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PEGIDA vor dem Tag der Deutschen Einheit

„Postfaktische Zeiten“ auf dem Dresdner Postplatz

Donnerstag, 22 September 2016 03:18
PEGIDA-Anhänger auf dem Dresdner Postplatz PEGIDA-Anhänger auf dem Dresdner Postplatz Quelle: Jan Erbenfeld.

Dresden – Waren es Theaterschaffende oder gar die Antifa, die am Montagabend auf dem Balkon des Schauspielhauses ein Banner mit dem Slogan „Nationalismus raus aus den Köpfen“ entrollten, den Einstieg für Siegfried Däbritz' Wochenrückblick lieferte – die Bundeskanzlerin. Angesichts der CDU-Wahlniederlage hatte Merkel wenige Stunden zuvor auf einer Pressekonferenz selbstkritisch beteuert, in der Flüchtlingskrise die Zeit „zurückdrehen“ zu wollen, was auf dem gut gefüllten Postplatz mit lautstarkem „Merkel muss weg!“ quittiert wurde. Genau dies hat die Regierungschefin vielleicht gemeint, als sie gegenüber den Journalisten von „postfaktischen Zeiten“ sprach, in denen „die Menschen“ ganz nach ihrem „Gefühl“ leben würden.

Glückwünsche gingen nach Berlin, wo die AfD bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 14,2 Prozent erreichen konnte, Kritik an die bayerische CSU, die Däbritz aufforderte, statt bloßer Verbalattacken („heiße Luft“) die „unsägliche Große Koalition“ endlich platzen zu lassen, um für Neuwahlen zu sorgen. Die „Soll-Phantasien“ des EU-Gipfels von Bratislava und deren Agenda kommentierte Däbritz kritisch, „aus dieser EU sein nichts mehr zu erwarten“. Stattdessen setze man „auf Le Pen, Strache, Wilders, Höcke und die anderen freiheitlich-patriotischen Kräfte Europas“.

In Bautzen sei das „Fass übergelaufen“. Dort hätte man getan, was am Silvestertag in Köln versäumt worden wäre, nämlich die Frauen „zu verteidigen“, weshalb die Bürger nun „Neonazis“ genannt würden. Ausdrücklich nahm Däbritz die sächsische Polizei in Schutz, die in Bautzen „Recht und Ordnung“ durchgesetzt habe und sich nun beschimpfen lassen müsse.

In „postfaktische Zeiten“ sah sich auch der Beobachter versetzt, als die „Spaziergänger“ dann bei ihrem obligatorischen Umzug von der Wilsdruffer in die Seestraße einbogen. Linkerhand hatte sich ein Trupp junger Leute von der Antifa hinter einem Transparent postiert. „Nazis raus“, klang es den Pegidianern entgegen, die ihrerseits „Nazis raus“ zurückbrüllten, was die Absurdität der Szene akustisch offenbarte.

Auf dem Platz gingen Zettel von Hand zu Hand, auf denen die Präsenz von „Frau Dr. Merkel und Herrn Gauck“ am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in Dresden dokumentiert war. Ohnehin tobt seit Tagen im Internet wie im wirklichen Leben eine Schlammschlacht um die Protestdemonstrationen an diesem Tag. Sowohl Tatjana Festerlings „Festung Europa“ als auch Lutz Bachmanns PEGIDA wollen nahezu zeitgleich agieren und bezichtigen sich wechselseitig des „Verrats“ und der „Spaltung“.

In dem Zusammenhang ist auch die radikale Linke nicht untätig. Wie BILD berichtet, wollen die Damen und Herren aus Leipzig-Connewitz mit einer „Antifa Action“ die Dresdner Einheitsfeier „zum Desaster“ machen. Ein Aufruf dazu soll eine Zeitlang auch im Fenster des Linken-Büros in der Dresdner Neustadt zu sehen gewesen sein, an dessen Tür auch die Abgeordneten Juliane Nagel (MdL) und Cornelia Ernst (MdEP) ihre Namensschilder haben.

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 September 2016 16:11
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