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Aus NPD-Film bekannter Bautzener Hotelier Besitzer des Hauses

Bürger und Rathauschef Siegfried Zenker (CDU) gegen Umwandlung des Waldhotels Weinböhla zum Asylantenheim

Sonntag, 20 September 2015 01:39
Siegfried Zenker Kandidat der CDU Weinböhla zur Bürgermeisterwahl 2015 Siegfried Zenker Kandidat der CDU Weinböhla zur Bürgermeisterwahl 2015 Quelle: CDU Meissen

Weinböhla – Das Landratsamt Meißen hat bestätigt, dass der Besitzer des Waldhotels in Weinböhla dem Landkreis ein Angebot unterbreitet hat, sein Haus als Unterkunft für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. Das idyllisch gelegene Vier-Sterne-Hotel ist in der Region als beliebte Urlaubs- und Tagungsresidenz mit einem gepflegten Wellness- und Beauty-Bereich bekannt. Auf seiner Internetseite wirbt das Haus mit den Worten: „Wohlfühlen - jeder hat dazu seine persönlichen Vorstellungen. Für den einen ist es die Lage in einer der schönsten Gegenden Europas, für den anderen eine anspruchsvolle Küche, für den Dritten sind es attraktive Freizeitangebote. Das Waldhotel Weinböhla steht für die perfekte Kombination von allem. Herzlich Willkommen!“

Da sich selbst für Häuser der gehobenen Klasse (siehe Maritim-Hotel in Halle) eine dauerhafte Vermietung der Zimmer an Kommunen oder Kreise zwecks Asylantenbeherbergung mehr lohnt als das normale Tagesgeschäft mit all seinen unternehmerischen Risiken, wittert auch der Inhaber des Weinböhlaer Waldhotels die Chance, am Geschäft mit dem Migrantenzustrom zu profitieren. Das Landratsamt zeigte sich erfreut, zumal der Besitzer des Hotels einen guten Leumund besitzen soll.

Bei dem Inhaber soll es sich demnach um Peter Kilian Rausch handeln, der auch Besitzer des Spreehotels in Bautzen ist, das bereits im Juli 2014 zu einer Asylbewerberunterkunft umfunktioniert wurde. Um das an einem Badesee gelegene Vier-Sterne-Haus in der Lausitz gab es in der Vergangenheit massive Auseinandersetzung, zumal es in der Umgebung mehrfach zu Belästigungen und sogar einem tätlichen Übergriff seitens der Asylbewerber kam. Inhaber Rausch gelangte zu zweifelhafter Berühmtheit, nachdem er NPD-Funktionäre, die in ihrer Eigenschaft als Mitarbeiter und Abgeordnete der damaligen NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag bei ihm angeklopft hatten, bereitwillig durch die Räumlichkeiten führte.

Die Rechten, darunter auch der frühere Fraktionschef Holger Szymanski, hatten sich bei ihm als Landtagsabgeordnete plus Mitarbeiterstab vorgestellt, ohne jedoch die Parteizugehörigkeit zu nennen. Bei dem Rundgang ließ der Hotelier mehrfach abfällige und Bemerkungen über die Bewohner fallen, die später in einem Film zu sehen waren, den die NPD zu Wahlkampfzwecken nutzte. Später ging Rausch juristisch gegen das Video vor, so dass es wieder von YouTube gelöscht werden musste. Da hatten allerdings schon über 100.000 Nutzer von YouTube und Facebook den Film mit den nicht gerade netten Aussagen Rauschs über seine „Hotelgäste“ zur Kenntnis genommen. Ob der Leumund des Hotelbesitzers tatsächlich so gut ist, wie das Meißener Landratsamt behauptet, ist daher fraglich.

Gegen die Pläne Rauschs und des Landratsamtes wendet sich allerdings kein Geringerer als Weinböhlas neu gewählter Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU), der das offenbar defizitäre Waldhotel als Betreuungseinrichtung für Senioren aus dem Ort genutzt wissen – und befindet sich dabei offenbar in Übereinstimmung mit allen Gemeindevertretern. In einem bemerkenswerten Statement auf der Internetseite der Stadt verlautbarte Zenker dazu: „Kurz nach meinen Amtsantritt im August habe ich erfahren, dass das Waldhotel wirtschaftlich nicht profitabel betrieben wird und als Hotel keine nachhaltige Perspektive hat. Vor diesem Hintergrund habe ich die Chance für ein neues Angebot an betreutem bzw. altersgerechtem Wohnen in Weinböhla gesehen, das in Weinböhla zweifelsfrei dringend benötigt wird. Ich habe umgehend auch Kontakt zu möglichen Trägern einer solchen Einrichtung aufgenommen. Die Resonanz der Träger war auch sehr positiv.“

Und weiter: „Ende August wurde ich jedoch durch das Landratsamt Meißen darüber informiert, dass eben auch eine Nutzung als Asylbewerberheim angedacht ist.

Am 24.09.2015 soll in der Sitzung des Kreistages in Riesa der erforderliche Beschluss gefasst werden. Ich verstehe den Handlungsdruck des Landratsamtes in dieser Angelegenheit, möchte aber auch ganz deutlich den Appell anbringen, dass es in Weinböhla für das Waldhotel einen gemeindlichen Eigenbedarf hinsichtlich altersgerechtem Wohnens gibt. Diese Nutzung als betreutes Wohnen wird einstimmig von allen Gemeinderäten getragen. Das Landratsamt habe ich nachdrücklich gebeten, Weinböhla diese Chance nicht zu nehmen. Als Bürgermeister habe ich und werde ich auch weiterhin alles daran setzen, dass Waldhotel für unsere lebensälteren Mitbürger zugänglich zu machen.“

Der Besitzer des Waldhotels, Peter Kilian Rausch, entschuldigte sich im letzten Jahr für seine Asylanten-Beschimpfungen und wurde später von Bautzens Lokalpolitikern und diversen Initiativen für seine Beherbergung von Asylbewerbern belobigt. Manche vermuten allerdings, dass es dem Hotelier weniger um soziales Engagement für Flüchtlinge als vielmehr um Geschäftemacherei geht. Aufschluss über seine wahre Gesinnung gibt möglicherweise ein Treffen, das noch vor wenigen Monaten im Waldhotel stattfand: Am 21. Juli traten dort nämlich der Historiker Peter Feist und der AfD-Landtagsabgeordnete Detlev Spangenberg im Rahmen einer zuwanderungs- und asylkritischen Vortragsveranstaltung des „Compact“-Magazins auf (die SACHSEN DEPESCHE berichtete: http://www.sachsen-depesche.de/politik/peter-feist-sprach-auf-%E2%80%9Ecompact%E2%80%9C-veranstaltung-in-weinb%C3%B6hla-zur-asyl-und-zuwanderungspolitik.html). Ob dem Meißener Landratsamt diese Zusammenhänge oder auch Rauschs unrühmliche Rolle in dem damaligen Anti-Asyl-Film der NPD bekannt sind, muss angezweifelt werden, nachdem es dem Hotelbesitzer einen guten Ruf attestierte.

In der Weinböhlaer Bevölkerung wächst indes der Unmut über das Vorhaben, das Waldhotel in ein Asylantenheim umzufunktionieren. Wie in Großröhrsdorf (Landkreis Bautzen), wo kürzlich die Unterbringung von vermutlich über 700 Asylbewerbern in einer ehemaligen Schüco-Halle verhindert werden konnte, ziehen Bürger und Lokalpolitiker in Weinböhla an einem Strang. Sollte das Landratsamt dennoch über solche Bedenken hinweggehen und Migranten in Rauschs Waldhotel unterbringen, dürften Asyl-Proteste wie in Freital oder Heidenau nur eine Frage der Zeit sein. Dass die verärgerten Menschen dann so einfach als „Pack“ abqualifiziert werden können, ist angesichts des Rückhalts aus dem Rathaus unwahrscheinlich.

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