PEGIDA-Gründer, sei die „Gleichgültigkeit der Mehrzahl der Deutschen und Europäer“.

Kein Zweifel, angesichts der im Eiltempo fortschreitenden Multikulturalisierung scheint sich die angesprochene Mehrzahl seiner Mitbürger in das ihnen zugedachte Los hineinzuschicken und die ausgestreckten Hände der Populisten zu verschmähen. So bleibt es auch an diesem Abend beim harten Kern einer Empörungsbewegung, die ihre besten Tage hinter sich hat und weder richtig schrumpfen noch weiter wachsen mag. Also hoffen viele Pegidianer auf die AfD, die den jüngsten „Schulterschluss“ heuer mit zwei Rednern – Petry hin, Wurlitzer her – zu bekräftigen sucht.

Thomas Goebel, Maler- und Lackiermeister aus Chemnitz, ist Listenkandidat der AfD für den Bundestag. Gleich zu Beginn kokettiert er mit dem möglichen „Karriereknick“ oder gar einem Ausschlussverfahren seiner Partei und spielt damit auf die desaströsen Zustände in der Petry-Truppe an, die auch wenige Wochen vor den Wahlen vor allem mit internen Querelen beschäftigt bleibt. Holzschnittartig geht es weiter: Verfall, Zersetzung, „Umvolkung“, schließlich: „Gebt uns vier Jahre Zeit in der Opposition.“ Die Pegidianer jubeln und brüllen: „Widerstand!“

Nach dem obligatorischen „Spaziergang“ beginnt Egbert Ermer, Vorstandsmitglied des AfD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Auch in der AfD gebe es „U-Boote“, die die Partei „unterbuttern“ würden, was die AfD-Basis aber nicht zulassen werde. Dann ein Höhenflug: „Regierungsbank für die AfD!“ Einstweilen sollte man jedoch Koalitionen eine Abfuhr erteilen, müsse Opposition machen, solange, bis man „diese Verbrecher von unseren Berliner Regierenden“ abgewählt habe. Das Ziel sei „51 Prozent AfD“. Als Realist (!) wisse Ermer jedoch, dass man um Koalitionen kaum herumkomme, doch nicht mit den „Altparteien“. Die müssten sich zuvor erneuern und eine „Fußbank“ mitbringen, um „auf Augenhöhe“ mit der AfD sprechen zu können. Starke Worte, doch bis dahin wird Ermers Partei noch viele Wahlen gewinnen müssen, und von besagter „Fußbank“ dürfte schon im Herbst kaum mehr die Rede sein.

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