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Politik schockiert über Zuspruch für „Plauen wehrt sich“

Asylgegner und -befürworter demonstrierten in Plauen

Samstag, 19 September 2015 20:43
Anti-Asyl-Demonstration "Plauen wehrt sich" Anti-Asyl-Demonstration "Plauen wehrt sich" Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Plauen – Etwa 400 Menschen nahmen am Freitag in Plauen an einer Anti-Asyl-Demonstration teil, die von NPD-Funktionären als Initiative „Plauen wehrt sich“ angemeldet worden war. Neben bekannten Kadern der Partei wie dem Landesvorsitzenden Jens Baur, dem Vogtland-Kreisrat Arne Schimmer und dem Stadtrat David Köckert aus dem benachbarten Greiz (Thüringen) trat erstmals auf einer öffentlichen Kundgebung die mittlerweile über die Grenzen des rechten Milieus hinaus bekannte Moderatorin Emma Stabel auf.

Die attraktive junge Frau, deren Gesicht von der NPD offenbar zur Imageaufbesserung genutzt wird, führt durch die wöchentlichen Sendungen von DS-TV, der Internetsendung des parteieigenen Organs „Deutsche Stimme“. Nach Medienberichten nahmen an der Demonstration zahlreiche Bürger aus Plauen teil. Offenbar fruchtete die Strategie der NPD, unter einem scheinbar neutral klingenden Namen aufzutreten.

Den Asylgegnern standen etwa 200 Teilnehmer einer Demo des Plauener „Runden Tisches für Demokratie und Toleranz“ sowie des „Aktionsbündnisses gegen Rechts“ gegenüber. Die Asylbefürworter demonstrierten am Wendedenkmal, während sich „Plauen wehrt sich“ den Platz zwischen Stadtgalerie und dem Modehaus Wöhrl ausgesucht hatten. Laut Lagezentrum der Polizei blieben beide Demonstrationen friedlich.

Lokalpolitiker aller Parteien zeigten sich am Abend schockiert über den unerwartet großen Zulauf aus der Plauener Bevölkerung für die getarnte NPD-Demo. Der vogtländische Landtagsabgeordnete Frank Heidan (CDU) etwa erklärte: „Die Bürger machen sich Sorgen, die Probleme sind nicht wegzudiskutieren. Aber wir sollten uns nicht wehren, sondern helfen.“ Die Pastorin Ulrike Weyer, Superintendentin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, die als Rednerin auf der Pro-Asyl-Demo aufgetreten war, warb indes dafür, sich „nicht von Ängsten einengen [zu] lassen.“ Auch die Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte des Vogtlands, Veronika Glitzner war vor Ort und lobte die Stadt Plauen für die Bereitstellung von Wohnraum zur Unterbringung von Asylbewerbern. Die meisten Flüchtlinge sind dezentral untergebracht, ein Teil lebt auch in einem früheren Hotel sowie in einer früheren russischen Kaserne im Plauener Stadtteil Westend.

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