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Prozessionen verkünden die Auferstehung Christi

Über 1.500 Osterreiter zogen auch in diesem Jahr durch die sorbische Oberlausitz

Montag, 28 März 2016 19:53
Fahnenträger beim Osterreiten in Wittichenau Fahnenträger beim Osterreiten in Wittichenau Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Ralbitz/Wittichenau/Ostritz – Mehr als 1.500 Osterreiter mit Zylinder und Gehrock waren am Ostersonntag wieder in der sorbischen Oberlausitz unterwegs, um in Liedern und Gebeten die Botschaft von der Auferstehung Christi zu verkünden. Die erste Prozession hoch zu Pferd begann am Morgen in Ralbitz (Landkreis Bautzen), weitere neun Umzüge verdeutlichten die nach wie vor lebendige Tradition des Osterreitens in den überwiegend katholischen Gemeinden der sorbischen Siedlungsgebiete in Sachsen. Besondere Beachtung fand auch diesmal eine Prozession, die am Mittag in Ostritz (Landkreis Görlitz) startete: Rund 100 Reiter nahmen hier beim traditionellen Ostersaatreiten zum Kloster St. Marienthal teil, das seit 1993 in ökumenischer Gemeinschaft gepflegt wird.

Die größte und zugleich älteste Reiterprozession (seit 1541) beginnt in Wittichenau nahe Hoyerswerda im Landkreis Bautzen. Mehr als 450 Kreuzreiter begaben sich auch diesmal wieder auf den Weg zur Pfarrgemeinde Ralbitz und zogen am späten Nachmittag zurück nach Wittichenau, wo auf dem Marktplatz die Abschlussmesse stattfand. Eine weitere Besonderheit des Osterreitens in Wittichenau ist die Zweisprachigkeit. Während die anderen Osterprozessionen zumeist auf Sorbisch abgehalten werden, wird von Wittichenauer Kreuzreitern in einem Teil der Prozession deutsch und im anderen Teil sorbisch gesungen und gebetet.

Das Osterreiten hat in der Oberlausitz eine lange Tradition. Ursprünglich ritten die heidnischen Slawen im Frühjahr um ihre Felder, um die bösen Geister des Winters zu vertreiben und für eine gute Ernte zu bitten. Auch nach der Christianisierung behielt der Brauch noch lange seine ursprüngliche Bedeutung. Ein besonderer Augenschmaus sind bis heute die kunstvoll geschmückten Pferde, die mit einem speziellen Muschelgeschirr mit christlichen Symbolen und bunt bestickten Schleifen ausstaffiert werden. Tausende Besucher von Nah und Fern konnten sich daran auch in diesem Jahr wieder erfreuen.

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