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Am Wochenende kommen weitere 600 Flüchtlinge

Asyl-Chaos in der umstrittenen Dresdner Zeltstadt

Freitag, 31 Juli 2015 15:06
Asylcamp in Dresden Asylcamp in Dresden Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Dresden – Gerade mal eine Woche existiert das Asylbewerber-Zeltlager in Dresden-Friedrichstadt – und schon machen Nachrichten über katastrophale hygienische Zustände die Runde. Die Verantwortung dafür soll natürlich einzig und allein bei der Landesdirektion, den städtischen Mitarbeitern und der Müllabfuhr liegen, nicht etwa bei den Bewohnern selbst. Die machten ihrem Unmut Luft und bestreikten – unter Beteiligung einheimischer Pro-Asyl-Aktivisten – zeitweise den Eingang des umstrittenen Camps, so dass DRK und andere Hilfskräfte bei ihrer Arbeit erheblich behindert wurden.

Die Dresdner Rechtsanwältin Kati Lang warf dem Freistaat Sachsen unterdessen vor, er verletze mit der Unterbringung von Asylbewerbern in der Zeltstadt die Grund- und Menschenrechte. Medizinische Versorgung, menschenwürdige Unterbringung, Schutz gegen rassistische Angriffe sowie hygienische Standards seien staatliche Pflichten, so die Juristin, die für den Ausländerrat Dresden e.V. Rechtsberatungen anbietet. Auch aus der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung hagelte es Schelte. „Geflüchtete in diesem gesellschaftlichen Klima in Zelten unterzubringen, macht sie in höchstem Maße angreifbar für rassistische Gewalt. Zudem halten wir diese Form der Unterbringung von zum Teil traumatisierten Menschen für inakzeptabel“, so Bildungsreferentin Kathrin Bastet.

Dabei bemühen sich die Verantwortlichen nach besten Kräften, den Flüchtlingen – die, sollten sie tatsächlich politischer Verfolgung oder Krieg entkommen sein, überglücklich sein müssten – den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Die zunächst aufgestellten Dixie-Klos wurden durch Toiletten-Container, die vom DRK eigens aus Polen herangeschafft wurden, ersetzt. Außerdem wurden zusätzliche Duschcontainer aufgestellt. Auch bei Verpflegung, Abfallbeseitigung und Reinigung der sanitären Anlagen gab es mittlerweile spürbare Nachbesserungen.

Die Stadt Dresden richtete zudem einen Lagestab ein, der dem Gesundheitsamt weitere Kompetenzen übertragen hat, damit alle Asylanten vor Ort untersucht werden können und dafür nicht mehr nach Chemnitz transportiert werden müssen. Die Sportanlagen im Ostragehege sind nun vormittags für Flüchtlinge reserviert, außerdem sollen nach Angaben von Verwaltungsbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) künftig kostenlose Zoo-Besuche, touristische Stadtrundgänge und andere Freizeitangebote organisiert werden. Obwohl allgemein bekannt ist, dass die bestehenden Heime voll ausgelastet sind, der Wohnraum in Dresden ohnehin schon knapp ist und so gut wie keine Sozialwohnungen mehr verfügbar sind, in denen Asylbewerber untergebracht werden könnten, ließ es sich der offenbar unter starkem Druck stehende Bürgermeister nicht nehmen, an die Landesregierung zu appellieren, Familien mit Kindern in reguläre Unterkünfte zu verbringen. Es sei „bedrückend, wenn man die Kinder im Schotter spielen sieht“, so Lehmann. Dieser Aufforderung schloss sich umgehend der Flüchtlingsrat Sachsen an.

Mit mittlerweile 1.000 Bewohnern hat die Zeltstadt in der Bremer Straße ihre Kapazitätsobergrenze fast erreicht. Da der Zustrom von Asylbewerbern jedoch nicht abebbt, sondern vielmehr weiter zunimmt, sollen schon am kommenden Wochenende zwei Sporthallen der TU Dresden zu provisorischen Notunterkünften umfunktioniert werden, um Platz für 600 weitere Asylbewerber zu schaffen. Die Politik lässt weiterhin einen konkreten Plan vermissen, wie der zunehmend dramatische Ausmaße annehmende Asyl-Notstand in Sachsens Landeshauptstadt überhaupt noch bewältigt werden soll. Auch die Frage, wo die 1.100 Bewohner des Camps in Dresden-Friedrichstadt untergebracht werden sollen, wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, ist bislang ungeklärt. Fest steht nur eins: Die Stadt steuert sehenden Auges auf einen Zuwanderungskollaps zu, der nicht nur die Kassen, sondern auch die einheimischen Bürger heillos überfordern wird.

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