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Appelle von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) reichen nicht aus

Vorbild DDR? Susanne Schaper (LINKE) fordert Impfpflicht

Montag, 18 Juli 2016 19:56

Dresden – Nach Ansicht von Ärzten mangelt es immer mehr Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Sachsen an einem hinreichenden Impfschutz. Während 95 Prozent der Vorschulkinder mit allen von den Medizinern empfohlenen Impfungen versorgt sind, haben schon bei den Achtjährigen nur neun von zehn einen vollständigen Impfschutz. Bei mehr als jedem zweiten Zwölfjährigen fehlen Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten, bei den Erwachsenen gibt es teilweise noch größere Lücken.

Um der zunehmenden Impfmüdigkeit im Freistaat entgegenzuwirken, hat Sozial- und Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) schon vor einigen Monaten den „Sächsischen Impftisch“ ins Leben gerufen. „Wir wollen, dass Ärzte ihre Patienten stärker auf Impflücken ansprechen“, erklärte die CDU-Politikerin dazu im Mai dieses Jahres. Außerdem will ihr Ministerium derzeit per Umfrage herausfinden, wie die Sachsen über das Impfen denken, um daraus möglicherweise weitere Maßnahmen ableiten zu können.

Der sozialpolitischen Sprecherin der LINKE-Fraktion im Sächsischen Landtag, Susanne Schaper, ist das allerdings zu wenig. Es sei ihr „völlig schleierhaft“, wie die Ministerin allein mit dem Sammeln von Daten und Appellen an die Bürger „die Impfmüdigkeit im Freistaat überwinden und ihr Ziel, Masern und Röteln bis 2020 aus Deutschland zu verbannen, erreichen will“, so Schaper am Samstag.

Infektionskrankheiten seien längst nicht ausgerottet, auch immer mehr Erwachsene seien betroffen, wie die Masernwelle, die 2015 in Leipzig ausbrach, gezeigt habe. „Von den 271 Erkrankten in Sachsen waren Medienberichten zufolge 51 älter als 18 Jahre. Auch Keuchhusten breitet sich wieder aus und wurde letztes Jahr rund 400 Mal diagnostiziert. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen“, warnte die LINKE-Politikerin.

Schaper plädiert daher für die Einführung einer Impfpflicht, wie es sie bereits zu DDR-Zeiten gab. Außerdem spricht sie sich dafür aus, „eine Impfberatungspflicht vor dem Kitabesuch gesetzlich zu regeln“. Darin stimme sie „mit vielen Kinderärzten und weiteren Fachleuten überein“, betonte die Sozialpolitikerin der Linksfraktion.

Bei Impfgegnern und -kritikern dürfte Schapers Vorstoß schroffe Ablehnung erfahren. Viele Eltern lehnen Impfen nicht grundsätzlich ab, haben aber Zweifel, welche Impfungen für ihr Kind wirklich gut und notwendig sind. Die Idee einer gesetzlichen Pflicht zur Impfung geht auch vielen Menschen, die dem Impfen grundsätzlich positiv gegenüberstehen, zu weit, weil dies einen erheblichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen bedeuten würde. Mit solchen Fragen brauchte sich die DDR freilich nicht auseinanderzusetzen.

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