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SACHSEN DEPESCHE hakt bei Dresdens Tourismusbürgermeisterin nach

Annekatrin Klepsch (Linke): „Ich halte die Aussagen von Herrn Lohmeyer für nicht repräsentativ“

Dienstag, 27 September 2016 20:56
Dresdens Tourismusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) Dresdens Tourismusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) Quelle: Annekatrin Klepsch | Die Linke Sachsen

Dresden – Warum stagniert der Tourismus in Dresden? Über diese Frage gibt es zwischen Tourismusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) und Tourismusverbandschef Johannes Lohmeyer nicht wirklich Einigkeit. Während die Politikerin der Linkspartei in den Pegida-Demonstrationen den Hauptgrund für den Rückgang bei den Übernachtungszahlen sieht, ist für Lohmeyer die mit rot-rot-grüner Stadtratsmehrheit eingeführte Bettensteuer der Tourismuskiller Nummer eins. „Wir als Branche haben massive Beschwerden und auch konkrete Absagen wegen der Bettensteuer und nur wenige wegen der Pegida-Demonstrationen“, erklärte Lohmeyer kürzlich in einem Interview mit der SACHSEN DEPESCHE (http://www.sachsen-depesche.de/interview/johannes-lohmeyer-tvd-„reisen-werden-nicht-von-wahlergebnissen-abhängig-gemacht“.html).

Wie die Geschäftsführerin der stadteigenen Dresden Marketing GmbH, Bettina Bunge, sieht Lohmeyer in der negativen Berichterstattung über die Stadt jedoch durchaus ein großes Problem. Diese Sicht kann Klepsch zwar nachvollziehen, ihr Blickwinkel sei aber ein anderer, wie sie auf Anfrage der SACHSEN DEPESCHE mitteilte. „Frau Dr. Bunge ist für das Außenmarketing zuständig und sorgt sich zu Recht um die mediale Darstellung der Stadt. Ich mache mir als Bürgermeisterin Sorgen um den inneren Zusammenhalt unserer Stadt. Fakt ist, dass Pegida die Stadt Dresden mit ihrer bekannten, historischen Kulisse als Bühne nutzt und sich dabei ein in einen europaweiten Rechtsruck einreiht“, so Klepsch.

Bei ihrer Aussage aus dem Frühjahr 2016, es gebe mehr Absagen wegen Pegida als wegen der Bettensteuer, habe sie sich auf „Beschwerdebriefe und E-Mails“ bezogen, die sie als Beigeordnete für Tourismus erreichten hätten. „Es gibt in vielen deutschen Großstädten eine Übernachtungssteuer und trotzdem wachsen bundesweit die Übernachtungszahlen. Im Übrigen hat Dresden trotz Bettensteuer die niedrigsten Bettenpreise unter den zehn deutschen Topdestinationen“, so ihr Hinweis.

Auch Lohmeyers Einschätzung von Pegida kann die Dresdner Tourismusbürgermeisterin nicht teilen. Im SD-Interview hatte dieser ausgeführt: „Pegida ist zunächst mal eine Demonstration auf dem Boden des Grundgesetzes. Die Inhalte müssen uns nicht gefallen, aber eine Demokratie muss das aushalten. Gegenüber der SACHSEN DEPESCHE erklärte Klepsch dazu, dass auch sie die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit nicht infrage stellen wolle. Allerdings sei es fragwürdig, „dass sich Pegida immer wieder an den bekannten innerstädtischen Plätzen versammeln darf“. Daher sei es „legitim, wenn gewaltfrei gegen Demos mit rassistischer Gesinnung demonstriert“ werde. Auch dies müsse „eine offene und liberale Gesellschaft aushalten“.

Noch weiter gehen die Einschätzungen Lohmeyers und Klepschs bei der Frage auseinander, ob sich die Flüchtlingspolitik Angela Merkels negativ auf den Tourismus auswirke. FDP-Mitglied Lohmeyer hatte hierzu im SD-Interview recht deutliche Worte gefunden: „Die Übernachtungen aus dem Ausland nehmen zu, und ich werde auf Reisemessen im Ausland nicht auf Pegida oder die AfD angesprochen. Wohl spricht man mich im Ausland aber auf Schritt und Tritt darauf an, ob die Sicherheit für Touristen aufgrund der unkontrollierten Massenzuwanderung noch gewährleistet ist. Eine Frage, die ich nach der Silvesternacht, den Attentaten von Ansbach und Würzburg und inzwischen leider regelmäßigen Übergriffen auf nahezu jedem großen Volksfest nur noch bedingt mit ja beantworten kann.“

Annekatrin Klepsch teilte uns dazu mit: „Ich halte die Aussagen von Herrn Lohmeyer für nicht repräsentativ. Unser Ziel muss sein, dass sich alle Menschen, unabhängig davon ob sie Gäste, Einwohner, Flüchtlinge oder Studierende sind und unabhängig von ihrer Hautfarbe in Dresden sicher fühlen.“ Dies erreiche man jedoch nicht, „wenn bewusst Angst geschürt und für andere Zwecke instrumentalisiert wird“. Wohl auch ein Vorwurf an Lohmeyers Adresse, der die vorhandenen Differenzen noch einmal deutlich macht.

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